Castrop-Rauxelerin Margit Robbert hat sich 2017 direkt in die Chow-Chow-Dame verliebt. „Sie oder keine“, hieß es damals. Die Geschichte einer Partnerschaft mit langer Vergangenheit.

Frohlinde

, 30.11.2019, 20:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mila ist keine gebürtige Castrop-Rauxelerin. Geboren wurde sie vor etwa acht Jahren in China, dort landete sie in einem Auffanglager. Woher sie kam und warum, das ist nicht bekannt. Auch ihr Alter lässt sich nicht sicher feststellen. In China lebte Mila lange Zeit eingesperrt in einer Kiste, nur einmal am Tag durfte sie nach draußen. Wer der Hundedame heute begegnet, merkt jedoch schnell: vom schlimmsten blieb sie verschont.

Frauchen Margit Robbert hatte sich 2017 direkt in die Chow-Chow-Dame verliebt. Für die heute 90-Jährige ist ein Leben ohne Mila nicht mehr vorstellbar. Zu Beginn gab es nur leichte Sprachprobleme, erzählt die gebürtige Aachenerin. „Ich dachte, sie würde nur auf Chinesisch reagieren“, erzählt Robbert und streichelt durch das dicke, cremefarbene Fell der Hündin.

Die sechs Chow-Chows der Robberts

Die Geschichte, wie Mila zu ihr kam, ist eine traurige. Im September 2017 starb Robberts Chow-Rüde Sammy, danach begann eine harte Zeit für die gebürtige Aachenerin. Sie fühlte sich einsam und vermisste die Möglichkeit, ein Lebewesen zu umsorgen. Trotz ihres Alters fühlte sich Robbert fit genug, noch einmal einen Chow-Chow in ihr Herz zu lassen. In die Rasse hatte sie sich schon viele Jahre zuvor verliebt.

Mila ist nun die Sechste in einer Reihe von Mitbewohnern der Rasse Chow-Chow im Hause Robbert. Ihre Vorgänger hießen Sammy, Felipe, Niko, Rani, Simba und Barri. Und außer ihnen gab es nie eine andere Hunderasse bei der Familie Robbert.

Chow-Chow Mila steht ihrem Frauchen Margit Robbert treu zur Seite.

Chow-Chow Mila steht ihrem Frauchen Margit Robbert treu zur Seite. © Silja Fröhlich

Eine fast vergessene Rasse

„Heute sind Chow-Chows nicht mehr in Mode, sie sind hier in der Region fast vergessen“, erzählt Robbert traurig. Dabei haben die Tiere ihrer Meinung nach einige Vorteile: „Sie sind sauber, bellen nicht, machen nichts kaputt und sind ganz schnell stubenrein.“ Der Chow-Chow ist ein ernsthafter Hund, Stöckchen werfen findet er doof, so Robbert. „Es ist eine alte chinesische Rasse, sehr stur, eigensinnig und fast unmöglich zu erziehen. Vom Charakter her sind sie halb Katze und führen ein eigenständiges Leben.“ Menschen brauchen sie nicht dauerhaft um sich, um ein glückliches Hundeleben zu führen.

Ein solches möchte Margit Robbert ihrer „Kleinen“ bieten. Gefunden hatte sie Mila im September vor zwei Jahren online auf der Seite „Chows in Not“. Denn klar war: „Ich wollte eine ältere Chow-Hündin aus dem Tierschutz“. Und obwohl sie zusammen mit ihrer Haushaltspflege alle Tierheime in der Umgebung besucht hatte, fand sie die perfekte Partnerin in einem Tierheim in Ludwigsburg. „Diese Hündin oder keine“, sagte sich Robbert an dem Tag.

Zwei Hürden zur idealen Partnerin

Das Tierheim war skeptisch. „Zwei Hürden musste ich nehmen. Aufgrund meines Alters musste ich eine Person benennen, die im Notfall einspringen würde. Das übernahm meine Tochter Steffi.“ Punkten konnte die 90-Jährige dann noch mit ihrem großen Wissen über die Rasse. Denn ihren ersten eigenen Chow hatte Robbert bereits 1975, nachdem sie mit ihrem Mann Eugen in ein Häuschen in Castrop-Rauxel gezogen war.

Robberts Liebesgeschichte mit der Rasse aus dem Land der Mitte ist noch viel älter. „Das erste Mal sah ich einen Chow-Chow bei unseren Nachbarn in Dessau.“ Hier wuchs sie auf, verbrachte nach dem Krieg fünf Jahre mit ihrer Familie in Russland. Ihren ersten Chow-Chow bekam Margit Robbert nach ihrer Rückkehr: Barri. „Ich habe mit 23 Jahren ganz alleine die DDR Richtung Westen verlassen - ab da kümmerte sich meine Mutter um Barri.“

Von Russland nach Castrop-Rauxel

Die junge Margit Robbert zog es zurück nach Aachen, dort arbeitete sie in einer Textilveredlungsfabrik, zog 1963 mit ihrem Mann, einem Verkehrsplaner, nach Castrop-Rauxel. Zehn Jahre lebte das Paar in einer Wohnung, dann folgte das Haus und zwei Jahre nach Einzug auch Chow-Chow Rüde Simba.

„Ich hatte immer nur Chow-Chows“, betont Robbert die lange Tradition der Familie. Und das würde und hat sich auch nie geändert. „Meine Mila liebt mich auf Hundeart sehr und ich bin glücklich, dass sie mich auf meinem Lebensweg begleitet.“ Ohne Mila und ihre Vorgänger wäre Robbert alleine im Haus.

Auch wenn Mila eigensinnig ist, weiß Margit Robbert genau, wie sie sich durchsetzt: Mit einem Leckerchen.

Auch wenn Mila eigensinnig ist, weiß Margit Robbert genau, wie sie sich durchsetzt: Mit einem Leckerchen. © Silja Fröhlich

Kein Schmusehund, der Befehlen folgt

„Man muss einen Chow-Chow nehmen wie er ist“, weiß Robbert. Doch sie möchte eine Lanze brechen, wie sie es nennt. „Wenn man einen Kameraden sucht, der nicht viel verlangt, dann ist ein Chow-Chow der Richtige.“ Auch wenn man nicht viel mit dem Chow-Chow machen kann, er nicht der größte Schmusehund ist oder sich gerne dressieren lässt, ist er seinem Herrchen, Frauchen oder seiner Familie ein treuer Freund.

„Manche Menschen wollen lieber einen Hund, der aufs Wort gehorcht, der ständig um einen ist, so wie den Golden Retriever“, sagt Robbert, während sie auf dem großen Sofa im Wohnzimmer sitzt. Ordentlich ist es hier, es gibt keine Hundehaare oder intensiven Hundegeruch. Mila sitzt ruhig draußen im Garten. „Doch das Gras betritt sie nicht“, kennt Robbert ihren Schützling.

Wenn sie jedoch zur Leine greift, ist Mila ganz schnell an ihrer Seite und schaut sie mit treuen Hundeaugen an. „Ich bin sicher ihre Bezugsperson“, das weiß Robbert.

Und es sind zwei erfahrene Damen, die an dem kalten Wintermorgen das kleine Häuschen für einen Spaziergang verlassen: Eine gebürtige Aachenerin, und eine kleine Chinesin.

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