Wann löst sich die G8/G9-Frage für ASG und EBG?

Gymnasien in Castrop-Rauxel

Die Entscheidung machen sich viele Eltern von Viertklässlern schwer: An welche Schule soll mein Kind im Sommer wechseln? Wir haben die Castrop-Rauxeler Gymnasien nach ihrem Plan zu G8 und G9 befragt.

Castrop-Rauxel

, 13.11.2017, 19:23 Uhr / Lesedauer: 4 min
Die Schulkonferenzen von ASG und EBG könnten sich, wenn sie wollen, für den Verbleib beim Abitur nach insgesamt zwölf Schuljahren (G8) entscheiden. Aber dafür bräuchte es eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Danach sieht es nicht aus. Es geht also wohl zurück zu G9.

Die Schulkonferenzen von ASG und EBG könnten sich, wenn sie wollen, für den Verbleib beim Abitur nach insgesamt zwölf Schuljahren (G8) entscheiden. Aber dafür bräuchte es eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Danach sieht es nicht aus. Es geht also wohl zurück zu G9. © dpa

Nachdem die neue CDU-FDP-Landesregierung eine Abkehr vom generellen G8, also dem Abi nach acht Jahren am Gymnasium, beschlossen hat, lautet eine konkrete Frage: Welche Schule bietet künftig G8, welche G9 an? Bei beiden Castrop-Rauxeler Gymnasien lässt sich das noch nicht abschließend beantworten. Die Tendenz aber ist klar. Anmelden müssen Eltern ihre Kinder im Januar. Selbst dann ist laut Dr. Friedrich Meyer, Leiter des Ernst-Barlach-Gymnasiums, noch nicht mit absoluter Klarheit zu rechnen: „Die Infoveranstaltungen der Bezirksregierungen für die Schulleiter“, sagte er Ende vergangener Woche auf Anfrage unserer Redaktion, „sind erst im Januar – also kurz vor der Anmeldefrist für die neuen Fünftklässler.“

„Man kann keine verbindlichen Auskünfte geben“

Heißt also: Ganz verbindlich können sich Schulleiter und Lehrer, die bei den nun anstehenden Infoveranstaltungen über das Profil ihrer Schule berichten, nicht äußern. „Das Problem“, meint Meyer, „haben alle Schulen im Land: Man kann keine verbindlichen Auskünfte geben.“

Auch nicht nach einem Brief des von Yvonne Gebauer (FDP) verantworteten Schulministeriums vom 2. November an alle Schulleiter. „Es ist mir ein großes Anliegen“, heißt es im von Staatssekretär Mathias Richter unterzeichneten Schreiben, „Ihnen noch vor Schulbeginn nach den Herbstferien erste Informationen über den Sachstand sowie die Planungen bei der Einführung des neunjährigen Bildungsganges (...) zu geben.“ Das Thema werde mit hoher Intensität unter enormem Zeitdruck bearbeitet.

Verband Bildung und Erziehung drängt

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) NRW drängt darauf: „Für Eltern ist es unbefriedigend, wenn sie bei der Auswahl der Schule für ihre Kinder nicht wissen, ob die Schule zu G9 zurückkehrt oder bei G8 bleibt. Hier muss dringend Klarheit geschaffen werden“, heißt es in einer Pressemitteilung von Freitag.

Der Schulleiter des Adalbert-Stifter-Gymnasiums bestätigt auf Anfrage unserer Redaktion: „Die Unsicherheit besteht bei Eltern und Schülerinnen und Schülern in den Grundschulen“, so Theo Albers. „Die Betroffenen im ASG werden über den jeweiligen Sachstand informiert.“

Die Schulkonferenz kann entscheiden

Und wie lautet der an den beiden Gymnasien in Castrop-Rauxel? „Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wird es ab dem Schuljahr 2019/20 am ASG neu einsetzend nur noch G9 geben“, so Albers. Etwas unklarer lässt das Kollege Meyer: „Auf Basis der allgemeinen Stimmung ist meine Mutmaßung eher: Wir gehen zu G9 zurück. Aber ich will den Konferenzen nicht vorgreifen.“ Die hat das Ernst-Barlach-Gymnasium in dieser Woche: Erst am heutigen Dienstag Lehrerkonferenz, dann Donnerstag Schulkonferenz, an der Eltern- und Schülervertreter und der Träger der Schule beteiligt sind. Meyer sagt: „Wenn eine Schule nicht auf G8 drängt, geht sie auf G9 zurück. Wir können also sagen: Wir hätten es gern so oder so.“ Stimmt: Das NRW-Schulministerium will zurück zu G9, aber allen Gymnasien die Entscheidung offen lassen, ob sie über 2019 hinaus bei G8 verbleiben.

