Westfleisch: Antworten auf Fragenkatalog und neue Todesfälle in der Statistik

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Schlachthöfe und ihre Beschäftigten sind ein Netzwerk aus Subunternehmen und Personal-Schiebereien. Die Corona-Infektionen bei Westfleisch sind ein Zahlen-Chaos - mit zwei neu vermerkten Todesfällen.

Kreis Recklinghausen

, 21.05.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Misstrauen und der latente Vorwurf mangelnder Zahlen-Transparenz gegenüber dem Kreisgesundheitsamt standen seit dem Moment im Raum, in dem sich abzeichnete, dass sich einzelne Coronavirus-Fälle im Westfleisch-Schlachtbetrieb Oer-Erkenschwick zu einem größeren Infektions-Ausbruch verdichten würden, der die 31.000-Einwohner-Stadt schließlich mit Gladbeck an die Spitze der meistbetroffenen Städte im Kreis Recklinghausen katapultierte.

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Jetzt liegen neue Zahlen vor. Und eine der bisher umfassendsten Darstellungen von Hintergründen. Es geht dabei auch – und das war bisher noch nicht bekannt – um zwei Todesfälle, wie das Medienhaus Bauer berichtet.

Fachbereichsleiter klärt zentrale Fakten

Immer wieder warfen Zahlen zum Infektionsgeschehen bei Westfleisch Fragen auf. Im Gesundheits- und Sozialausschuss des Kreistages gab Dr. Richard Schröder, Fachbereichsleiter Gesundheit, Bildung, Erziehung, nun in dieser Woche detailliert Auskunft zum Infektionsgeschehen unter Westfleisch-Mitarbeitern. Diese Fakten waren zentral:

(1) Inklusive des „Westfleisch-Infizierten Nummer 1“ vom 5. April haben sich insgesamt 174 Beschäftigte infiziert. Von denen sind die meisten nach und nach gesundet. Mit Stand vom Dienstag (19.5.) waren noch 52 Menschen infiziert. Und zwei sind gestorben - diese Information ist neu.

(2) Die Öffentlichkeit warte zurecht auf Informationen zum Infektionsgeschehen – für die Mitarbeiter im Gesundheitsamt sei die tagesaktuelle Ermittlung belastbarer Zahlen im Fall Westfleisch bisweilen Detektivarbeit im Wettlauf mit der Zeit. Denn „nur“ 31 der insgesamt Infizierten leben in Oer-Erkenschwick, bei weitem nicht alle im Kreis Recklinghausen. Andere Schlachthof-Arbeiter kommen aus Marl oder Haltern oder gar über die Kreisgrenzen hinaus aus Dortmund, Duisburg, Gelsenkirchen und anderen Städten.

(3) Teil des Subunternehmenssystems im Geschäftsmodell der Fleischindustrie ist das Verschieben von Leiharbeitskräften ja nach Bedarf. In einem Tagungshaus in Oer-Erkenschwick sind derzeit 38 infizierte Westfleisch-Beschäftigte in Quarantäne untergebracht, darunter auch positiv auf Sars-CoV-2 Getestete aus dem sehr stark betroffenen Kreis Coesfeld. Welchem Standort, welcher Stadt sie zu welchem Zeitpunkt statistisch zuzuweisen sind und waren, sei für die Behörde schwierig nachzuvollziehen.

Martina Ruhardt, Fraktionsvorsitzende der Linkspartei hatte die Verwaltung mit einem Fragenkatalog konfrontiert. Kern: Wer wusste beim Kreis wann und was vom Coronavirus-Ausbruch bei Westfleisch?

Bürgermeister Carsten Wewers (CDU) sagte gegenüber der „Stimberg Zeitung“ (24vest.de) nun übrigens, dass bei der Prüfung der Wohnverhältnisse keine gravierenden Verstöße bekannt geworden seien. Mit der Unternehmensführung von Westfleisch arbeite der Krisenstab gut zusammen.

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