Leiterin Xenia Preisenberger (28) gibt dem Kirchenchor St. Elisabeth neue Impulse

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Der Cäcilienchor in Henrichenburg ist 146 Jahre alt geworden – und nun gestorben. Der Kirchenchor St. Elisabeth dagegen erfindet sich neu. Er probt unter neuer Leitung: Xenia Preisenberger.

Obercastrop

, 16.01.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Bbbbbb“ tönt es durch den Probenraum des Gemeindezentrums St. Elisabeth an der Bochumer Straße. Etwa 30 Sängerinnen und Sänger stehen bereit und lockern ihre Lippen. Sie stoßen viel Luft nach außen und lassen die Stimmbänder vibrieren.

Auf sechs Zeiten schütteln sie kräftig Hände, Arme und Beine. Kreisende Hüften, Klopfübungen auf dem Rücken des Nachbarn oder den eigenen Nasenflügeln lassen an eine bevorstehende Gymnastikstunde denken. Doch es ist anders.

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Schnell steht fest, dass es sich um eine Chorprobe handelt: Die neue Chorleiterin Xenia Preisenberger hat ihre eigenen Methoden. „Sie macht vieles anders als unser langjähriger Chorleiter Klemens Koerner“, sagt Sängerin Sabine Barkowski. Barkowski gehört dem Elisabeth-Chor seit 40 Jahren an. Wer könnte den neuen Stil besser beurteilen?

Nichts ist besser oder schlechter – es ist anders

Sie betont: „Nichts ist besser oder schlechter als früher, nur einfach anders.“ Das findet auch die 28-jährige Chorleiterin. „Ich möchte, dass die Sänger das Musikstück verstehen“, sagt sie. Man könne das Credo „zweifelnd darstellen oder ehrfürchtig. Die Oberstimme kann melodieführend sein oder unterstützend.“

Die Gemeindemitglieder drehen sich von der Chorleiterin weg. Das muss so sein.

Die Gemeindemitglieder drehen sich von der Chorleiterin weg. Das muss so sein. © Volker Engel

Was das heißt, merkt der Zuhörer bei der nächsten Übung. „Macht die Lippen bereit, die Zunge ist unten für die O’s und A’s.“ Der Chor singt den Namen Johann Sebastian Bach in verschiedenen Tonarten. Dabei schwingen die Arme wie Glocken hin und her. „Jetzt etwas mutiger“, gibt Preisenberger Anweisungen. „Ja, und jetzt die Hände nach oben, die Finger tanzen neben den Ohren!“ Und tatsächlich, die Klangfarbe des Gesanges verändert sich.

Messe in C-Dur von Beethoven

„So, dann fangen wir mal an“, sagt die Chorleiterin. Die Bässe richten sich für ihr Solo auf, nehmen Haltung an, indem sie sich auf die Stuhlkante setzen und die Oberkörper aufrichten. Geprobt wird die C-Dur Messe von Ludwig van Beethoven.

Am Sonntag (19.1.) wird das berühmte Werk in der Lambertuskirche in der Castroper Altstadt aufgeführt.

Begleitung am Klavier.

Begleitung am Klavier. © Volker Engel

Diesem Auftritt fiebert der Chor schon seit einem Jahr entgegen. „Leider mussten wir die Proben im April abbrechen, weil unser ehemaliger Chorleiter Klemens Koerner ernsthaft erkrankte“, sagt Friedrich Vierhaus. Er singt schon seit 50 Jahren in dem Chor, der 1928 gegründet wurde. Heute ist er der Vorsitzende.

„Wir haben einen hohen Anspruch“

„Unsere Proben sind mit Frau Preisenberger wesentlich aktiver geworden“, stellt Sängerin Walburga Stosz fest. „Aber wir haben auch einen hohen Anspruch. Welcher Chor singt denn sonst eine Beethoven-Messe?“, sagt sie.

Also wie ist das möglich? Wie können die Sänger eine so anspruchsvolle Chorliteratur einstudieren? Xenia Preisenberger ist Sängerin. In Stuttgart und Wien hat sie Musik studiert und sich auf Kirchenmusik spezialisiert. Nun wohnt sie in Dortmund und probt mit dem Chor aus Obercastrop, und das einmal in der Woche.

Es gibt auch junge Chormitglieder

Auffällig ist, dass sie nicht die einzige ist, die bei dieser Probe unter 60 oder 40 Jahre alt ist. Der Chor hat auch junge Mitglieder. Vielleicht könnte er ja auch Mitglieder aus anderen Chören aufnehmen, die nicht mehr singen können, weil die Sänger zu alt geworden sind.

Der Chor in St. Elisabeth ist altersmäßig gemischt. Leiterin Xenia Preisenberger ist eine der jüngsten.

Der Chor in St. Elisabeth ist altersmäßig gemischt. Leiterin Xenia Preisenberger ist eine der jüngsten. © Volker Engel

Abgeneigt ist man in St. Elisabeth nicht. „Wir freuen uns auf jeden, der mit uns proben möchte“, sagt Vierhaus. Jeden Mittwoch trifft sich der Chor um 19.30 Uhr im Gemeindezentrum an der Bochumer Straße.

Perfekter Zeitpunkt für Neueinsteiger

Für das Konzert in der Lambertuskirche am Sonntag (19.1.) um 17 Uhr käme ein Neuling natürlich zu spät. Dem Auftritt sieht der Chor mit freudiger Aufregung entgegen. Aber nach dem Konzert ist ja vor neuen Aufgaben. Ein perfekter Zeitpunkt für Neueinsteiger.

Konzertprogramm und Karten-Infos

  • Wer nur den lieben Gott läßt walten / Felix Mendelssohn Bartholdy
  • Linzer Sinfonie, 1. Satz Wolfgang Amadeus Mozart Messe C-Dur op. 86
  • Ludwig van Beethoven für Chor, Orchester und Solisten
  • Sopran Gudrun Tollwerth-Chudaska
  • Alt Antje von Adingen
  • Tenor Mario Ahlborn
  • Bass Gerrit Miehlke
  • Kirchenchor St. Elisabeth Obercastrop
  • Mitglieder der Bochumer Symphoniker
  • Leitung: Xenia Preisenberger
  • Vorverkauf 13 Euro, Abendkasse 15 Euro, vergünstigt für Schüler und Mitglieder der Kulturgemeinde
  • Karten bei Castroper Leselust (Münsterstraße 14), Café Residenz (Wittener Straße 34) und bei den Chormitgliedern
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