Re-Live: Streik bei Kaufland - Gewerkschaft und Mitarbeiter im Interview

Verdi-Aktion

Die Gewerkschaft Verdi hat Donnerstagnacht für Freitagmorgen einen Warnstreik bei Kaufland in der Castroper Altstadt angekündigt. Wir sind vor Ort und berichten live.

Castrop-Rauxel

30.07.2021, 08:54 Uhr

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) setzt die Warnstreikaktionen im nordrhein-westfälischen Einzelhandel fort. Am Freitag (30.7.) legen Beschäftigte von Kaufland in Castrop-Rauxel ihre Arbeit nieder. Unterstützt werden sie durch Kolleginnen und Kollegen von Kaufland Dortmund/Bornstraße.

Unsere Reporterin Rebekka Wölky war am Vormittag live vor Ort und hatte einen Mitarbeiter von Kaufland und den Gewerkschafts-Sprecher im Interview:

Verdi hatte in der 4. Verhandlungsrunde einen Vorschlag zur Lösung der stockenden Tarifrunde unterbreitet: Auf Wunsch der Beschäftigten sollten Teile einer möglichen Entgelterhöhung für einen bestimmten Zeitraum in Freizeit umgewandelt werden können. Dies hätte den Beschäftigten mehr Arbeitszeitsouveränität geboten und einen wesentlichen Beitrag zum Gesundheitsschutz geleistet.

Das war der Verdi-Vorschlag

Zudem bot der Vorschlag von Verdi nach eigenen Angaben die Möglichkeit zu der von der Arbeitgeberseite geforderten Entlastung auf Seiten der Liquidität, da sie anstelle von Entgelterhöhungen den Beschäftigten zunächst nur mehr Urlaubstage hätten gewähren müssen.

Die Antwort der Arbeitgeber zu den Vorschlägen laut Gewerkschaft: Nein, das machen wir nicht! „Eigene Lösungsansätze? Fehlanzeige!“, bilanziert Verdi in einer Pressemitteilung. „Sie bleiben stur bei ihrem ‚freiwilligen Orientierungsrahmen‘, den sie für tarifgebundene Mitgliedsunternehmen empfehlen.“

Die Entgelte können nach zwei Nullmonaten um 2 Prozent zum 1. Juli 2021 erhöht werden. Weiterhin besteht die Option, den Beschäftigten eine Einmalzahlung in Höhe von 300 Euro zu gewähren. Die Folge: freiwillige, jederzeit widerrufbare Zahlungen ohne Rechtsanspruch für die Beschäftigten und als „besonderes Geschenk“ der Reallohnverlust.

Re-Live: Streik bei Kaufland - Gewerkschaft und Mitarbeiter im Interview

© Tobias Weckenbrock (Archiv)

Reiner Kajewski, Gewerkschaftssekretär für den Handel im ver.di Bezirk Westfalen: „Die Beschäftigten lassen sich nicht mit Vorweganhebungen abspeisen. Zwar weicht Kaufland mit einer dreiprozentigen Erhöhung von der Verbandsempfehlung nach oben ab. Rechtssicherheit entsteht für die Beschäftigten ohne eine tarifliche Absicherung jedoch nicht.“

Pandemie: „Dafür haben sie das verdient“

Seit Beginn der Pandemie stellten die Beschäftigten die Versorgung der Bevölkerung unter erschwerten Bedingungen und Gefährdung der eigenen Gesundheit sicher. „Dafür haben sie eine faire Entgelterhöhung durch einen rechtssicheren Tarifvertrag verdient“, so Krajewski.

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Verdi fordert für die Branche 4,5 Prozent und 45 Euro mehr Lohn, Gehalt und Ausbildungsvergütung bei einer Laufzeit von 12 Monaten, ein Mindestentgelt von 12,50 Euro pro Stunde sowie die gemeinsame Beantragung der Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge.

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