Die ehemalige Deponie Brandheide wird nach langer Planung und mit mehreren Rückschlägen endlich saniert. Aber was genau heißt das eigentlich und wie wird es gemacht?

Merklinde/Frohlinde

, 17.08.2018, 15:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn die Bauarbeiten zur Sanierung der alten Mülldeponie Brandheide abgeschlossen sind, dann soll das Gelände zum Naherholungsgebiet werden. Das Mammutprojekt hatte nicht nur eine lange Planungszeit, die immer wieder durch neue Probleme und Änderungen – wie etwa der geforderten Fischtreppe – verlängert wurde. Auch das Budget ist mit eingeplanten Finanzvolumen von rund 7 Millionen Euro (mittlerweile rund 7,8 Millionen Euro) sehr groß.

Aber wie genau soll die Sanierung eigentlich umgesetzt werden? Im Grunde gibt es zwei Hauptprobleme: Es soll zukünftig verhindert werden, dass ausgespülte Schadstoffe aus der Deponie den Mühlenbach oder das Grundwasser belasten. Zusätzlich muss das Sickerwasser, verursacht durch den Regen, nicht nur möglichst minimiert, sondern auch geklärt werden.

Der Auftrag und die Abwicklung der Sanierungsmaßnahme erfolgten dabei in enger Abstimmung mit den Vertragspartnern des Verbands für Flächenrecycling und Altlastensanierung (AAV), der Stadt Castrop-Rauxel, dem EUV-Stadtbetrieb und dem Kreis Recklinghausen.

Interaktive Karte mit Erklärungen

Um die Arbeiten an der Brandheide möglichst anschaulich darstellen zu können, haben wir eine Karte mit detaillierten Erklärungen und Fotos zu den einzelnen Maßnahmen erstellt. Die Karte hat zwei Ebenen, die auch getrennt voneinander ausgewählt und angeschaut werden können:

  • Mühlenbach und Naherholung: Hier wird die Umleitung des Mühlenbachs und des Grundwassers gezeigt. Das ankommende saubere Wasser soll künftig so umgeleitet und abgeschirmt werden, dass es nicht mehr mit ausgespülten Schadstoffen aus der Deponie in Kontakt kommt.
  • Deponie und Sickerwasser: Hier geht es zum großen Teil um die Vermeidung und Klärung des durch Regen verursachten Sickerwassers. Ganz verhindern lässt sich das Sickerwasser nicht.
  • Die Verortung der unterirdisch angelegten Aktivkohlebecken ist symbolisch. Die genaue Lage kann hier abweichen. Auch die Darstellung der unterirdischen Spundwände ist schematisch. Der exakte Verlauf kann abweichen.

So wird die Karte benutzt:

Mit dem Computer: Wenn Sie die linke Maustaste festhalten, können Sie den Kartenausschnitt verschieben. Mit dem Mausrad wird der Ausschnitt nach Belieben vergrößert oder verkleinert. Wenn Sie die einzelnen Symbole und Flächen anklicken, werden die Informationen und Bilder zu den entsprechenden Stellen angezeigt.

Mit dem Smartphone: Mit einem Finger über die Karte wischen verschiebt den Ausschnitt. Mit zwei Fingern gleichzeitig (zusammen- oder auseinanderziehen) wird der Ausschnitt nach Belieben vergrößert oder verkleinert. Ein Fingerdruck auf einzelne Symbole und Flächen ruft die Informationen und Bilder zu den entsprechenden Stellen auf.

Boden bleibt auch nach Sanierung belastet

Wenn alles glatt geht sollen die Arbeiten Ende 2020 beendet sein und der Naherholung nichts mehr im Wege stehen.

Eine gänzlich unbelastete Natur wird es auf dem ehemaligen Deponiegelände aber auch nach der Sanierung nicht geben. Denn Hausmüll, Boden und Bauschutt sowie teerbehaftete Abfällen in Form sogenannter Teerschlämme, die damals auf der Deponie abgeladen wurden, bleiben da, wo sie sind. Der Boden, auf dem Pflanzen und Bäume wachsen, bleibt also belastet.

Aber: Bäume und Pflanzen wachsen eben dort, können überleben. An dieser Stelle gilt gewissermaßen Schadensbegrenzung: „Es wird eben auch nicht schlimmer als es vorher war“, sagt Moritz Rhode, Landschaftsarchitekt bei der zuständigen Bauüberwachung. Will heißen: Auch wenn der neu aufgeforstete Wald aus Nadel- und Laubbäumen schön aussehen wird, sollte man auf das Sammeln von Brombeeren, Pilzen oder Kräutern in diesem Gebiet besser verzichten.

Die Geschichte der Deponie
  • Die Altdeponie Brandheide liegt zwischen den Ortsteilen Merklinde und Frohlinde.
  • Die 16,4 Hektar große Fläche diente laut Stadtbetrieb EUV zwischen 1959 und 1972 zur Ablagerung von Hausmüll, Boden und Bauschutt sowie teerbehafteten Abfällen in Form sogenannter Teerschlämme.
  • Die Deponie unterlag nicht Abfallrecht, das erst 1972 in Kraft getretenen ist.
  • Der Standort verfügt über keinerlei technische Sicherungssysteme, wie Sickerwasser- und Gasfassung, Sohl-, Flanken oder Oberflächenabdichtung und Oberflächenentwässerung.
  • Auf Grundlage von Untersuchungen, veranlasst vom Kreis, steht fest, dass von der Altablagerung konkrete Gefahren ausgehen, besonders durch den sogenannten Teersumpf für das Grundwasser und für den im Ablauf der Deponie befindlichen Bach.
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