Wenn der Besitzer stirbt: So verdienen Banken Millionen mit dem Vermögen von Toten

rnNachrichtenlose Konten

Was passiert eigentlich mit einem Konto, auf das lange Zeit kein Geld mehr ein- oder ausgezahlt wurde – und dessen Besitzer nicht gefunden werden kann? Castrop-Rauxeler Banken klären auf.

Castrop-Rauxel

, 11.10.2019, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn alleinstehende Menschen sterben, nehmen sie ihr Wissen um ihre Bankkonten häufig mit ins Grab. Banken verwalten Sparbücher, Konten und Depots, auf denen seit Jahren nichts mehr passiert – an denen sie aber weiterhin verdienen.

„Die Guthaben aus ‚nachrichtenlosen Konten‘ stehen – wie alle anderen Guthaben auch – dem Geschäftsbetrieb der Bank zur Verfügung“, bestätigt Carsten Jäger von der Dortmunder Volksbank.

Konten werden als „nachrichtenlos“ bezeichnet, wenn mehr als fünf Jahre lang kein Kontakt zum Besitzer besteht und auch die Post als unzustellbar wieder bei der Bank landet. Dabei muss es sich nicht zwangsweise um Konten von verstorbenen Kunden handeln. Es können zum Beispiel auch Konten von unbekannt weggezogenen Kunden sein.

Mehrere Millionen Euro auf vergessenen Konten

Allein bei der Sparkasse Dortmund schlummern so insgesamt 4,7 Millionen Euro auf 247.000 nachrichtenlosen Konten (Stand 1.9.2019) – die Zahl steigend. Konkrete regionale Zahlen für Castrop-Rauxel konnte keine der Banken nennen.

Stefan Fokken, Pressesprecher der Sparkasse Vest Recklinghausen, sagt jedoch, dass die nachrichtenlosen Konten nur einen geringen Teil ausmachten. Mit den Zahlen läge die Sparkasse genau im Schnitt: „Grundsätzlich sind unsere Zahlen mit denen der anderen Banken vergleichbar“, sagt Fokken.

Im Normalfall erhalte die Bank aber sehr schnell Kenntnis vom Tod eines Kunden. „In der Regel geschieht dies durch die nächsten Angehörigen“, sagt Sonja Habig, Pressesprecherin der Commerzbank.

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Jäger ergänzt: „Sollten jedoch keine Verwandten beziehungsweise Erben vorhanden sein oder sich diese nicht bei uns melden, erfahren wir in den allermeisten Fällen auf anderen Wegen von einem Wegzug beziehungsweise vom Tod eines Kontoinhabers. Etwa durch Rentenrückforderungen oder nicht zustellbare Briefe.“

Kommt ein Brief zurück, werde noch auf anderen Wegen versucht, Kontakt aufzunehmen. „Gelingt dies nicht, erfragen wir eine etwaige neue Adresse beim Einwohnermeldeamt. Falls jemand verstorben ist, erfahren wir es durch die Mitarbeiter des Amtes“, erklärt Jäger. So gebe es viele Wege und es könnte in den allermeisten Fällen Kontakt hergestellt werden.

Unbekannte Erbfälle bei allen Banken die Ausnahme

Unbekannte Erbfälle seien somit die absolute Ausnahme, da sind sich alle Banken einig – sowohl die Dortmunder Volksbank, die Sparkasse Vest Recklinghausen, die Commerzbank wie auch die Postbank.

Das oberste Ziel sei es, den Kontakt zum Kunden wiederherzustellen beziehungsweise dessen Erben zu ermitteln, sagt Jäger. Und auch Fokken betont: „In solchen Fällen geben wir uns viel Mühe, um den Besitzer, Angehörige oder Erben ausfindig zu machen.“

Guthaben auf Sparkonten bleiben weiterhin erhalten

In den Fällen, in denen eine Kontaktaufnahme trotz allem ins Leere läuft, gehe die Postbank folgendermaßen vor: „Ein Girokonto wird unsererseits gelöscht, wenn dieses durch Abbuchungen von Entgelten ins Minus rutscht.

Guthaben auf Sparkonten bleiben erhalten, falls sich doch noch der berechtigte Kunde oder dessen Rechtsnachfolger meldet“, erklärt Ralf Palm, Pressesprecher der Postbank.

Geld von nachrichtenlose Konten auf ein Sammelkonto

Zur Vermeidung von Verwaltungskosten wird bei der Volksbank ein Teil der nachrichtenlosen Konten aufgelöst und die Guthaben auf einem Sammelkonto verwaltet, erklärt Jäger. Es gebe jedoch Einzelnachweise zu dem Sammelkonto.

„Dadurch kann jederzeit nachvollzogen werden, für welchen Kunden welches Guthaben verwaltet wird und welche vertraglich vereinbarten Zinsen dem Kunden zustehen. Insofern ändert sich nur die Art der Verwaltung. Der Rückzahlungsanspruch des Kunden beziehungsweise seiner Erben bleibt bestehen.“ Und das auch noch nach Jahrzehnten, betont Fokken: „Das Guthaben bleibt bestehen und verjährt nicht.“

Auch bei der Commerzbank behalten vertragliche Vereinbarungen mit dem Kunden ihre Gültigkeit. „Guthaben von nicht genutzten Konten werden nicht auf Sammelkonten umgebucht“, sagt Habig.

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