Ein Luftschutzbunker an der Hohenzollernstraße in Recklinghausen. Auf der drei Meter dicken Betondecke sind Wohnungen entstanden. © Oliver Kleine
Architektur

Wie aus alten Bunkern Lofts, Garagen und Prestige-Projekte werden

Bunker gibt es in jeder Stadt. Keinen aber, über den zurzeit so viel diskutiert wird wie über den an der Lönsstraße. Dabei gibt es rund um Castrop-Rauxel gute Beispiele für eine Nachnutzung.

Auf Immobilienportalen finden sich immer wieder Kuriositäten: die als Loft umgebaute Industriehalle, das Hausboot auf dem Kanal – oder Bunker. Diese Relikte aus dem Weltkrieg gehören auch im Kreis Recklinghausen zu den Stadtbildern. Man muss nur in die Castroper Altstadt fahren, um ein Exemplar zu entdecken, das jetzt wieder Objekt der öffentlichen Debatte geworden ist.

Ein Schandfleck, sagen viele. Aber es gibt Beispiele, wie man damit umgehen kann, aus anderen Städten in der Region. Erst im Juni ist ein Hochbunker in Gladbeck auf Immoscout zum Verkauf angeboten worden. Aktuell steht solch ein Gebäude in Oer-Erkenschwick zum Verkauf. In Recklinghausen leben seit Jahren Menschen auf einem der neun Hochbunker.

In Oer-Erkenschwick sollte auf dem Dach des Hochbunkers an der Knappenstraße ein Erlebnis-Restaurant gebaut werden und im Inneren ein Lager mit 120 Mietboxen auf drei Etagen entstehen. Seit sieben Jahren hat sich allerdings nichts mehr getan. Nun wird das renovierte Gebäude zum Verkauf angeboten, als „Self-Storage-Center“ (kleine Lagerräume) – für 1 Million Euro.

Ein Bunker an der Ecke Stimberg-/Knappenstraße in Oer-Erkenschwick: Hier sollte mal ein Restaurant aufs Dach. Aber daraus ist nie etwas geworden.
Ein Bunker an der Ecke Stimberg-/Knappenstraße in Oer-Erkenschwick: Hier sollte mal ein Restaurant aufs Dach. Aber daraus ist nie etwas geworden. © Meike Holz © Meike Holz

Ein Unternehmer aus Süddeutschland kaufte den Betonklotz 2004 für das Mindestgebot von 20.000 Euro samt Grundstück.

Mit Wohnungen aufgesattelt ist der Bunker an der Hohenzollernstraße in Recklinghausen. 51 Stufen führen hinauf. Das Dach ist eine drei Meter dicke Betonplatte, die Außenwände sind zwei Meter dick. Auch die Kunsthalle am Hauptbahnhof ist in einem ehemaligen Hochbunker untergebracht.

Behörde verkaufte schon 120 Bunker in NRW

Zuständig für den Verkauf ist in erster Instanz die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, kurz BImA. Seit ihrer Gründung im Jahr 2005 verkaufte sie knapp 300 Hochbunker in Deutschland, davon 120 in NRW. Den Altstadt-Bunker in Castrop kaufte die Stadt Mitte der 2000er-Jahre für 1 Euro.

In Herten residiert seit Längerem die Diakonie an der Ewaldstraße 72 in einem Bunker. Und in Marl ist das Stadtteilbüro seit 2020 in einem ursprünglich nicht fertiggestellten Hochbunker untergebracht.

Im Herner Ortsteil Sodingen, gar nicht weit von Castrop-Rauxel entfernt, ist ein Bunker Teil eines großen architektonischen Prozesses gewesen: Aus dem „Mont-Cenis“ wurde das „we-house“: das laut Projektentwickler „wohl außergewöhnlichste und nachhaltigste Wohnprojekt Deutschlands“. Dort soll gemeinschaftliches Wohnen mit einer zukunftsfähigen Ökobilanz für jeden Bewohner realisiert werden. Dachgewächshaus mit Gemüseanbau für die eigene Küche, Elektroauto für alle Bewohner, Lastenfahrräder, geteilte Gebrauchsgegenstände, Sauna und Fitnessraum.

„Herne ist mit diesem Gebäude Vorreiter“

Investor Gerd Hansen, der 22 Wohnungen und ein Restaurant dort verwirklicht, sagt: „Ein vergleichbares Projekt gibt es weltweit nicht.“ Und: „Herne ist mit diesem Gebäude Vorreiter.“

Das Problem bei der Vermarktung von Bunkern: Oft müssen diverse Auflagen erfüllt werden. „Diese sind von Fall zu Fall unterschiedlich und betreffen verschiedene Aspekte – häufig sind beispielsweise Auflagen durch den Denkmalschutz vorgegeben“, erklärt die BImA auf Nachfrage. Im Herner Fall hat man diese Klippen erfolgreich umschifft. In Castrop wird das Projekt Lönsstraße nun mit reichlich Fördergeld in einer neuen Studie angeschoben.

Ihre Autoren
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock
Leiter der Kreisredaktion
Ein Kind der Region - geboren, aufgewachsen und noch immer im Ruhrgebiet beheimatet. Wer hier nicht bleiben möchte, ist selber schuld. In der Freizeit steht die deutsche Nordseeküste mit ihren Inseln, im Winter stehen die Skipisten der Alpen als Lieblingsziele auf der Urlaubsagenda. Zu Hause schlägt mein Herz für den Grimme-Preis in Marl genauso wie für den Halterner Stausee, die Haard in Oer-Erkenschwick und das Kulturangebot in Recklinghausen sowie die kleinen Geheimnisse der anderen Orte - Hauptsache Kreis RE.
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