Vom ehemaligen Grüter-Gelände waren im Januar 2017 37,5 Tonnen Stahl verschwunden. Vor Gericht belastetet ein Angeklagter jetzt den Juniorchef seines Ex-Arbeitgebers.

Rauxel

, 22.10.2018, 12:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Schrottklau von ungewöhnlichen Dimensionen war im Mai Anlass für eine Gerichtsverhandlung. Insgesamt waren im Januar 2017 37,5 Tonnen Metall vom ehemaligen Grüter-Gelände in Rauxel gestohlen worden. Angeklagt war ein Trio. Vater und Sohn sowie ein Dritter. Doch im Mai saß nur ein Mann auf der Anklagebank. Ein 32-Jähriger. Sein mitangeklagter Vater war inzwischen verstorben, der Dritte flüchtig. Deshalb wurde ein Haftbefehl gegen den Mann auf der Flucht erlassen. Kürzlich konnte er gefasst werden, sodass er nun aus der Haft vorgeführt und angehört werden konnte.

Angeklagter stritt Beteiligung nicht ab

Der 49-Jährige soll dabei gewesen sein, als zwei Stahlträger mit einem Gewicht von 12 Tonnen vom Firmengelände gestohlen wurden. Das bestritt er auch gar nicht, doch seine weiteren Schilderungen wichen eklatant von der des 32-jährigen Sohnes des Firmeninhabers ab. Er arbeitete dort mit und hoffte auf eine Festanstellung.

Ehemals Schlosser und schon länger arbeitslos, habe er sich an den Senior gewandt und nach Arbeit gefragt. Er bekam eine Chance, zunächst als Praktikant, fuhr mit einem Pritschenwagen und sammelte Schrott. Daneben habe er Lehrgänge besucht, um zu erfahren, wie die Ladung gesichert werden muss. „Ich wollte einen guten Eindruck machen, um die Stelle fest zu bekommen“, sagte er. Darum habe er sich ordentlich ins Zeug gelegt. Am fraglichen Tag habe er sich gefreut, als er erfuhr, dass er mit dem Junior und einem großen Kranwagen Ladung holen sollte. Ersparte der Kran doch viel Muskelkraft.

Tor war beim Eintreffen schon offen

„Als wir am Gelände ankamen, stand das Tor schon offen“, sagte er aus. Der Senior habe es wohl geöffnet. Ansonsten sei das Gelände menschenleer gewesen. Nach dem Verladen hätte er als Beifahrer mit dem Sohn am Steuer des Kranwagens das Gelände verlassen. Der sei dann plötzlich nervös geworden, als ein Polizeiwagen sie stoppte. „Sag, dass du die Sache angeleiert hast“, soll ihn der 32-Jährige gebeten haben. „Und ich Doofmann habe das gemacht, weil er mir die feste Stelle versprochen hat“, sagte der Angeklagte.

Als ihm vom Richter vorgehalten wurde, dass ihn der Junior im Mai schwer belastet hatte, war er sprachlos. Und Richter wie Staatsanwalt hatten ob der unterschiedlichen Aussagen noch viele Fragen. Deshalb musste ein neuer Termin her, um weitere Zeugen zu vernehmen. Auch den 32-Jährigen, dessen Verfahren im Mai gegen Zahlung einer Spende ans Kinderhospiz eingestellt worden war. Der jetzt Angeklagte ist wieder ein freier Mann, weil er hoch und heilig versprach, zum Termin zu erscheinen.

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