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Warum der 250 Jahre alte Baum an der Heerstraße kein Naturdenkmal ist

rnAlte Eiche

Es gibt ganze drei Bäume als Naturdenkmäler in Castrop-Rauxel. Ein vierter war krank und fiel im vergangenen Jahr. Umweltaktivisten verstehen nicht, warum die alte Eiche kein Denkmal ist.

Castrop-Rauxel

, 12.06.2019 / Lesedauer: 4 min

In Castrop-Rauxel gibt es ganze drei Bäume, die als Naturdenkmäler unter besonderem Schutz stehen. Mit der 150 Jahre alten Esche am Kreisverkehr Engellaustraße/Westring musste im März vergangenen Jahres ein vierter unter Schutz stehender Baum gefällt werden. Das Eschentriebsterben war der Grund.

Ein weiterer Prachtbaum, die alte Rotbuche an der Wittener Straße beim Discounter-Parkplatz, musste 2018 ebenfalls weichen. Heftiger Pilzbefall war hier die Begründung. Allerdings hatte es diese Rotbuche gar nicht auf die Liste beim Kreis geschafft. Genau so wenig wie die alte Eiche im geplanten neuen Baugebiet nördlich der Heerstraße in Habinghorst, über deren Überleben die Aktion „Rettet die alte Eiche“ seit Monaten noch immer ringt, obwohl die Politik mehrheitlich im April für den Bebauungsplan gestimmt hat, der das Aus bedeutet.

BUND: Die Eiche ist für ein Lehrbuch geeignet

Zuständig ist der Kreis Recklinghausen als Untere Landschaftsschutzbehörde. Der hat aber schon im Februar abgewunken bei der Frage nach einer möglichen Ausweisung als Denkmal. Das mit dem Hinweis, dass die Eiche die Kriterien nicht erfülle.

Für eine Unterschutzstellung müsse ein Baum schon herausragende Merkmale haben, hatte es von der Behörde nach einer Intervention der Grünen geheißen und die sähe man hier nicht. Der BUND allerdings ist da ganz anderer Meinung und mit ihm die Umweltaktivisten des Aktionsbündnisses.

Dr. Thomas Krämerkämper, stellvertretender BUND-Landes-Vize, hatte bei einem Treffen im Februar vor Ort erklärt, die Eiche erfülle die Kriterien geradezu lehrbuchmäßig.

Hat der Kreis vor Ort geprüft?

Dass die geplanten Baupläne der Stadt an dieser Stelle, wo die Eiche genau auf der Erschließungsstraße liegt, ebenfalls eine Rolle spielen, verhehlte die Behörde nicht. Schließlich führt der Flächennutzungsplan von 2012 das 37.000 Quadratmeter große Gelände unter den Hochspannungsleitungen als Baugebiet.

Ob überhaupt jemand vom Kreis zur Prüfung vor Ort in Habinghorst war? „Das ist keine Entscheidung, die vom Schreibtisch getroffen wurde“, sagt Kreissprecher Jochem Manz. Man sei vor Ort gewesen, das ändere aber nichts am Ergebnis und den Prüfkriterien Schönheit, Eigenheit und Seltenheit. Für den Kreis fiel die Eiche dabei raus. Und welche Bäume sind es nun, die in den begehrten Status kamen? Es handelt sich dabei um zwei Rosskastanien und eine Blutbuche.

Die Blutbuche steht neben anderen Baum-Veteranen

Die Blutbuche an der Dorlohstraße bzw. der Schieferbergstraße ist gar nicht so leicht zu finden. Sie wächst mit vielen anderen Baumveteranen auf dem parkähnlichen Grundstück von Haus Dorloh. Von Alleinlage, wie in einer Übersicht bei Wikipedia die Rede ist, kann kann allerdings nicht die Rede sein. Dort heißt es, es handele sich um einen Solitär.

Allerdings ist der Garten eine riesige grüne Lunge - wunderschön. „Ich denke, der Baum stammt so wie alles hier aus der Zeit um 1870 rum“, sagt der Chef des Hauses, Freiherr Carl-Enno zu Knyphausen. Als Denkmal ausgewiesen wurde die Blutbuche im Zuge der Erstellung des Landschaftsplans Castroper Hügelland. Vor 20, 30 Jahren etwa. Einmal im Jahr komme der Kreis vorbei und schaue nach dem Rechten, sagt der 75-Jährige.

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Mit der Ausweisung als Naturdenkmal geht nämlich die Verkehrssicherungspflicht auf die Behörde über - mit anderen Worten: Für nötige Pflegearbeiten muss der Besitzer nicht mehr aufkommen. Und das könnte erklären, warum es seit einigen Jahren so still geworden ist beim Thema Naturdenkmäler. 2010 hatte es zum Beispiel in Castrop-Rauxel noch einen großen Aufschlag gegeben. Mit einem Aufruf an alle Bürger, Vorschläge zu unterbreiten. Auf Nachfragen unserer Redaktion hieß es wenig später, dieses Thema würde aktiv nicht mehr verfolgt.

Bei den anderen beiden Bäumen mit dem Status Naturdenkmal handelt es sich um zwei Rosskastanien. Eine steht auf dem Grümer-Hof an der Dortmunder Straße in Frohlinde. „Mein Opa hat sie gepflanzt“, sagt Elisabeth Grümer. Und sie habe als Kind darunter gespielt und voller Begeisterung Kastanien gesammelt. Als vor ungefähr 20 Jahren eine Mehrfamilienhaus-Bebauung an der Dortmunder Straße zum Thema geworden sei, habe sie wie ein Löwe um diese Kastanie gekämpft, seinerzeit sei das Lebensalter auf 150 Jahre geschätzt worden.

Zwei Rosskastanien in Frohlinde und Rauxel

„Bei uns werden viel zu viele Bäume leichtfertig abgesägt, aber auch sie haben ein Recht auf Leben“, sagt die 72-Jährige. Geholfen hätten ihr Förster Dirk Middelmann und der damalige Grünflächenamtschef Martin Oldengott. „Man muss halt wissen, wen man anrufen muss“, sagt Middelmann auf Anfrage unserer Redaktion.

Ganz früher standen zwei dieser Kastanien auf dem Hof von Grümer. Eine sei vom Blitz getroffen worden und habe nicht mehr gerettet werden können. Der Kreis, sagt die Hofbesitzerin, komme alle zwei Jahre vorbei, um die Kastanie in Augenschein zu nehmen. Mittlerweile machen Sicherungsanker und Drahtseile die oberen Äste und die Krone nicht mehr so anfällig für Stürme.

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Genau am Eck von Alleestraße und Venusstraße in Rauxel steht der dritte als Naturdenkmal ausgewiesene Baum. Auch hierbei handelt es sich um eine Rosskastanie. Sie steht auf öffentlichem Grund. Dass Castrop-Rauxel nicht mehr Bäume als Naturdenkmal besitzt, ist für den Kreis nichts Besonderes. Richtung Haard etwa oder im Kreis Coesfeld sehe das ganz anders aus, sagt Sprecher Jochem Manz.

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