„Nach den Herbstferien wird in einem ersten wichtigen Schritt das Ministerium für Schule und Bildung den Referentenentwurf für eine Änderung des Schulgesetzes und damit die Umstellung auf einen neunjährigen Bildungsgang ab dem Schuljahr 2019/20 vorlegen“, so Staatssekretär Richter. Die Bezirksregierung in Münster, eigentlich als Aufsichts- und Scharnier-Behörde für die Schulen in der Region zuständig, verweist unsere Anfrage mit dem Hinweis, dass vieles noch sehr vage sei, ans Ministerium.

Der Infotage-Fahrplan

Donnerstag (16. November, 19 Uhr) ist eine zentrale Infoveranstaltung aller weiterführenden Schulen in der Willy-Brandt-Gesamtschule. Das EBG veranstaltet einen Tag der offenen Tür am Samstag, 9. Dezember. Das ASG ist eine Woche vorher dran: am 2. Dezember. Es ist offen, inwieweit den Eltern dann klar gesagt werden kann, wie es in der G8/G9-Frage weiter geht. ASG-Chef Albers beschäftigt sich aber schon mit Detailfragen: „Interessant und noch nicht beantwortet ist die Frage“, sagt er, „wann bei G9 zukünftig die zweite Fremdsprache einsetzt.“ Er plädiere für die Klasse 7. Nach der G8-Reform war das auf Klasse 6 vorgezogen worden.

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Im Interview: Das sagt das Ministerium

Daniel Kölle, Sprecher des NRW-Schulministeriums, am Montag (13. November) gegenüber unserer Redaktion:

Herr Kölle, was ist Stand der Dinge?

Das G9-Gesetz wird am Dienstag (14. November, d. Red.) im Kabinett behandelt und dann öffentlich vorgestellt. Bis hierhin hat man gebraucht, um das Gesetz zu erarbeiten. Es ist richtig, dass die Schulen bisher nur eingeschränkte Informationen hatten. Deshalb haben wir sie über die Schulmail informiert. Die Vorschläge der Landesregierung sind dann ab Dienstag klar. Dann muss der Landtag das beschließen.

Wie geht es nach Dienstag weiter?

Dann folgt die Beteiligung der Verbände. Die läuft bis Weihnachten. Anfang 2018 wird das Gesetz als Entwurf in den Landtag eingebracht. Bis zum Sommer 2018 soll es beschlossen sein.

Womit können Eltern von Viertklässlern denn nun konkret rechnen?

Das ist mit dem Stichwort Leitentscheidung gemeint: Alle Schulen gehen zu G9 zurück. Will eine Schule G8 behalten, muss sie das selbst beantragen. Dafür braucht es eine Entscheidung der Schulkonferenz, die sich mit Zwei-Drittel-Mehrheit dafür aussprechen muss. Konkret können Eltern also von G9 ausgehen und zusätzlich die Schulleitungen vor Ort zu den Plänen befragen. So lange das Gesetz noch nicht verabschiedet ist, können die Schulen allerdings noch keine ganz verlässliche Aussage zu allen Details tätigen. Aber der Entscheidungsprozess hat ja in den Schulen schon begonnen. Die Schulen wissen zum großen Teil schon jetzt, wohin sie wollen.

Die Schulkonferenzen von ASG und EBG könnten sich, wenn sie wollen, für den Verbleib beim Abitur nach insgesamt zwölf Schuljahren (G8) entscheiden. Aber dafür bräuchte es eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Danach sieht es nicht aus. Es geht also wohl zurück zu G9.
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