Schock-Video zeigt, wie es im Wohnkomplex an der Wittener Straße aussieht

rnMehrfamilienhaus

Ein Kauf-Interessent lässt bei einer Wohnungsbegehung in einem Mehrfamilienhaus an der Wittener Straße seine Kamera laufen. Das Video zeigt prekäre Umstände im Wohnkomplex in Merklinde.

Merklinde

, 07.07.2020, 17:25 Uhr

Die Aufnahmen aus dem Haus an der Wittener Straße zeigen einen vermüllten Hinterhof, Kellerräume in denen sich alte Fahrräder stapeln und ein Treppenhaus in einem zweifelhaften Zustand. Die Aufnahmen vom 23. November 2019 zeigen den erschreckenden Zustand des Wohnkomplexes in Merklinde, der bei manch einem den Beinamen „Horrorhaus“ trägt.

Video
Schock-Bilder aus dem Gebäudekomplex Wittener Straße

Eine Wohnung aus diesem Gebäude war damals mit 35.000 Euro Kaufpreis zum Verkauf inseriert gewesen. Ein Interessent schaute sich daraufhin das Gebäude an. So sei ihm klar geworden, wie der Preis zustande kam: „spottbillig“, wie er meinte.

Im Keller erhaschte der Hausbesucher einen kurzen Blick auf einige Kellerräume: Darin stapeln sich alte Fahrräder bis unter die Decke. Auch im Hof stapeln sich Schrotthaufen zwischen mehreren leeren Transportern und etlichen Reifen, die hier lagern.

Es ist nicht klar, wofür die weißen Transporter genutzt werden. Auch etliche Autoreifen lagern im Hinterhof der Häuser an der Wittener Straße.

Es ist nicht klar, wofür die weißen Transporter genutzt werden. Auch etliche Autoreifen lagern im Hinterhof der Häuser an der Wittener Straße. © Privat

Neben einer Menge Abfall stehen Tische, Sofas und Sperrmüll auf dem Hof, auch hier liegen dutzende Fahrräder herum. Sie sind nicht angekettet und es sieht nicht so aus, als würden die Bewohner sie selbst benutzen.

Im Treppenhaus liegen alte Magazine. Ein Heizkörper steht ohne Bezug an der Kellertür. Hier scheint seit Wochen keiner mehr gereinigt zu haben.

Im Treppenhaus liegen alte Magazine. Ein Heizkörper steht ohne Bezug an der Kellertür. Hier scheint seit Wochen keiner mehr gereinigt zu haben. © Privat

Vernachlässigt der Eigentümer hier seine Pflichten? Der Wohnkomplex ist bekannt und steht schon seit Jahren im Fokus von Merklinder Bürgern, von Politik und Stadtverwaltung. Immer wieder gab die Stadtverwaltung zu verstehen, dass man mit verschiedenen Mitteln versuche, hier dem Handeln des Eigentümers und der Bewohner habhaft zu werden.

Die Bilder aus dem Hinterhof zeigen Sperrmüll, dutzende Fahrräder, Müll und alte Autoreifen.

Die Bilder aus dem Hinterhof zeigen Sperrmüll, dutzende Fahrräder, Müll und alte Autoreifen. © Privat

Dabei geht es immer um bauliche Mängel einer Immobilie: Stellt man hier bauordnungsrechtliche Vergehen fest, kann man eine Schrottimmobilie schließen oder zumindest den Eigentümer zur Sanierung und Renovierung, mindestens aber zur Ausbesserung der Mängel verpflichten.

Fahrräder stapeln sich in einem der Kellerräume bis unter die Decke. Unser Informant erklärt, dass an vielen der Fahrräder Teile fehlten und sie auseinander gebaut wurden. Wem die vielen Fahrräder gehören und ob sie auf legalem Wege in das Haus gelangt sind, ist unbekannt.

Fahrräder stapeln sich in einem der Kellerräume bis unter die Decke. Unser Informant erklärt, dass an vielen der Fahrräder Teile fehlten und sie auseinander gebaut wurden. Wem die vielen Fahrräder gehören und ob sie auf legalem Wege in das Haus gelangt sind, ist unbekannt. © privat

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Auch Bandschutzbestimmungen wurden in verschiedenen Liegenschaften in der Stadt, unter anderem auch hier, untersucht. Dann versucht die Stadt, sich zu vergewissern, ob die Personen, die sie antrifft, in Castrop-Rauxel gemeldet sind. Bei den Bewohnern handelt es sich überwiegend um Zuwanderer aus Osteuropa.

Stadt sagt, sie kontrolliert und hilft

Darum hilft die Stadt hier nach eigenem Bekunden auch regelmäßig über soziale Maßnahmen: Der Bereich Migration und Flüchtlinge ist hier mit seinen Mitarbeitern und Sprachmittlern, die rumänisch oder bulgarisch sprechen, vor Ort, um Hilfestellung anzubieten und auch nach dem Rechten zu sehen. Die Schulpflicht der Kinder wird nachgehalten, aber man versucht auch, sich mit sportlichen oder anderen Beschäftigungs-Angeboten anzunähern.

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Erst kürzlich hatte sich die Politik im Stadtrat mit diesem Thema befasst. Die CDU forderte in einem Antrag an die Stadtverwaltung, ihrer Pflicht hier noch stärker nachzukommen. Das Wohngebäude stand auch in Sachen Coronavirus im Fokus: Hier infizierten sich rund 30 Bewohner. Rund drei Wochen lang stand das Gebäude unter Quarantäne, die von einem Sicherheitsdienst überwacht wurde. Es war eingezäunt.

Der Kaufinteressent trat im November nach unseren Informationen von seinem Ansinnen zurück, die 35.000-Euro-Wohnung zu erwerben.

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