Was bedeutet der Klimawandel für Castrop-Rauxel?

Wissenschaftliche Vorträge

Der Klimawandel ist ein globales Phänomen - aber was bedeutet er ganz konkret für Castrop-Rauxel? Diese Frage beantworten Experten am dritten Klimatag in Castrop-Rauxel. Wie sich ein anderes Klima auf die Bürger der Stadt an der Emscher auswirken würde, erklären wir hier.

CASTROP-RAUXEL

, 14.03.2017, 17:12 Uhr / Lesedauer: 4 min
Was bedeutet der Klimawandel für Castrop-Rauxel?

Mehrere Windkraftanlagen produzieren auf Schwerin in Castrop-Rauxel Strom.

Es gibt Prominente, die den von Menschen verursachten Klimawandel leugnen – obwohl das Gros der Wissenschaftler ihn belegen kann und er inzwischen auch in Wetterphänomenen spürbar wird.

„Im vergangenen Jahr mussten die Castrop-Rauxeler auf den Sonnenschirm meist verzichten, der Regenschirm kam umso häufiger zum Einsatz“, schreibt der EUV-Stadtbetrieb auf einem Flyer zum dritten Klimatag (für mehr Infos und zur Anmeldung klicken Sie hier), der am Mittwoch, 22. März, in der Europastadt stattfindet. Ist das Klimawandel? Was hat der mit mir zu tun? Wir haben den sechs Experten, die in Castrop-Rauxel zu verschiedenen Themen sprechen werden, vorab je drei Fragen gestellt. Vier gaben spontan Antworten:

  •  Carsten Walther , Diplom-Physiker Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)
  • Ulrike Raasch, Emschergenossenschaft
  •  Astrid Snowdon-Mahnke , Teamleiterin Klimaschutz, Klimaanpassung und Luftreinhaltung beim Regionalverband Ruhr
  • Antje Kruse, Landesamt für Natur, Umwelt, Verbraucherschutz (LANUV)

 

Carsten Walther, Diplom-Physiker Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)

Was wird die zentrale These in Ihrem Vortrag in Castrop-Rauxel sein?

Mein Vortrag soll einen Überblick darüber geben, auf welche Weise der Klimawandel sich auf die Gesundheit der Menschen in unterschiedlichen Regionen auswirken kann. Die Folgen sind spürbar, beispielsweise eine erhöhte Sterblichkeitsrate bei Hitzewellen. Von besonderer Bedeutung ist, dass die Folgen für die Gesundheit von den sozioökonomischen Bedingungen abhängen. Lokale Anpassung kann die Verletzlichkeit gegenüber dem Klimawandel verringern.

Warum ist der Klimawandel für den Menschen in Castrop-Rauxel eine reale Gefahr oder zumindest ein Thema, das ihn konkret betrifft?

Die Folgen für die Gesundheit sind spürbar. Auch wenn manche Klimafolgen wie der Meeresspiegelanstieg hier keine Rolle spielen und die Fähigkeit, sich anzupassen, groß ist, wird die Häufigkeit von Hitzewellen und Starkregen zunehmen. Obwohl viel über den Klimawandel gesprochen wird, lassen Erfolge bei der Eindämmung der Treibhausgasemissionen auf sich warten. Wir befinden uns immer noch auf einem Pfad am oberen Rand der Projektionen der Klimamodelle – mit entsprechend starken Änderungen im Klima.

Welchen Stellenwert hat eine Veranstaltung wie der Klimatag in Castrop-Rauxel für Sie?

Es ist von grundlegender Bedeutung die Ursachen, Folgen und Lösungen zum Klimawandel zu diskutieren. Nur wenn wir uns unserer Bedeutung für die Ursachen des Klimawandels und unserer Möglichkeiten für die Lösung des Problems im Klaren sind, kann sich ein Wandel vollziehen.

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Ulrike Raasch, Emschergenossenschaft

Was wird die zentrale These in Ihrem Vortrag in Castrop-Rauxel sein?

Ob mit oder ohne Klimawandel, mit zwei oder fünf Grad Erwärmung – jeder Hausbesitzer sollte im eigenen Interesse dafür Sorge tragen, sein Hab und Gut zu schützen – und dies so gut wie möglich im Einklang mit der Umwelt. Beim Thema Regen sind hierbei der Überflutungsschutz sowie die Regenwasserbewirtschaftung – beide in vielfältigen Facetten – von Belang.

Warum ist der Klimawandel für Menschen in Castrop-Rauxel eine reale Gefahr oder zumindest ein Thema, das ihn konkret betrifft?

Mit vielerlei Aufzeichnungen lassen sich die Erscheinungen des Klimawandels heute erkennen. Dazu gehört zum Beispiel die Zunahme von plötzlichen und lokalen Starkregenereignissen. Viele Hausbesitzer sind hierauf nicht ausreichend vorbereitet. Auch sommerliche Hitzeperioden nehmen zu, welche den Menschen insbesondere in urbanen Räumen zunehmend zu schaffen machen. Beides lässt sich durch Maßnahmen im eigenen Umfeld natürlich nicht völlig verhindern, aber Folgen lassen sich abmildern.

