Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Wie das Kinderhospiz „Sonnenherz“ kranken Kindern den frühen Lebensabend verschönern will

rnElisabeth-Grümer-Stiftung

Noch fehlt grünes Licht fürs Kinderhospiz „Sonnenherz“ an der Stadtgrenze Castrop-Rauxels. Aber die Pläne sind dem Zwecke würdig, den sie erfüllen sollen: todkranken Kindern Freude schenken.

Castrop-Rauxel, Westrich

, 23.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Sie strampeln sich ab und gehen Klinken putzen. Das Ziel ist, dass der erste Spatenstich für das Kinderhospiz Sonnenherz der Elisabeth-Grümer-Stiftung an der Stadtgrenze zwischen Merklinde und Dortmund-Westrich tatsächlich zum Wunschtermin am 9. September dieses Jahres über die Bühne gehen kann.

„Wir sind zuversichtlich“, sagt Stiftungsgründerin Elisabeth Grümer im Gespräch mit unserer Redaktion. Und fügt hinzu: „Aber wir wünschen uns noch mehr Unterstützung – auch aus Castrop-Rauxel.“ Der Stadt, in der die gebürtige Frohlinderin an der Dortmunder Straße auf dem Grümer-Hof zu Hause ist.

Der Bauantrag bei der Stadt Dortmund ist mittlerweile eingereicht. Es pressiert ja auch ein bisschen mit der Zeit. Noch steht das Okay des Landschaftsbeirats der Nachbarkommune aus, schließlich soll das Kinderhospiz an der Bockenfelder Straße in einem Landschaftsschutzgebiet entstehen. Das heißt: Es braucht Ausgleichsflächen für das Bauvorhaben. Ein landschaftspflegerischer Begleitplan gehört dazu.

Spielplatz unter Bäumen gehört dazu

„Das haben wir alles auf den Weg gebracht“, sagt der Schweriner Architekt Klaus Winkelmann. Bei der Artenschutzprüfung sei alles im grünen Bereich. Und er sagt ganz trocken: „Fledermäuse gibt’s hier nicht.“

Aber jede Menge Grün, das zum Konzept des Kinderhospizes gehört: Ein schöner Spielplatz unter Bäumen etwa, damit die Kinder und die Jugendlichen, denen eine kürzere Lebenszeit beschieden ist, auftanken können. Und sich wohlfühlen.

Wie das Kinderhospiz „Sonnenherz“ kranken Kindern den frühen Lebensabend verschönern will

Stiftungsgründerin Elsisabeth Grümer guckt sich auf dem Bildschirm den Plan fürs Kinderhospiz an. © Abi Schlehenkamp

Viel hat das ehrgeizige Bauprojekt mit Geld zu tun. „Ohne Spenden schaffen wir das nicht“, sagt Grümer. Bei 4 Millionen Euro liegt das Projekt. Das sind die reinen Baukosten. Am Anfang der Planungen lagen sie bei fast 4,5 Millionen Euro. Ein bisschen runtergeschraubt hätten sie das Projekt - aber immer mit der Maxime, dass die Planung komplett auf die Bedürfnisse der Kinder abgestimmt sei.

Raumprogramm für Kinderhospiz selbst entwickelt

„Für so ein Bauprojekt gibt es keine Raumprogramme“, sagt Elisabeth Grümer. Sie hätten sich alles selbst zusammen stricken müssen. Das geschah auf Reisen und im Erfahrungsaustausch mit Kinderhospizen in Hamburg, in Berlin, in Düsseldorf, in Olpe. „Wir haben uns das Gute aus all den Erfahrungen rausgesucht“, sagt Klaus Winkelmann. Jetzt sei man ein gehöriges Stück weiter.

Alle Flächen seien in der Planung optimal genutzt. Das kleine Geheimnis: Es gibt keine Flure. Stattdessen viele lichtdurchflutete Räume, die zum Konzept gehören, ein bisschen die Sonne scheinen zu lassen, also Helligkeit zu vermitteln. Auf dem Weg der Kinder und ihrer Familie, trotz des Wissens, dass die Sonne für sie vielleicht nicht mehr lange scheint.

Jetzt lesen

Dazu gehören ein Musikraum, ein Snoezelenraum, Therapie-Räume und viel Platz für Sport. Die Kinder sollen sich wohlfühlen können trotz der Ungerechtigkeiten des Lebens, die sie mit voller Wucht treffen.

