Wenn das Unkraut so richtig sprießt: Wie kommt man heute ohne Glyphosat aus?

rnUnkrautvernichter

Grünpflege ohne Glyphosat: In Castrop-Rauxel ist das seit 2016 Standard. Wildwuchs ist die Folge. Die Stadtgärtner nutzen nun andere Mittel - und geben hier Tipps, was uns im Garten hilft.

Castrop-Rauxel

, 30.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Abstimmung vor fast drei Jahren fiel eindeutig aus: Mit großer Mehrheit stimmte der Stadtrat in Castrop-Rauxel im Juni 2016 für ein Glyphosat-Verbot. Skeptiker in Reihen der Stadt hatten angesichts des Personalmangels im Bereich Stadtgrün und Friedhofswesen im Vorfeld darauf hingewiesen, dass sich damit das Stadtbild verändern werde. Zumal das Gift bei uns in geringen Dosen verabreicht wurde: nämlich gerade mal 100 Liter des Herbizids im Jahr.

Gestritten wurde in der Folge aber nicht mehr darüber. Jedenfalls nicht in der Politik. Längst steht das massenhafte Insektensterben in der öffentlichen Wahrnehmung oben auf der Liste.

Das sind die Alternativen für die Stadt

Viele Kommunen in NRW setzen seit Jahren auf komplett pestizidfreie Unkrautbekämpfung. „Das Erscheinungsbild hat sich seit dem Verbot verschlechtert“, sagt Uta-Christina Stevens von der Stadtpressestelle – weil eben die alternativen Verfahren, um gegen Unkraut anzukämpfen, zeitaufwendig und zum Teil sehr teuer seien.

Als Alternative gebe es nur thermische Verfahren, also zum Beispiel Unkrautbrenner, oder mechanische Verfahren, also Geräte mit einem Bürstenanbau. Das Team Stadtgrün habe verschiedene Varianten geprüft und verwende derzeit mechanische Verfahren. Sprich: Die Mitarbeiter legen Hand an den Stiel mit entsprechenden Bürsten an einem Ende.

Für kommunale Straßen und alle Flächen, die nicht gärtnerisch, land- oder forstwirtschaftlich genutzt werden, gilt seit 2014 ein Erlass des NRW-Umweltministeriums, der den Gebrauch von Glyphosat untersagt. Bei Bauern ist das Mittel aber nach wie vor im Einsatz und kann sich darum auch in Nahrungsmitteln als Rückstand wiederfinden.

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Und das kann der Privatmann tun

Naturschützer raten grundsätzlich, auf Glyphosat zu verzichten. Für den Privatmann ist es auch schwer geworden, im Geschäft an glyphosathaltige Unkrautvernichter zu kommen. Viele Gartencenter und Baumärkte haben sie aus dem Programm genommen, darunter große Ketten wie Toom, Bauhaus und Hornbach. In Castrop-Rauxel ist es kaum mehr möglich, auf normalem Wege heranzukommen.

Die Landwirtschaftskammer NRW befürwortet zudem einen Glyphosat-Verzicht im Hausgarten. „Das braucht kein Privatmensch“, sagt Sprecher Bernhard Rüb. Es gebe genug Alternativen. Abflämmen des Unkrauts zum Beispiel. Oder den Pflasterbereich bei schönem Wetter mit heißem Wasser begießen. Das sagt Grünflächenamtschef Klaus Breuer. „Das Unkraut geht durch das heiße Wasser sofort ein.“ Auch Mulchen oder das Pflanzen von Bodendeckern unterbindet Wilkdkräuter.

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