Welchen Stellenwert hat eine Veranstaltung wie der Klimatag in Castrop-Rauxel für Sie?

Veranstaltungen wie der Klimatag in Castrop-Rauxel sind eine gute Gelegenheit für Bürger, sich zu diesen und anderen Themen zu informieren, wo sie betroffen sind und was sie selbst tun können. Das mag beim Einzelnen nach wenig aussehen, gewinnt aber durch die Anzahl an Bürgern, die sich mit dem Thema beschäftigen, immens an Wirkung. Die Veranstaltung erleichtert es, mit vielen Bürgern ins Gespräch zu kommen und eventuell Verhaltensänderungen anzustoßen.

 

Astrid Snowdon-Mahnke, Teamleiterin Klimaschutz, Klimaanpassung und Luftreinhaltung beim Regionalverband Ruhr

Was wird die zentrale These in Ihrem Vortrag in Castrop-Rauxel sein?

Auch bei verstärkten Anstrengungen im Klimaschutz kann der Klimawandel nicht mehr vermieden, sondern höchstens begrenzt werden. Selbst bei einem kompletten Emissionsstopp ist von einem weiteren Anstieg der Durchschnittstemperaturen über weitere Jahrzehnte auszugehen. Aus diesem Grund ist die Anpassung an die Folgen des Klimawandels neben dem Klimaschutz ein wichtiges Handlungsfeld.

Der Vortrag zeigt auf, welche Möglichkeiten die Kommune hat, dem Klimawandel zu begegnen und sich an die zu erwartenden Folgen anzupassen. Dazu werden Beispiele aus den Arbeiten des Regionalverbands Ruhr zur Klimafolgenanpassung bezogen auf das Themenfeld Hitze in der Region und in Castrop-Rauxel aufgezeigt.

Warum ist der Klimawandel für Menschen in Castrop-Rauxel eine reale Gefahr oder zumindest ein Thema, das ihn konkret betrifft?

Städte und Ballungsräume zählen zu denjenigen Gebieten, die besonders stark vom Klimawandel betroffen sein werden. Bereits heute zeigen die Klimaprojektionen, mit welchen erheblichen Veränderungen die Städte in Zukunft zu rechnen haben. Dazu zählen unter anderem lange Hitzephasen, Starkregen-und Sturmereignisse. Insbesondere alte und kranke Menschen werden unter den Auswirkungen des Klimawandels, wie längere Hitzephasen, leiden. Aber auch alle anderen Bürger von Castrop-Rauxel müssen sich auf veränderte Bedingungen einstellen.

Welchen Stellenwert hat eine Veranstaltung wie der Klimatag in Castrop-Rauxel für Sie?

Der Klimatag ist eine gute Möglichkeit, das Bewusstsein für das Thema Klimawandel und Klimaanpassung nicht nur in der kommunalen Politik zu verankern, sondern auch dem Bürger aufzuzeigen, welche konkreten Folgen durch den Klimawandel in seiner Stadt zu erwarten sind.

Nur über eine ausreichende Information über die zu erwartenden Folgen des Klimawandels und die notwendigen Handlungsmöglichkeiten kann der Bürger selbst motiviert werden, sich für das Thema zu engagieren und seinen Beitrag zu leisten.

 

Antje Kruse, Landesamt für Natur, Umwelt, Verbraucherschutz (LANUV)

Was wird die zentrale These in Ihrem Vortrag in Castrop-Rauxel sein?

Der anthropogen verursachte Klimawandel ist Realität und seine Auswirkungen sind auch in NRW deutlich zu spüren.

Warum ist der Klimawandel für Menschen in Castrop-Rauxel eine reale Gefahr?

Langjährige Messungen zeigen, dass die Temperaturen steigen, bei den Niederschlägen ändern sich Intensität und Verteilung. Mittel- und langfristige Projektionen zeigen, dass sich diese Trends fortsetzen. Daher sind Klimaschutzmaßnahmen der ganzen Weltgemeinschaft und auf lokaler Ebene erforderlich, um die Folgen zu begrenzen.

Welchen Stellenwert hat eine Veranstaltung wie der Klimatag für Sie? 

Veranstaltungen wie diese helfen, das Thema des anthropogen verursachten Klimawandels in Zeiten von Donald Trump und AfD und der Berichterstattung, in der Umweltthemen kaum eine Rolle spielen, präsent zu halten.

So können Sie sich für den Klimatag anmelden
Der dritte Klimatag am Mittwoch, 22. März, von 13 bis 17.30 Uhr im Dieze, Erinstraße 6, ist kostenfrei für alle, die sich anmelden. Anmeldeschluss ist der 15. März.
Interessenten können bei der Klimaschutzkoordinatorin anrufen: Karin Graf ist erreichbar unter Tel. (02305) 9686330 oder per E-Mail an  - bitte füllen Sie dieses  aus und packen es in den E-Mail-Anhang.
Anfang 2010 wurde eine eigene Stelle für die Klimaschutzkoordinierung bei der Stadt eingerichtet, die vom Bundesministerium gefördert wird.

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