Viele der Corona-infizierten Kinder, die in der Kinderklinik Dortmund stationär behandelt werden mussten, klagten bei der Aufnahme über Husten oder Schnupfen. © dpa
Coronavirus bei Kindern

Verunsicherte Mutter: Sohn wird trotz Corona-Symptomen nirgends getestet

Schnupfen, Fieber und Schüttelfrost – alles Symptome einer Corona-Infektion. Dennoch verweigerten Ärzte den Kindern einer Castrop-Rauxelerin einen Test. Was die Frage aufwirft: Durften sie das?

Das Coronavirus bestimmt nach wie vor den Alltag eines jeden Menschen. So war auch Susanne Kaufmann* (Name von der Redaktion geändert) direkt besorgt, als sie ihren Sohn (6) von der Schule in Castrop-Rauxel abholen musste. „Zuerst fing es mit leichten Symptomen an. Danach hatte er Fieber, Kopfschmerzen und Halsschmerzen“, berichtet die zweifache Mutter.

Noch am gleichen Tag entschied sich Kaufmann, mit dem Kind zu einer Apotheke in der Nähe zu gehen, um ihn auf Corona testen zu lassen. Doch statt Klarheit über den Gesundheitszustand ihres Kindes zu bekommen, wurde sie abgewiesen. Bürgertests mache man bei Kindern nicht, so Mitarbeiter der Apotheke zu der Mutter.

In einem zweiten Anlauf probierte sie es bei der Notaufnahme in der Kinder- und Jugendklinik in Datteln. Auch dort gab es keinen Corona-Test, obwohl die Klinik die Symptome bestätigte. Nachvollziehen kann das Susanne Kaufmann nicht.

Keine Tests in Notaufnahmen

Auf Anfrage unserer Redaktion erklärt die Klinik, dass es generell nur zu einem Test kommt, wenn das Kind stationär eingewiesen wird. Sonst liege die Durchführung von Coronatests nicht im Aufgabenbereich einer Notaufnahme. Stattdessen solle dafür der Kinderarzt aufgesucht werden.

Andreas Schmutte, Sprecher der Kinderärzte im Kreis Recklinghausen, bestätigt dieses Vorgehen: „Beim Notdienst geht es nun mal um die Versorgung von Notfällen.“ Die Durchführung von PCR-Tests gehöre nicht dazu.

Auf Empfehlung der Klinik vereinbarte Susanne Kaufmann einen Termin beim Kinderarzt ihres Sohnes. Zum Ärger der Mutter war die Reaktion dort aber ähnlich der in der Notaufnahme: Jetzt einen Test durchzuführen sei zu langwierig und aufwendig, erklärt der Kinderarzt der Mutter. Auch ihrer Tochter, die sich nach kurzer Zeit bei ihrem Bruder angesteckt habe, blieb ein Corona-Test verwehrt.

Schnelltests kann vertraut werden

Gegenüber der Redaktion offenbart die zweifache Mutter, dass sie nicht mehr gewusst habe, was sie tun soll. Schnelltests hätten ihre Kinder selbstverständlich absolviert – mit negativem Ergebnis. Doch wohl fühle sie sich trotzdem nicht.

Zur Verunsicherung der Mutter habe auch beigetragen, dass seit dem Krankheitsbeginn ihres Sohnes immer mehr Kinder der Schule wegen ähnlichen Symptomen zu Hause geblieben seien. „Es waren sogar zwei Schnelltests von Schulkindern positiv“, erzählt Kaufmann. „Bei einem weiteren Durchlauf wurden die Kinder aber wieder negativ getestet.“

Ärztesprecher Andreas Schmutte versucht zu beruhigen: „Schnelltests sind aussagekräftig, sobald eine Person Symptome aufweist.“ Zu aktuellen Krankheitswellen, wie jener in der Schule von Kaufmanns Sohn, sagt er: „Es handelt sich um ein Nachholphänomen bedingt durch die Corona-Maßnahmen. Abstands-, Masken- und Hygieneregeln haben dazu beigetragen, dass man selten bis gar nicht mit anderen Viren in Kontakt gekommen ist. Jetzt passiert das umso schneller.“

Kinderärzte haben keine Testpflicht

Kinderärzten bleibt es laut Aussagen Schmuttes selbst überlassen, ob sie bei ihren Patienten einen Coronatest durchführen oder nicht. Die Entscheidung hänge maßgeblich vom aktuellen Infektionsgeschehen ab. Bei einer geringen Inzidenz sei die Wahrscheinlichkeit geringer, dass es sich bei einem Infekt um Corona handle, erklärt er. Von einem Test würde man dann meistens absehen.

Susanne Kaufmanns Kinder sind wieder gesund und zurück in der Schule. Eine Woche musste ihr Sohn krankheitsbedingt zu Hause bleiben. Ihre Tochter fiel fünf Tage aus.