SPD-Fraktionschef Schilff: Eine Herzensangelegenheit

„Für mich ist die Unterstützung des Kinderhospizes in Westrich eine Herzensangelegenheit“, sagt Norbert Schilff, er Chef der Dortmunder SPD-Ratsfraktion, im Gespräch mit unserer Redaktion. Er ist designierter Vorsitzender des Fördervereins fürs Kinderhospiz. „Es gibt Aufgaben, denen man sich nicht entziehen kann, da bin ich einfach da, das bringen wir gemeinsam nach vorne“, ergänzt er.

Wie das Kinderhospiz „Sonnenherz“ kranken Kindern den frühen Lebensabend verschönern will

Elisabeth Grümer und Architekt Klaus Winkelmann mit Plänen für das Kinderhospiz © Abi Schlehenkamp

Den Bauantrag habe er persönlich übergeben. „Wir glauben fest daran, dass das zum Wunschtermin klappt“, sagt er.

Einige Zahlen: Im Kinderhospiz mit seinen neun Plätzen werden 30 Mitarbeiter in drei Schichten rund um die Uhr beschäftigt sein. Des Nachts natürlich weniger, tagsüber mehr. Eingerichtet von der Logistik her hat sich die Stiftung darauf, dass sechs Kinder in der Tages- und Nachtpflege sein können und drei stationär im Hospiz sind. „Das wird völlig flexibel sein“, sagt Grümer, „an die Bedarfslage angepasst.“

Es gibt schon jede Menge Anfragen

Die Anfragen seien jetzt schon enorm. Aus Dorsten, aus Unna, Lünen, Hamm, Witten. „Die Menschen zählen auf uns“, sagt die 72-Jährige.

Was ihr und Architekt Klaus Winkelmann auch nicht bei der Planung aus dem Kopf geht: Sie hatten eigentlich vier Apartments in der ersten Etage für Familienangehörige vorgesehen. Nach dem Erfahrungsaustausch mit anderen Kinderhospizen wissen sie jetzt: Es tun auch zwei, mehr stünden sonst leer.

Wie das Kinderhospiz „Sonnenherz“ kranken Kindern den frühen Lebensabend verschönern will

So soll das Hospiz in Westrich einmal aussehen. Entscheiden ist: viel Licht soll in die Räume fallen. © Winkelmann

Geblieben in der Ursprungsplanung ist der großzügig bemessene Raum für das interne Schulungs- und Weiterbildungszentrum. „Das ist uns auch wichtig“, sagt Grümer. Schon jetzt gebe es über 25 Bewerbungen für die Mitarbeit im Kinderhospiz.

Der Name ist auch die Leitschnur

Für sie ist der Name des Kinderhospizes die Leitschnur: „Mit Sonnenherz haben wir ein Zeichen gesetzt. Hoffnung zu vermitteln und zu zeigen, dass die Kinder und ihre Familien nicht alleine sind.“

Elisabeth Grümer geht weiter Klinken putzen. Koste es, was es wolle an persönlicher Zeit, um Spenden zu aquirieren. Die braucht das Projekt. Denn die Zuschüsse sind rar. Wenn sie überhaupt fließen. „Wir strampeln“, sagt Elisabeth Grümer. „Wir freuen uns über jeden Cent und sind sehr dankbar dafür.“

Ohne Eigenmittel gehe es nicht. Das Kinderhospiz in Hamburg, kleiner konzipiert, brauche eine halbe Million Euro im Jahr. Für das Sonnenherz, da ist sie sich sicher, schlagen bei uns in der Region ganz viele Herzen.

Tag der offenen Tür im Hospiz nebenan

Das Hospiz St. Elisabeth an der Westricher Straße, also quasi nebenan, ist 2012 an den Start gegangen. Der nächste Tag der offenen Tür dort findet statt am Samstag, 6. Juli, von 11 bis 17 Uhr. Ausdrücklich lädt Elisabeth Grümer dazu auch Unterstützer und andere Interessierte aus Castrop-Rauxel ein, die z.B. den im vergangenen Jahr mit bunten Fenstern komplettierten Raum der Stille noch nicht kennen.

Lesen Sie jetzt

Ruhr Nachrichten Kinderhospiz

Das Kinderhospiz Sonnenherz ist auf einem guten Weg

Das geplante Kinderhospiz erfährt viel Unterstützung. Die braucht das ehrgeizige Projekt auch. Wer möchte ein aktuelles Trikot des BVB mit den Unterschriften der Stars haben? Von Abi Schlehenkamp

Lesen Sie jetzt