Viele Schulleiterstellen sind in Castrop-Rauxel frei

Schwierige Suche nach Nachfolgern

Wer gern Schulleiter werden möchte, der hat zurzeit in Castrop-Rauxel gute Chancen. So könnte man es formulieren, wenn es einfach wäre, in diese Position zu kommen: Acht Funktionsstellen an den zehn Grundschulen der Stadt sind zurzeit nicht besetzt. Für zwei Stellen gibt es Bewerbungen, sechs weitere sind ausgeschrieben. Wieso ist es so schwer, die Stellen zu besetzen?

CASTROP-RAUXEL

, 14.02.2017, 13:43 Uhr / Lesedauer: 3 min
Viele Schulleiterstellen sind in Castrop-Rauxel frei

Grundschule Am Busch, Ickern: Die Stelle des Konrektors ist bis zum 21. Februar 2017 ausgeschrieben

An der Cottenburgschule auf Schwerin ist zuletzt ein Schulleiter ausgeschieden. Wie ist der Stand der Dinge hier? Die Rektorenstelle, die zuletzt Jochen Bell besetzte, ist seit Anfang Februar frei. Bis zum 19. März läuft die Bewerbungsfrist auf die Nachfolge auf dieser Stelle. Dazu ist die Stelle nun im „STELLA NRW“, dem Stellenportal der Bezirksregierungen für Lehrer, ausgeschrieben. Bis sie besetzt ist, wird aber noch Zeit vergehen: Erst die Bewerbungsfrist abwarten, dann die Bewerber, sollte es welche geben, zum Vorstellungsgespräch einladen – und erst dann kann die Schulkonferenz über die Stellenbesetzung entscheiden. So lange muss die Schule, an der auch die Konrektorenstelle unbesetzt und ebenfalls ausgeschrieben ist (bis nächsten Mittwoch), ohne eigene Leitung auskommen.

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Diese Stellen sind an Castrop-Rauxels Grundschulen aktuell ausgeschrieben

Mehrere Leitungsstellen sind an den Grundschulen in Castrop-Rauxel ausgeschrieben und unbesetzt. Um welche Stellen geht es? Das sehen Sie in dieser Fotostrecke.
14.02.2017
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Cottenburgschule, Schwerin:

Die Rektorstelle ist bis zum 19. März 2017 ausgeschrieben.
Die Stelle des Konrektors ist bis zum 21. Februar 2017 ausgeschrieben.© Foto: Anissa Sawatzki
Elisabeth Grundschule, Obercastrop:

Eine Bewerbung für die Stelle des Konrektors liegt derzeit vor und wird geprüft.© Foto: Anissa Sawatzki
Erich-Kästner-Schule, Habinghorst:

Eine Bewerbung für die Stelle des Rektors liegt derzeit vor und wird geprüft.
Die Stelle des Konrektors ist bis zum 19. März 2017 ausgeschrieben.© Foto: Anissa Sawatzki
Grundschule Am Busch, Ickern:

Die Stelle des Konrektors ist bis zum 21. Februar 2017 ausgeschrieben© Foto: Anissa Sawatzki
Grundschule Alter Garten, Henrichenburg:

Die Stelle des Rektors ist bis zum 21. März 2017 ausgeschrieben© Foto: RN
Wilhelmschule, Rauxel:

Die Stelle des Konrektors ist bis zum 21. Februar 2017 ausgeschrieben© Foto: Anissa Sawatzki
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Dazu ist vom 1. Februar bis 31. Juli Ute Lüdke, Rektorin der Marktschule Ickern, mit fünf Stunden pro Woche „zur vertretungsweisen Wahrnehmung dieser Schulleitung“, so die Bezirksregierung Münster, beauftragt. Claudia Klein, Konrektorin von der Marktschule Ickern, unterstützt Ute Lüdke mit vier Wochenstunden bis zum 31. Juli in ihrer Schulleitungstätigkeit – wohlgemerkt neben ihren eigentlichen Aufgaben an der Marktschule.

 

Wie wahrscheinlich ist es, dass sich Bewerber für die beiden Stellen finden? Schwer zu sagen. Aber es gibt einen Fingerzeig: Die Stelle der Konrektorin ist laut Bezirksregierung derzeit schon zum fünften Mal in STELLA NRW ausgeschrieben. Das heißt: viermal wurde kein (geeigneter) Bewerber gefunden. Der nächste Bewerbungsschluss ist der 21. Februar.

