Weil er nicht mit zur Abschlussfeier seiner Stieftochter durfte, erstach ein 47-Jähriger 2014 seine Ehefrau. Im Prozess um die schreckliche Bluttat kamen grausame Details ans Licht.

Castrop-Rauxel

, 04.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Es war eine heftige Familientragödie, die sich am 11. April in Deininghausen ereignete. Kurz vor Mitternacht hat ein damals 47-Jähriger auf seine dritte Ehefrau eingestochen - sieben Mal. Die 45-Jährige starb an einem etwa 13 Zentimeter langen Stich ins Herz. Sie verblutete auf dem Fußboden ihrer Küche.

Die Familie wohnt zu der Zeit in einem Acht-Familien-Haus an der Leipziger Straße in Deininghausen. Die Familie, das sind die 45-jährige Mutter, ihre 16-jährige Tochter und ihr 47-jähriger Stiefvater. Die Stieftochter ist es auch, die die Polizei nacht dem eskalierten Streit alarmiert.

Mann legt schwer verletzt ein Geständnis ab

Als die Polizei eintrifft, findet sie die Mutter tot in der Wohnung, der Stiefvater ist lebensgefährlich verletzt. Auch die Stieftochter ist schwer verletzt. Noch in der Nacht werden die beiden operiert. Der Mann ist laut Polizei sofort geständig.

Die Nachbarn sind fassungslos, beschreiben die Familie als „ganz ruhige Leute.“ „Das ist ein Albtraum hier“, sagte eine Nachbarin damals im Gespräch mit unserer Zeitung. Erst anderthalb Jahre zuvor sei der Mann zu seiner Frau und der Tochter in die Wohnung gezogen.

„Ich töte euch.“
Der Angeklagte im Streit

Trotz des Geständnisses blieb eines eine zeitlang unklar: Woher stammen die schweren Verletzungen des Stiefvaters? Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann sich die Schnitte selbst zugefügt hat. „Wir sprechen von typischen Zauderschnitten, die quer zum Arm ausgeführt wurden. Das ist stümperhaft“, sagte der zuständige Leitende Staatsanwalt Dr. Heiko Artkämper im Gespräch mit unserer Zeitung.

Zauderschnitte sind Probierschnitte, die eine Person mit Suizidabsicht zum Test der Schmerzempfindlichkeit und Überwindung der psychologischen Hemmschwelle ausführt. Sie sind nicht lebensgefährlich.

Die Verletzungen der Tochter sprachen eine eindeutige Sprache. Sie hatte sich beim Streit vor ihre Mutter geworfen, wollte die schlimme Tragödie verhindern. Dabei hat der Stiefvater auch seine Stieftochter mit dem Messer getroffen. Für die 16-Jährige wurde das Jugendamt eingeschaltet.

Eifersüchtig auf den Ex-Mann

Unterdessen zeichnete sich auch das Mordmotiv ab. Weil der 47-Jährige nicht mit zur Abschlussfeier seiner Stieftochter durfte, rastete er aus und stach auf seine Ehefrau ein. Die wollte lieber ihren Ex-Mann, den Vater ihrer Tochter, mit zur Abschlussfeier nehmen. Im Streit habe er zum Messer gegriffen und immer wieder gerufen: „Ich töte euch.“

Am 6. Oktober 2014 begann der Prozess beim Schwurgericht am Dortmunder Landgericht. Die Anklage lautete auf Mord. Der geständige Mann brach am ersten Verhandlungstag in Tränen aus. „Ich müsste die Todesstrafe kriegen. Ich verdiene das Leben nicht mehr“, sagte er vor Gericht.

Von Narben übersäte Arme

Die Tochter sagte als Zeugin aus, zeigte ihre zahlreichen Narben auf den Armen. Das sind nicht die einzigen Überbleibsel aus der Tatnacht. Noch immer steckte die Spitze einer abgebrochenen Messerklinge in ihrer Lunge. Das Metall operativ zu entfernen sei noch gefährlicher, als es an Ort und Stelle zu lassen.

In dem Prozess, der sich über mehrere Verhandlungstage erstreckt, kommen noch mehr grausame Details zur Vergangenheit des Angeklagten ans Licht. In den 90er-Jahren hat er die gerade erst 13-jährige Tochter seiner ersten Ehefrau vergewaltigt. Dafür wurde der Deutschrusse in Russland zu acht Jahren Haft verurteilt - über fünf davon hat er abgesessen. Über diesem grausamen Vorfall wollte er vor Gericht nicht sprechen.

Die Ehe wurde nach der Haftentlassung 2003 geschieden. Zwei Jahre später heiratete der Angeklagte wieder. Doch auch diese Ehe hielt nicht lange. Er ging nach Deutschland, traf dort seine Jugendliebe wieder, die er 25 Jahre lang nicht gesehen hatte. Es war die Frau, die er 2014 mit sieben Messerstichen töten sollte.

„Ich verdiene das Leben nicht mehr.“
Der Angeklagte vor Gericht

Das Urteil fällt am 8. Dezember 2014, knapp acht Monate nach der schrecklichen Bluttat. Das Gericht folgte der Forderung der Staatsanwaltschaft nach Verhängung der Höchststrafe. Der Mann wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Das Gericht stellte vor allem die besondere Schwere der Schuld fest. Somit kann der Mann die Hoffnung aufgeben, nach 15 Jahren, also 2029, das Gefängnis auf Bewährung verlassen zu können.

Er wurde nicht nur wegen Mordes an seiner Ehefrau verurteilt, sondern tateinheitlich wegen versuchten Mordes an seiner Stieftochter mit schwerer Körperverletzung.

Der Angeklagte selbst hatte am letzten Verhandlungstag um eine harte Strafe gebeten. Die Stieftochter trat als Nebenklägerin auf. Ihr wurden 25.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. Das Geld wird die Tragödie, die die junge Frau durchleben musste, nie aufwiegen.

Der heute 52-Jährige sitzt heute noch in Haft, so die Staatsanwaltschaft Dortmund auf Anfrage.

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