Weniger Bienen und Hummeln, aber mehr Mücken in Castrop-Rauxel

rnKlimawandel

In diesem Jahr gibt es in Castrop-Rauxel so wenig Hummeln und Bienen wie nie, sagt Stephan Bevc, Vorsitzender des Kleingärtnerverbands. Er erklärt, warum es dennoch mehr sind als auf dem Land.

Castrop-Rauxel

, 26.04.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ist euch auch aufgefallen, dass es in diesem Frühling weniger Insekten gibt“, fragte ein Kollege in der Redaktionskonferenz. Im Garten habe er bisher nur wenige Bienen gesehen, meinte er. Ein anderer widersprach: „Das Gefühl habe ich nicht – bei einem Spaziergang gab es Schwärme von Mücken.“

Recht haben beide Kollegen, sagt Stephan Bevc. Er ist Vorsitzender des Bezirksverbands Castrop-Rauxel/Waltrop der Kleingärtner. Schon seit Jahren beobachtet er die Zahl der Insekten in Castrop-Rauxel, indem er im Blick behält, wie viele die Obstbäume anfliegen.

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„Definitiv weniger Hummeln und Wildbienen“

Von Jahr zu Jahr registriert er, dass es immer weniger werden. Auch in diesem Frühling sei das so. Es gebe zwar mehr Mücken und Fliegen, „in diesem Jahr aber definitiv weniger Hummeln und Wildbienen“, hat Bevc bisher festgestellt.

Dass das so ist, kann er mit Bestimmtheit sagen. Wie viel weniger, kann er nur schätzen: „Gefühlt ist es nur noch die Hälfte der Bienen und Hummeln, oder noch weniger.“ Bisher seien ihm nur ein paar Hummelköniginnen aufgefallen. Das sei sonst anders.

Er vermutet, dass die Trockenheit im vergangenen Sommer dafür verantwortlich ist. Viele Pflanzen seien eingegangen. Das habe sich auch auf die Population der Insekten ausgewirkt.

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Insekten kommen in milden Wintern früher heraus

Ein Problem sei außerdem, dass Insekten in milden Wintern tendenziell auch früher heraus kämen. Gebe es dann noch mal Frost, bekämen sie einen Kälteschock und würden sterben. Das war zuletzt der Fall.

Generell aber gebe es Frost in den vergangenen Wintern immer weniger und auch das sei problematisch, weil es in Deutschland viele Kaltkeimer gebe, erklärt Bevc.

Stephan Bevc ist Chef der KLeingärtner in Castrop-Rauxel und Waltrop. Er macht diverse Ursachen dafür verantwortlich, dass sich die Pflanzen- und Tierwelt massiv veränderten.

Stephan Bevc ist Chef der KLeingärtner in Castrop-Rauxel und Waltrop. Er macht diverse Ursachen dafür verantwortlich, dass sich die Pflanzen- und Tierwelt massiv veränderten. © Fabian Paffendorf

Das sind Pflanzen, die eine längere Kälteperiode brauchen, um sich zu entwickeln. „In diesem Winter war es aber am Boden nicht kalt genug.“ Teilweise würden die Pflanzen deshalb fehlen.

Manche Insekten seien nun genau auf diese spezialisiert. Die Saugrüssel seien für bestimmte Blüten entwickelt. Verschwinden diese Pflanzen oder werden weniger, verschwindet auch die Nahrungsgrundlage der Insekten.

„Es ist alles früher dran, bestimmt mit einem Vorsprung von vier bis sechs Wochen, im Vergleich zu dem, was normal wäre“, sagt Bevc. Dass Bevc das Frühjahr vor fünf bis acht Jahren meint, wenn er „normal“ sagt, zeigt, wie sehr sich die Gegebenheiten verändert haben.

Bäume brauchen eigentlich die Ruhephase im Winter

Und das werde wegen des Klimawandels weiter so gehen, sagt Bevc. Die heimische Flora leide. Wegen der ausbleibenden Winter seien die Bäume im Dauerstress, erklärt der Kleingärtner. Sie bräuchten eigentlich die Ruhephase. Bekommen sie die nicht und kommt dann noch Trockenheit hinzu, werden die Bäume krank.

Ahorn, Kastanien, Platanen und viele andere heimische Bäume litten schon darunter. Andere Kleingärtner hätten mittlerweile Feigenbäume in ihren Gärten, erzählt Bevc.

Er selbst hatte im vergangenen Jahr eine üppige Ernte an Khaki-Früchten. Beide Bäume sind in Deutschland nicht heimisch, fühlen sich hier aber zunehmend wohler. „Wir sollten davon ausgehen, dass die Welt in 20 Jahren anders aussieht“, sagt Bevc.

Einen Beitrag dazu würden auch die Landwirte leisten. „Sie müssen sich die Insektenvielfalt in der Nähe eines Feldes mal anschauen“, sagt er. „Da gibt es praktisch nichts mehr.“

Dafür macht Bevc zum einen die Monokulturen verantwortlich, vor allem aber das vielfach kritisierte Pflanzenschutzmittel Glyphosat, das Insekten den Garaus macht. „Das führt dazu, dass wir in der Stadt teilweise mehr Artenvielfalt haben, als auf dem Land.“

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