Was ein Castrop-Rauxeler auf der Balkan-Route sah

Mit Fotostrecke

Fethullah Sevinc ist wohlbehalten zurück von der Balkanroute. Der Student aus Castrop-Rauxel wollte sich vor Ort über die Lage der Flüchtlinge informieren und sie nach Kräften unterstützen. Bei einem Gespräch mit Bürgermeister Rajko Kravanja erzählt der 21-Jährige von seiner dreieinhalb Wochen dauernden Reise.

CASTROP-RAUXEL

, 23.03.2016, 15:31 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ease the way: Fethullah Sevinc' Eindrücke von der Balkan-Route.

Ease the way: Fethullah Sevinc' Eindrücke von der Balkan-Route.

„Meine erste Erkenntnis war wohl die, dass man nicht allen Menschen helfen kann“, sagt Fethullah. Und fügt hinzu: „Das hat auch weh getan.“ Ermöglicht haben die Reise, auf die sich der Castrop-Rauxeler gemeinsam mit Sinah Käding aus Köln und Jannis Roßkamp aus Heidelberg gemacht hat, die Auslandsgesellschaft, das Dortmunder Autohaus Rüschkamp und private Spender.

„Uns ist wichtig, dass es nicht nur um Vermittlung von Sprache geht, sondern die menschliche Seite in der ganzen Diskussion nicht vergessen wird,“ erklärt der Präsident der Auslandsgesellschaft, der Ickerner Marc Frese. Frese, Sevinc und Kravanja haben sich über den Verein „Mein Ickern“ kennengelernt.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Fethullah Sevinc' Reise auf der Balkan-Route

Fethullah Sevinc ist wohlbehalten zurück von der Balkanroute. Der Student aus Castrop-Rauxel wollte sich vor Ort über die Lage der Flüchtlinge informieren und sie nach Kräften unterstützen. Von seiner Reise hat er Bilder mitgebracht, die wir in unserer Fotostrecke zeigen.
23.03.2016
/
Ease the way: Fethullah Sevinc' Eindrücke von der Balkan-Route.© Foto: Fethullah Sevinc
Ease the way: Fethullah Sevinc' Eindrücke von der Balkan-Route.© Foto: Fethullah Sevinc
Ease the way: Fethullah Sevinc' Eindrücke von der Balkan-Route.© Foto: Fethullah Sevinc
Ease the way: Fethullah Sevinc' Eindrücke von der Balkan-Route.© Foto: Fethullah Sevinc
Ease the way: Fethullah Sevinc' Eindrücke von der Balkan-Route.© Foto: Fethullah Sevinc
Ease the way: Fethullah Sevinc' Eindrücke von der Balkan-Route.© Foto: Fethullah Sevinc
Ease the way: Fethullah Sevinc' Eindrücke von der Balkan-Route.© Foto: Fethullah Sevinc
Ease the way: Fethullah Sevinc' Eindrücke von der Balkan-Route.© Foto: Fethullah Sevinc
Ease the way: Fethullah Sevinc' Eindrücke von der Balkan-Route.© Foto: Fethullah Sevinc
Schlagworte

„Ease the way“ – erleichtere den Weg, heißt das Projekt, das die Studenten umtreibt. 6000 Kilometer haben sie zurückgelegt. Waren in Österreich, in Slowenien, Kroatien, Serbien, Montenegro und Griechenland. Idomeni, jener griechische Ort, in dem rund 13.000 Menschen ausharren, in der Hoffnung, dass es doch weitergehen könnte in ein sichereres Leben, hat vielleicht die tiefsten Eindrücke hinterlassen. „Der Ort, wo vor lauter Politik die Menschen vergessen werden“, sagt Marc Frese.

Wie die Menschen auf der Flucht leben:

Die Lebensbedingungen seien nicht vorstellbar. Die Menschen schliefen in Zelten, mitten im überfluteten Matsch und Dreck. Wobei man von Schlafen eigentlich gar nicht reden könne. „Die Kinder spielen in dem ganzen Elend im Dreck“, beschreibt Fethullah. Die griechische Regierung tue nicht viel, die Einheimischen seien freundlich, aber hätten selbst zu wenig, um das Wenige noch zu teilen. „Die Situation ist eine menschliche Schande“, sagt Rajko Kravanja. Das Trio aus Deutschland verteilt, was es aus seinem Budget von 3000 Euro verteilen kann. Hygieneartikel, Stifte für die Kinder, Schlafsäcke, gibt Lunchpakete aus.

Hilft mit im Volunteer-Haus beim Kochen, bei der Essensausgabe. „Ohne die Helfer sähe es noch viel katastrophaler aus, es ginge gar nicht“, sagt Fethullah, dem seine Türkischkenntnisse auf der Reise als Brücke der Verständigung mitunter halfen. Jung seien sie alle, die Helferinnen und Helfer, die aus Deutschland kämen, aus England, der Schweiz und anderen europäischen Ländern. Viele nach dem Abi, in den Semesterferien. Um ein Zeichen für Menschlichkeit zu setzen. Als Fetullhah in Idomeni war, seien es rund 60 gewesen.

Neue Pläne des Studenten:

Alles das, was das Trio erlebt hat, hat es in den sozialen Netzwerken übermittelt. Und wird es auch in Zukunft so halten, damit Menschen einander verstehen lernen und ein Zeichen setzen gegen die braune Brut, die sich breit gemacht hat und ihre menschenverachtende Fratze zeigt. Einfließen wird das Projekt ohnehin in die weitere Arbeit der Auslandgesellschaft und in den Austausch mit Schulen. Für die nächsten Semesterferien hat Fethullah die Türkei auf dem Schirm. „Ich überlege, dann dorthin zu fahren, um mir ein Bild zu machen“, erklärt er.

Ein bisschen müsse das Erlebte aber noch sacken. Der Unterstützung aus Castrop-Rauxel kann er sich gewiss sein. „Wir können das Engagement gar nicht aufwiegen, sondern nur Danke sagen“, sagt Kravanja. 

Lesen Sie jetzt