Widersprüche bei Anklage wegen sexueller Belästigung einer Minderjährigen

Gericht

Die Anklage: sexuelle Belästigung einer Minderjährigen. Auch Pornos sodomistischen Inhalts sollen gezeigt worden sein. Angeklagt war ein 54-Jähriger. Es gab jedoch diverse Widersprüche.

Castrop-Rauxel

, 25.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Dass er den Gerichtssaal nach einer langen Verhandlung mit der Anhörung mehrerer Zeugen mit einem Freispruch verlassen konnte, lag an diversen Widersprüchen bei den Aussagen. Und an der Nachbarschaft des Betroffenen, die bei Zoff anscheinend schon mal die Polizei auf den Plan ruft oder aber Gerüchte in die Welt setzt. Wie die Sache mit der Sodomie.

„Das hab ich nicht gemacht. Ich habe Kinder und Enkel“, empörte sich der Angeklagte, als im vorgehalten wurde, eine Schülerin unsittlich an den Brüsten berührt zu haben. Dass das Mädchen ihn häufig aufsuchte, meistens draußen, bestritt er nicht. Anziehungspunkt waren seine beiden Hunde, an denen die 15-Jährige einen Narren gefressen hatte. So habe er auch eingewillt, ihr einen Hund für drei Wochen zu überlassen, als er im Sommer letzten Jahres verreiste. Doch das habe nicht so gut funktioniert, sein Sohn habe das Tier vor Ablauf der vereinbarten Zeit abgeholt. „Vielleicht war sie sauer und hat mich daher angezeigt“, meinte der mehrfache Vater und Opa. Auch von Pornobesitz und Waffen im Haushalt war in der Anzeige zu lesen. Was eine polizeiliche Hausdurchsuchung jedoch nicht bestätigte.

Mädchen wohnt jetzt in einer Wohngruppe

Das junge Mädchen wohnt inzwischen in einer Wohngruppe in einer anderen Stadt, ihre jüngere Schwester dagegen, ebenfalls in Hunde vernarrt, besucht den 54-Jährigen noch heute. „Ich geh immer zusammen mit meiner besten Freundin dahin“, sagte sie aus. Um mit den Tieren zu spielen. „Die Anschuldigungen meiner Schwester habe ich ehrlich gesagt nicht geglaubt“, fügte sie hinzu. Erzählte auch, wie ihre Schwester zuvor, dass eine Nachbarin des Angeklagten sie gemahnt habe, vorsichtig zu sein, damit keine „komischen Dinge“ passierten.

Erste Sequenzen eines Videos mit sexuellem Inhalt will die ältere Schwester aber doch gesehen haben. Als ihr der Angeklagte Musik vorspielen wollte, sei das Video auf dem Bildschirm gewesen. „Er hat sich voll geschämt“, sagte sie. Wiederholte aber den Vorwurf, unsittlich berührt worden zu sein. „Doch da war er voll betrunken“, schob sie hinterher, fast entschuldigend.

Kein Vorsatz erkennbar

Der Staatsanwalt fasste die Fakten zusammen. Es war kein Vorsatz erkennbar, den Porno zu zeigen, die Sodomie soll sich ein 13-jähriger (!) Nachbarjunge ausgedacht haben und bei den sexuellen Belästigungen widersprachen sich die Aussagen der Betroffenen. Daher plädierte die Staatsanwaltschaft auf Freispruch. Was der Richter mit seinem Urteil aufgriff. „Was wirklich war, wissen nur die Beteiligten und der liebe Gott“, sagte er abschließend.

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