Wer die Schule mit dem Abi verließ, der verewigte sich: Denkmäler erinnerten über Jahre am Adalbert-Stifter-Gymnasium an Ehemalige. Jetzt ärgern sich Ex-Schüler: Einige Skulpturen sind weg.

Castrop

, 17.01.2019, 04:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mindestens vier Denkmäler ehemaliger Abiturienten des Adalbert-Stifter-Gymnasiums sind vom Schulgelände entfernt worden. Michael Schneider fiel das etwa eine Woche vor Weihnachten auf, als er am Gelände des ASG vorbeilief und feststellte, dass die Steinskulptur in Form eines Sterns, mit dem sich sein eigener Jahrgang 2003 auf dem Schulgelände verewigte, plötzlich nicht mehr auf der Rasenfläche an der Ecke Leonhardstraße/Viktoriastraße zu finden war. „Auch der Obelisk des Jahrgangs 2000 und der Wegweiser mit den Namen des Jahrgangs 2004 waren weg“, sagt Schneider, der heute für die CDU aktiv ist, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Mit den Denkmälern, das hat Tradition, machen die Abiturienten ihrer Schule ein Abschiedsgeschenk - um sich zu verewigen, aber auch, um Kunstwerke zu hinterlassen, die das durchaus große Gelände schmücken sollen. Oft sind darunter aufwändige Sachen, die sich die Stufen mit rund 100 Schülern durchaus einen vierstelligen Betrag kosten lassen.

Der zum Teil verrostete Wegweiser an der Cafeteria

Ein Wegweiser vor der Cafeteria zeigte zum Beispiel die Entfernungen zu den Wohnorten der Schüler des Abschlussjahrgangs 2004 an. Eine schicke Anlehnung an die bekannten Wegweiser, die die Entfernungen nach New York, Hawaii, Sydney, Tokio oder anderen Metropolen an besonderen Orten anzeigen. Er ist inzwischen 15 Jahre alt - aber nicht mehr da. Wenig weiter, im selben Innenhof auf dem Rasen, steht noch der „Abikini“: der Torso eines Frauen-Oberkörpers, nur mit einem Bikini bekleidet. Er ist auf einem Sockel angebracht, auf dem steht: „Knapp, aber passt schon“. Der Abiturjahrgang 2007 schenkte ihn der Schule. Auf dem Außengelände rund um die Gebäude scheint es das einzige Überbleibsel zu sein, das noch da ist.

Abi-Denkmäler

Wie ist das bei den anderen Schulen?

Eine andere Form der Verewigung für Schulabgänger praktiziert übrigens die Willy-Brandt-Gesamtschule. Hier wird für jeden Jahrgang ein Baum gepflanzt. Am Ernst-Barlach-Gymnasium gab es wohl auch mal einen ähnlichen Brauch, aber der ist inzwischen weitgehend Geschichte.

Aber was ist mit den anderen Verewigungen der Schüler passiert? „Der Stern und der schwarze Obelisk“, sagt die Schulleitung auf Anfrage unserer Redaktion, „sind bei den Bauarbeiten zur Sanierung des Schulgebäudes beschädigt worden und mussten entfernt werden.“ Beim Stern handelt es sich um eben jenen aus dem Jahrgang 2003. Direktor Theo Albers erklärt weiter, dass der Wegweiser mit den Namen des Jahrgangs 2004 „stark angeschlagen und verrostet“ gewesen sei. Auch ihn ließ die Schulleitung deshalb vom Eingang zum Gelände des Schulcafés entfernen. Selbes gelte für die Skulptur des Jahrgangs 2001 in Form eines aufgeschlagenen Buchs: Es wurde aber schon vor längerer Zeit vom Schulgelände genommen.

Denkmäler an Innen-Wänden sind noch da

Weitere Denkmäler von Abiturienten, etwa an den Wänden in den Gebäuden der Schule, seien aber erhalten geblieben, so die Schulleitung. Auch solle es zukünftigen Abiturjahrgängen weiterhin erlaubt sein, sich nach ihrem Abschluss auf dem Gelände der Schule zur verewigen.

ASG-Denkmäler gab es mehrere. Im Außenbereich ist offenbar nur eines geblieben: der Abikini von 2007.

ASG-Denkmäler gab es mehrere. Im Außenbereich ist offenbar nur eines geblieben: der Abikini von 2007. © Tobias Weckenbrock

Kontakt zu den Urhebern oder den Spendern nahm die Schulleitung wohl nicht auf, heißt es bei den Kritikern, die selbst Mit-Stifter der Geschenke waren. Man hätte die Dinge ja zurückgeben können; viele der ehemaligen Schüler seien ja noch in der Stadt, so die Kritik.

„Und das wurde einfach entsorgt?“
Dominik Genee

Dominik Genee ist ein Beispiel. Er machte 2004 Abitur am ASG. Jetzt, 15 Jahre später, sagt der selbstständige Tischlermeister: „Ich finde das ein bisschen schade. Es ist traditionslos.“ Und das vom so traditionsreichen Gymnasium in der Altstadt? „Man hätte doch darüber reden können, vielleicht einen anderen Platz finden können. Dass man die alten Abiturienten so übergeht, ist schade“, sagt Dominik Genee. Der Jahrgang und er selbst hätten damals viel Zeit und Geld hereinfließen lassen. „Und das wurde einfach entsorgt?“

Ex-Schüler würden vielleicht Farbe in die Hand nehmen

Genee glaubt, dass man die oberen Wegweiser, die wirklich rostig waren, hätte neu streichen können. „Man weiß doch, wer das ist, es steht ja sogar drauf. Die Schulleitung hätte nur einen Stufensprecher von damals informieren müssen. Das Netzwerk intern funktioniert bei uns immer noch so, dass sicher ein paar Leute bereit gewesen wären, mit einem Eimer Farbe an einem Samstagabend wieder alles herzurichten.“

Den Eingang zum Hof vorm Schüler-Café schmückte lange Jahre ein Wegweiser. Dominik Genee baute ihn. Er wundert sich, dass man nicht einmal Kontakt zu ihm aufnahm.

Den Eingang zum Hof vorm Schüler-Café schmückte lange Jahre ein Wegweiser. Dominik Genee baute ihn. Er wundert sich, dass man nicht einmal Kontakt zu ihm aufnahm. © Tobias Weckenbrock

Er war selbst Urheber des Denkmals: Das Schweißen damals, erinnert sich Genee, lief parallel zum Abi - und zwar über Wochen. Das Planen, das Schneiden, das Schweißen, Grundieren, Lackieren, Betonieren: alles viel Aufwand - und Kosten. Wenn man die Eigenleistung rauslasse, habe man allein für das Material 800 Euro ausgegeben, schätzt er heute.

Container stehen auf einem Denkmal

Der Abiturjahrgang 2001, erinnert sich ein Schüler von damals, tauschte an der Schule ein paar Pflastersteine aus und verlegte dafür Gedenksteine auf dem Schulhof, gleich rechts neben der Eingangstreppe. „Darauf steht seit 15 Jahren ein Müllcontainer“, sagt er.

Vorher und nachher: Auf diesen Fotos sieht man die ASG-Fassade vor und nach der Sanierung. Die kleine Wiese in der Bildmitte hinten ist erhalten geblieben, die Denkmäler (u.a. Stern, Obelisk, Stahlmännchen) aber nicht.


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