Wie viel Pipi ist eigentlich im Schwimmbecken im Parkbad Nord?

rnWasserqualität im Freibad

Wenn im Sommer viele Menschen ins Parkbad Nord kommen, heißt das für Schwimmmeister: viel Arbeit. Nicht nur Beckenaufsicht. Auch die Wasserqualität muss vielen Prüfungen standhalten.

Ickern

, 10.08.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Während an einem warmen Mittag in den Sommerferien die Badegäste im Parkbad Nord die Sonne genießen, schwimmen gehen oder auf der Liegwiese entspannen, gibt es für Schwimmmeister Heinz-Robert Schäfer (54) viel Arbeit.

Auch dann, wenn niemand in Not ist und ein Kollege die Beckenaufsicht führt. Denn die Wasserqualität muss im Freibad immer stimmen. Und damit das so ist, wird sie laufend überprüft. Am Computer, auf Sicht und mit regelmäßigen Wasserproben, die Schäfer aus den Becken nimmt.

Proben werden mindestens dreimal täglich genommen

Dreimal täglich muss Schäfer das machen. Mindestens. „Wenn viel los ist auch öfter.“ Zwei Probenfläschchen nehmen, Wasser abfüllen, Indikator zugeben (eine Chemikalie, die sich sich auf bestimmte Weise verfärbt), Chlor-, Ph-Wert und Redox-Werte bestimmen.

Wie viel Pipi ist eigentlich im Schwimmbecken im Parkbad Nord?

Dreimal am Tag nimmt Schäfer Wasserproben aus dem Schwimmbecken. © Matthias Stachelhaus

An diesem Mittag sind 0,25 ml Chlor pro Kubikmeter Wasser im Schwimmbecken. „Das ist etwas weniger als sonst. Wir haben heute morgen einen Filter gewechselt, da läuft viel frisches Wasser durch“, sagt Schäfer.

Der Sollwert für das Chlor liegt zwischen 0,36 und 0,6 ml pro Kubikmeter Wasser. Es wirkt gegen Harnstoff, der auf Haut und im Urin enthalten ist, genauso wie gegen Bakterien.

Wie viel Pipi ist eigentlich im Schwimmbecken im Parkbad Nord?

Zur genauen Bestimmung der Wasserwerte benutzt Schwimmmeister Schäfer ein spezielles Messgerät. © Matthias Stachelhaus

Die Ph-Werte liegen im Schwimmbad rund um den Wert von 6,8 (7 = neutral; weniger als 7 sauer; mehr als 7 basisch), entsprechen dem Sollwert des Badewassers. Sollten die Werte nicht stimmen, greift Heinz-Robert Schäfer ein, stellt den Chlor-Gehalt im Wasser neu ein. Kalibrieren sagt der Schwimmmeister dazu.

Wie viel Pipi ist eigentlich im Schwimmbecken im Parkbad Nord?

Links: Klares Wasser aus dem Becken. Rechts: Ein Indikator verfärbt die Wasserprobe. So kann Schwimmmeister Schäfer bestimmen, ob genug Chlor im Wasser ist und ob Ph-Wert und Redox-Werte stimmen. © Matthias Stachelhaus

Bakterien haben keine Chance

Die Werte für „freies Chlor“ im Vergleich zu den Werten des „gebundenen Chlors“ weisen auf die Wasserqualität hin. Dabei muss der Wert des gebundenen Chlors immer niedriger sein als der Wert des freien Chlors.

Wie viel Pipi ist eigentlich im Schwimmbecken im Parkbad Nord?

Am Computer hat Schwimmmeister Heinz-Robert Schäfer die Wasserwerte im Parkbad Nord immer im schnell im Blick. © Matthias Stachelhaus

Damit aber nicht genug. Kontrolliert wird das Wasser im Freibad auch auf E.Coli-Bakterien, Legionellen und sogenannte Trihalogenmethane.

Festgehalten werden die Messwerte nicht nur am Computer, sondern zusätzlich noch in einem Kontrollbuch. Also einer Art Tagebuch über die Qualität des Wassers im Schwimmbad.

Regelmäßige unabhängige Kontrollen

Klingt alles schon sehr ordentlich. Aber für das Gesundheitsamt reicht das noch lange nicht. Das Wasser im Schwimmbad wird zusätzlich einmal im Monat von einem unabhängigen Institut kontrolliert.

Wann genau, das weiß Schäfer vorher nicht. „Nur das die irgendwann vorbeikommen.“ Würde ja auch keinen Sinn machen sonst, so eine unabhängige Kontrolle.

Wie viel Pipi ist eigentlich im Schwimmbecken im Parkbad Nord?

Das Parkbad Nord in Ickern an der Recklinghauser Straße an einem Hochsommer-Abend in den Ferien 2019 © Tobias Weckenbrock

„Wenn hier was nicht stimmen sollte, kann das Gesundheitsamt das Schwimmbad sofort schließen lassen“, sagt Schäfer.

Wie viel Pipi ist denn nun im Wasser?

Bleibt am Ende eigentlich nur noch eine Frage: Wie viel Pipi ist denn nun im Schwimmbecken? „Immer etwas“, sagt Schäfer und schmunzelt. Gebunden an das Chlor versteht sich. Das ist normal, lässt sich auch gar nicht verhindern.

Denn den im Urin enthaltenen Harnstoff, den das Chlor bindet, scheidet jeder Mensch auch über die Haut aus. Er ist nicht giftig. Einen genauen Wert nennt der Schwimmeister nicht.

Und weil das ohne Zahl sonst alles langweilig wäre, bemühen wir doch kurz einmal Wikipedia. Hier steht geschrieben: 40 Badende geben über die Haut in etwa so viel Harnstoff ab wie eine ins Wasser urinierende Person.

Ein 400.000 Liter fassendes Becken (20x10x2m-Becken oder 400 Kubikmeter oder anschaulicher betrachtet etwa 2700 Badewannen à 150 Liter) sollen etwa 26,5 Liter Urin enthalten. Vorheriges Duschen entfernt bis 97 Prozent des Harnstoffs auf der Haut.

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