Wer im Bürgerbüro Castrop-Rauxel anruft, landet bald in Bochum

rnKooperation

Noch 2020 werden Anrufe, die beim Bürgerbüro Castrop-Rauxel eingehen, nach Bochum weitergeleitet. Das gilt auch für spezielle andere Anrufe im Rathaus und kostet viel Geld.

Castrop-Rauxel

, 23.02.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Bürgerbüro gibt seine Telefondienstleistungen ab: 180.000 Euro kostet die Stadtverwaltung der Service unter dem Stichwort „interkommunale Zusammenarbeit“. Der Ordnungsausschuss hat dem Vorhaben nun zugestimmt.

Nur die Fraktion der Linken war dagegen.

Der Erste Beigeordnete Michael Eckhardt sagte am Mittwochabend: „Es ist ausgehandelt, der Personalrat hat vergangene Woche zugestimmt.“

Thomas Röhl, Leiter des Bereichs Ordnung und Bürgerdienste, erklärte, warum die Stadt Castrop-Rauxel sich das 180.000 Euro kosten lässt: „Wir wollen damit zwei Problemlagen begegnen“, so Röhl. „Einmal wollen wir eine bessere Servicequalität anbieten: wann ich das Bürgerbüro erreichen kann und wie ich dort beraten werde.“

„Schon fast ein Quantensprung“

Das sei „schon fast ein Quantensprung“, findet Röhl. Mehrfach habe man sich unter den Fachleuten und mit den eigenen Mitarbeitern mit Kollegen in Bochum getroffen. „Bei einem Callcenter hat jeder ja gleich ein schlechtes Bild vor Augen“, so Röhl: „Enge Arbeitszellen und dunkle Großräume. Mitnichten: Es ist hell, freundlich, es arbeiten dort kompetente Menschen, die sehr verbindliche Auskünfte erteilen oder Terminvereinbarungen vornehmen.“

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Das Servicecenter Bochum habe eine „Abschlussquote“ von 80 bis 85 Prozent, sprich: Nur 15 bis 20 Prozent der Anrufer müssen weiterverbunden werden, die anderen werden bis zum Ende bearbeitet. Zudem sei das Servicecenter täglich von 8 bis 18 Uhr erreichbar. „Das hat seinen Preis, aber das ist so“, so Röhl.

In einem zweiten Schritt wolle man die Anrufe bei der Beschwerdehotline der Stadt (106-2233) auch dorthin weiterleiten – und auch hier die Erreichbarkeit wesentlich verbessern.

Zu hoher Preis für diese Dienstleistung?

Die Politik schluckte bei dem jährlichen Preis von 180.000 Euro. Vor allem Meinolf Finke (Linke), der darum auch als einziger dagegen abstimmte: Man könne dafür drei oder vier Stellen in Castrop-Rauxel schaffen.

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Röhl begründete das Vorgehen damit, dass dafür zwei zusätzliche Stellen in Bochum eingerichtet würden. „Wenn wir die gleichen Zeiten anbieten wollen, müssten wir vier Stellen einrichten. In Bochum sind aber alle Krankheitsvertretungen und Urlaube der Mitarbeiter abgedeckt. Denn dort arbeiten schon 16 Leute“, so Röhl. Hier erziele man einen klassischen Synergieeffekt. „Es wird künftig möglicherweise so sein, dass sechs Leute gleichzeitig für Castrop-Rauxel telefonieren. Die Frage müssen Sie sich stellen: Wollen wir diesen Servicesprung?“

Notburga Henke (Grüne) äußerte andere Kritik: „Ich habe ein großes Problem damit, dass wir Dienstleistungen der Stadt Castrop-Rauxel auslagern.“ Röhl konterte: „Es ist keine Auslagerung, sondern wir bieten dann etwas an, was wir bisher so nicht können.“

Nils Bettinger (FDP) fand: „Wir wollen doch interkommunale Zusammenarbeit! Wir arbeiten im Sinne des Bürgers über die Stadtgrenzen hinaus zusammen. Klar, das ist erstmal ein Batzen Geld, aber vielleicht stoßen wir damit ja auch ein Tor auf und bieten vielleicht künftig auch anderen Verwaltungen etwas an, das sie nicht so gut können wie wir.“

Stiller Start wohl noch im Jahr 2020

Wenn der Stadtrat nächste Woche zustimmt, dann sind nur noch Formalia zu klären: Vertragsunterzeichnung, Genehmigung durch Bezirksregierung, dann kann Stadt Bochum Stellen ausschreiben. Noch im Jahr 2020 werde man an den „stillen Start“ gehen, so Röhl. „Die Bürger sollen das gar nicht merken. Die Mitarbeiter werden sich mit Bürgerbüro oder Ordnungsamt Castrop-Rauxel melden. In der Phase werde man Kinderkrankheiten auszumerzen. Zwei Monate später würden man dann offiziell starten.

So erreicht man das Bürgerbüro heute

Das Bürgerbüro erreicht man telefonisch unter (02305) 106-2333 und -2292. Die Erreichbarkeit war Teil der Kritik der Bürger an der Servicequalität: Niemand gehe trotz mehrmaliger Versuche ans Telefon, war in den vergangenen Jahren öfter zu hören. Beim Ordnungsamt kann man unter 106-2233 melden, wenn man ordungsrechtlich relevante Verstöße feststellt.
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