Warum sich Sabine Seibel nicht verbiegen lässt

Interview mit BUND-Mitglied

Bis Anfang der 90er gab es in Castrop-Rauxel eine eigenständige Ortsgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Einige längst ergraute Umweltschutzveteranen mischen jetzt auch mit in der neuen BUND-Ortsgruppe Ostvest. Redakteurin Ilse-Marie Schlehenkamp sprach mit Sabine Seibel, gemeinsam mit Jan Breuer zuständig für Pressekoordination, über Ziele und Perspektiven.

CASTROP-RAUXEL

von Von Ilse-Marie Schehenkamp

, 03.09.2011, 08:13 Uhr / Lesedauer: 3 min
Sabine Seibel stehte Ilse-Marie Schlehenkamp im Interview Rede und Antwort.

Sabine Seibel stehte Ilse-Marie Schlehenkamp im Interview Rede und Antwort.

Wie kam es aus Castrop-Rauxeler Sicht zur Reaktivierung?

Nun, es war einfach an der Zeit. Es ist wie in dem Lied von Xavier Naido: „Was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir dann zusammen!“ Die Themen Ökologie und Naturschutz begleiten uns in allen Lebenslagen. Ein einzelner fühlt sich da oft hilflos, aber in einer Gruppe kann man sich beraten, austauschen und wird handlungsfähiger.

Wir möchten uns in erster Linie auch mit Projekten beschäftigen, die oft hinter den großen Themen zurückstehen müssen. Es geht uns um Mitmachaktionen, um praktische und gelebte Umweltarbeit. Wir beschäftigen uns mit Gewässer- und Baumschutz, bieten Exkursionen und Fachvorträge an.

Im Kreis RE hat der BUND vor allem durch seinen Kampf bzw. Klagen gegen das Kraftwerk Datteln IV, die B 474n und den newPark auf sich aufmerksam gemacht. Mischen die Ostvestler da auch mit?

Na klar, wir sind dabei! Bei den sogenannten Großprojekten wird sich der örtliche Beauftragte Dr. Thomas Krämerkämper in gewohnt professioneller und engagierter Weise einmischen. Wir stehen da in ganz enger Abstimmung.

Ja natürlich. Es gibt viel um uns herum, wo wir täglich unsere Umwelt ein kleines bisschen schützen können! Auch in Castrop-Rauxel ist das so, auch in Datteln oder Oer-Erkenschwick. Wir wollen auch da präsent sein.

Die sind bereits in der Planung.

Umwelt- und Naturschutz ist keine Generationenfrage! Bei uns arbeitet der 70-Jährige genau so engagiert mit wie die 20-Jährige. Momentan haben wir einen großen Zulauf. Ich glaube, dass Themen wie der Kraftwerksbau in Datteln die Menschen altersübergreifend sensibilisiert. Wir sind da offen für jeden und jede, die Mitmachen möchte.

Eine Mitgliedschaft wäre schon schön, wir finanzieren uns ja über unsere Mitgliedsbeiträge. Wir bieten aber jedem an, mal bei uns „hereinzuschnuppern“ und sich dann zu entscheiden, ob man dabei sein möchte.

Das sollte man nicht unterschätzen. Bei den schon oben erwähnten „Großprojekten“ ist die Einflussnahme schon relativ hoch, hier haben wir uns über die Jahre hinweg ein gutes Standing erarbeitet.

Also mal vorweg, ich maße mir nicht an, Leben in „wichtiges menschliches“ und „unwichtiges tierisches“ zu unterscheiden. Ja, jeder der mich kennt, weiß, dass ich auch gerne mal so ein kleines unbedeutendes Tier wie den Alpenstrudelwurm schütze. Die Kreuzkröte ist ein Tier der roten Liste, also schützenswert. Wenn es dort eine große Population gibt, werden wir die Entwicklung dort natürlich begleiten.

Mein besonderer Schwerpunkt liegt in dem Bereich regenerative Energien. Stark beeinflusst bin ich da von dem leider verstorbenen Dr. Hermann Scheer. Ich habe immer fest daran geglaubt, dass ein kompletter Wechsel, weg von der Atomkraft und fossilen Brennstoffen möglich ist. Und es erfüllt mich mit besonderer Freude, wenn ich sehe, dass in meiner eigenen Stadt bereits Idealisten auf diesem Gebiet tätig sind, ich denke da an Wilhelm Kremerskothen!

Ich würde lügen, wenn ich jetzt Nein sagen würde! Natürlich gibt es innerparteiliche Diskussionen. Aber, wir sind eine große Volkspartei mit unterschiedlichen Strömungen und Meinungen – das ist ein Zeichen von Demokratie! Dazu gehört es auch, dass man seine unterschiedlichen Haltungen frei äußert, auch wenn ich da in Dingen, wie Kraftwerksbau oder B474n anderer Meinung bin wie z.B. Norbert Römer. Ich lasse mich da von niemandem verbiegen! Da werden wir uns wohl gegenseitig ertragen müssen!

Nun, sie hat ja gewusst, wen sie da einstellt. Ich habe meine persönlichen Meinungen ja schon seit Jahren, sie kennt meine Auffassungen ja auch aus unserer gemeinsamen Zeit im Kreistag. Eva Steininger-Bludau ist da sehr tolerant und legt großen Wert auf eigene, wenn auch unbequeme Meinungen.

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