Vorwurf: Busfahrer lassen Fünftklässlerin an ihrem zweiten Schultag stehen

rnBus und Bahn

Das erste Mal alleine mit dem Bus zur Schule – das ist schon aufregend genug. Wenn dann aber mehrere Busse nicht anhalten, kommt Panik auf. Doch zum Glück hat Mira ja noch ihre Oma.

Castrop-Rauxel

, 13.08.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Mira ist dieser Donnerstag (13.8.) ein besonderer Tag. Am Mittwoch hatte sie ihren ersten Schultag in der Fritjof-Nansen-Realschule. An diesem Morgen nun darf die Fünftklässlerin zum ersten Mal mit dem Bus zur neuen Schule fahren. Keine Frage, das ist aufregend. Und ein wenig nervös ist Mira schon.

Um 8 Uhr beginnt die Schule, um 7.10 Uhr steht sie an der Bushaltestelle Betriebshof. Sie wartet auf die Busse der Linien 480 oder 482, die die Haltestelle Habinghorst Schulzentrum direkt anfahren. Die Busse kommen vom Europaplatz die Bahnhofstraße entlang. Doch sie halten nicht, sondern fahren an der Haltestelle vorbei.

Mira sieht, dass die Busse voll besetzt sind. Wenig später kommt ihre große Schwester zur Haltestelle. Sie will zum Berufskolleg an der Wartburgstraße. Ihr Unterricht beginnt um 8.15 Uhr. Die beiden teilen nun das Los: Die Busse fahren durch. Mira ruft leicht panisch ihre Mutter an. Letztlich bringt die Oma die beiden Mädchen zu ihren jeweiligen Schulen.

Facebook-User kennen die Situation

„Mira wäre sonst wohl eine Stunde zu spät zum Unterricht gekommen“, erzählt ihre Tante im Gespräch mit dieser Redaktion. ‚DiNe‘*, so der Profilname der Tante auf Facebook, hat die Erfahrung in der Facebook-Gruppe „Du bist Castroper, wenn...“ gepostet.

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„Wie soll das weitergehen? Das [sic] unzumutbar. Und dann soll man pünktlich zur Schule kommen. Man kann sie schlecht um 6 Uhr zur Schule schicken“, schreibt ‚DiNe‘. „Hat noch jemand solche Erfahrungen gemacht?“ Bis zum Redaktionsschluss dieses Berichts (13.8., 17.50 Uhr) finden sich 103 Kommentare unter dem Post.

Einige User bestätigen die Erfahrungen. Bei manchem ist es ein Problem, das sich über Jahrzehnte nicht geändert hat. Andere verweisen auf die Möglichkeit, mit dem Fahrrad zu fahren oder zu Fuß zu laufen. Wenige unterstellen Kindern und Jugendlichen auch eine gewisse Bequemlichkeit.

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Das trifft im Fall von Mira und ihrer Schwester wohl nicht zu. Die Fritjof-Nansen-Realschule (FNR) liegt gut 3,5 Kilometer vom Betriebshof entfernt, das Berufskolleg rund drei Kilometer.

Buslinien fahren fünf Schulen an

DSW21 bedient die beiden Buslinien. Ein Problem liegt auf der Hand: An der Strecke liegen mit Ernst-Barlach-Gymnasium (EBG), Willy-Brandt-Gesamtschule (WBG) und FNR drei weiterführende Schulen. Hinzu kommen die Martin-Luther-King-Schule und das Berufskolleg.

Beide Linien befördern Schüler quer durch die Stadt. Dass die Busse kurz vor dem EBG und der WBG voll sind, verwundert da nicht. Nach Aussage von ‚DiNe‘ waren zudem auch die zusätzlichen E-Wagen überfüllt.

Laut DSW21 fährt in diesen Tagen "alles, was fahren kann".

Laut DSW21 fährt in diesen Tagen "alles, was fahren kann". © Dieter Menne (Archiv)

Diese setze DSW21 seit Mittwoch zusätzlich auf den Strecken zu den weiterführenden Schulen ein, erklärt Unternehmenssprecherin Britta Heydenbluth auf Anfrage unserer Redaktion. 16 zusätzliche Busse seien im Einsatz. Sie legen 23 Fahrten zwischen Schwerin, Münsterplatz, Habinghorst und Ickern zurück – zwölf am Morgen, elf mittags.

„Alles was fahren kann, fährt“

„Zwischen 7 Uhr und 8.30 Uhr sowie zwischen 12.30 Uhr und 14.30 Uhr ist alle fünf bis zehn Minuten ein Bus in bzw. aus Richtung Habinghorst unterwegs“, schreibt Heydenbluth.

„Um die Bedürfnisse abzufragen, haben wir frühzeitig alle Schulen angeschrieben und um Rückmeldung sowie um eine zeitliche Staffelung von Schulbeginn und -schluss gebeten“, betont Verkehrsvorstand Hubert Jung. Am Schuljahresbeginn dauere es meist ein paar Tage, bis sich alle Schüler an ihren Schulweg gewöhnt haben.

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„Wir werden genau hinschauen und Rückmeldungen von Fahrgästen und Schulen prüfen.“ Britta Heydenbluth erklärt zudem, dass die Fahrer ihre überfüllten Busse der Leitstelle melden. Mira und ihrer Schwester hat es nicht geholfen, direkt vor dem Betriebshof von DSW21 zu stehen. Die Sprecherin: „Alles, was fahren kann, fährt. Alle Busse sind im Schulverkehr unterwegs.“

* Klarname der Redaktion bekannt

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