Wie werden Stellenausschreibungen für Grundschulen bei der Bezirksregierung gehandhabt? Sigrun Rittrich, Sprecherin der Bezirksregierung Münster, erklärt: „Vor Ausschreibung wird geprüft, ob ein Versetzungsanspruch bereits im Amt befindlicher Schulleitungen im Hinblick auf amtsangemessene Beschäftigung erfolgen muss.“ Das könne vorliegen, wenn jemand aus dem Auslandsschuldienst zurückkehrt oder anderswo eine Schule geschlossen wird. Das Anforderungsprofil wird nach Abstimmung mit den Dezernaten erstellt, Schulkonferenz und Schulträger müssen den Ausschreibungsvorschlag mit verabschieden, Personalrat und Gleichstellungsbeauftragte werden beteiligt. „Sobald deren Zustimmung vorliegt, wird die Stellenausschreibung unverzüglich online gestellt“, so Sigrun Rittrich.

 

Für zwei Stellen liegen derzeit Bewerbungen vor. Wie ist der Ablauf, wenn sich jemand bewirbt? Die eingehenden Bewerbungen werden auf Zulässigkeit geprüft. Anschließend haben Schulkonferenz und Schulträger Gelegenheit zur Stellungnahme zu den vorgeschlagenen Bewerbern. Am Ende trifft das Schuldezernat eine Auswahlentscheidung auf der Grundlage dienstlicher Beurteilungen. „Schwerbehindertenvertretung, Gleichstellungsbeauftragte und Bezirkspersonalrat sind vor abschließender Besetzung zu beteiligen“, so Rittrich.  

Was ist mit den anderen Stellen? Die bleiben ausgeschrieben. Wenn sich niemand bewirbt, können sie erneut ausgeschrieben werden, wie das Beispiel Cottenburgschule zeigt.

 

Warum taucht die nicht besetzte Stelle an der Grundschule Am Hügel nicht im Stellen-Puzzle auf?

Es ist noch um eine Feinheit komplizierter: Rektorin Heike Wichmann ist ja praktisch von der Grundschule Am Hügel zur Erich-Kästner-Schule gewechselt. Das hat aber keine Relevanz auf die Stellensituation, sagt die Bezirksregierung. Die Stelle der Rektorin an der Grundschule Am Hügel sei offiziell aktuell besetzt, so Sprecherin Sigrun Rittrich. „Die Schulleiterin ist derzeit allerdings an die andere Schule abgeordnet.“ Heike Wichmann habe sich auf eine andere Schulleitungsstelle beworben, doch über die Besetzung dieser anderen Stelle sei noch keine abschließende Entscheidung getroffen worden. „Damit kann die Schulleitungsstelle an der Grundschule Am Hügel erst ausgeschrieben werden, wenn bekannt ist, wann die jetzige Schulleiterin diese Stelle frei macht“, so Rittrich. 

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Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass alle ausgeschriebenen Stellen bald neu besetzt sind? Alle von uns befragten Schulleiterinnen bestätigen, dass es sich bei ihrem Aufgabenfeld um einen komplett anderen Beruf handelt, als den, den sie einst ergriffen haben: Grundschullehrerin. Stattdessen hat eine Schulleiterin viel Erwachsenenarbeit zu erledigen: Führung des Lehrerkollegiums, Elterngespräche, Konferenzen mit anderen Schulleitungen.

Zudem arbeiten an Grundschulen weit überwiegend Frauen, im Kreis Recklinghausen nach aktuellsten Zahlen 92 Prozent (2000: 86 Prozent), und die Hälfte aller knapp 1400 Lehrer in Teilzeit (2000: 54 Prozent von 1700 Lehrern). In Castrop-Rauxel waren zum Schuljahr 2015/16 140 Lehrerinnen und 8 Lehrer an den zehn Grundschulen tätig. 78 dieser 148 Personen arbeiteten in Vollzeitstellen, 70 in Teilzeit. Rektorin zu sein ist jedenfalls ein Vollzeitjob – sagen mehrere Rektorinnen unabhängig voneinander. Hinzu kommt der Punkt Gehalt: Die Vergütung von Konrektorinnen ist nur unwesentlich höher (A12 mit Zulage) als die von Grundschul-Lehrerinnen. Die Bezirksregierung selbst hilft bei der Einschätzung nicht weiter. Sigrun Rittrich sagt: „Zu durchschnittlichen Bewerberzahlen oder Vergleichen zu anderen Schulamtsbezirken werden keine Statistiken geführt.“

Könnte eine Anhebung der Bezüge helfen? Sicher könnte sie ein Faktor sein. Darum gibt es gerade einen Gesetzesentwurf, der die Rektorinnenvergütung für Grundschulen von A13 auf A14 erhöht. Sigrun Rittrich von der Bezirksregierung Münster weist darauf hin, dass dieses Gesetz noch nicht verabschiedet sei. Aber: „Durch die geplante Anhebung der Vergütung verspricht sich das Land NRW selbstverständlich eine größere Attraktivität der Stellen und mehr Bewerbungen.“

Was sind Funktionsstellen?
Die so genannten Funktionsstellen, sind Positionen, die besondere Funktionen im Schuldienst wahrnehmen. Also Lehrkräfte mit langjähriger Berufserfahrung, die weitergehende Aufgaben übernehmen können. 

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