Wie die Erich-Kästner-Schule mit dem schweren Unfall auf der B235 umgeht

rnSchwerer Unfall

Die Kinder kamen von der Schule und überquerten die B235 an einer Stelle ohne Ampel. Die Castrop-Rauxeler Grundschule hat einen Weg gefunden, mit dem Unfall des Neunjährigen umzugehen.

Habinghorst

, 28.03.2019, 16:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Szenario ist noch immer präsent: In Höhe der Querstraße sind zwei Verkehrsinseln auf der hier vierspurig verlaufenden Bundesstraße B235. Sie laden praktisch dazu ein: Lieber Fußgänger, überquere die Straße doch an dieser Stelle! Das taten die Kinder vor nun knapp zehn Tagen, am 14. März. Ein Junge wurde dabei von einem Auto erfasst. Es soll langsam gefahren sein, das Kind wurde aber lebensgefährlich verletzt und mit einem Rettungshubschrauber in die Klinik geflogen.

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Anwohnerin Winzler im Interview über die Gefahren an der B235

Nachdem nun erste Sicherungsmaßnahmen diskutiert und veranlasst sind, bleibt eine weitere Frage aber offen: Wie geht eigentlich die nicht direkt anliegende, aber doch benachbarte Grundschule mit dieser riesigen und viel befahrenen Straße vor den Schultoren um?

Klassenlehrer thematisierten den Unfall im Unterricht

Schulleiterin Heike Wichmann antwortet auf eine Anfrage unserer Redaktion, wie die Erich-Kästner-Schule das Thema bearbeitet: „Selbstverständlich haben alle Klassenlehrer am Freitag nach dem Unfall in den Klassen mit den Kindern über den Unfall gesprochen.“ Dabei sei es vor allem um den Schulweg gegangen. „In dem Zusammenhang wurden die Kinder auf die viel sicherere Wahl der Ampel hingewiesen“, erklärte Wichmann weiter. Im Norden liegt die Römerstraße, an der es eine große Ampelanlage gibt. Im Süden gibt es eine Ampel an der Langen Straße. Beide sind rund 250 Meter von der Überquerung an der Querstraße entfernt.

Wie die Erich-Kästner-Schule mit dem schweren Unfall auf der B235 umgeht

Heike Wichmann und die Schüler mit einigen Eltern der Erich-Kästner-Schule. © (Archiv) Fritsch

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Dass die Kinder, die auf dem Schulweg die B235 überqueren müssen, die Ampeln benutzen sollen, tat die Schulleitung auch noch mal in einem Elternbrief kund. Der sei Anfang vergangener Woche verteilt worden, so Heike Wichmann. „In dem wurden die Eltern informiert und auf die Nutzung der Ampel hingewiesen.“

Marcel Vollbrecht ist einer dieser Elternteile, dessen Tochter zur Erich-Kästner-Schule geht. Er sagt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Ich selbst durfte als Kind die B235 nur an den Ampeln überqueren. Das haben mich meine Eltern gelehrt. Ich habe es auch meinen Kindern verboten und kann mich darauf verlassen.“

„Da bin ich rechts rangefahren und habe sie zur Minna gemacht“

Der 41-jährige Berufsschul-Lehrer hat selbst schon erlebt, dass eine Gruppe Jungen die vier Fahrspuren auf gefährliche Art überqueren wollte. Vollbrecht: „Ich habe sogar gesehen, wie sie sich gegenseitig geschubst haben. Da bin ich rechts rangefahren und habe sie zur Minna gemacht.“ Er betont, dass er das immer wieder tun würde: Kinder zurechtweisen.

Marcel Vollbrecht selbst konnte vor nicht langer Zeit den Übergang an der B235 ein Stückchen sicherer machen. Er berichtet: „Als vor einiger Zeit die Grünphasen an der Ampelkreuzung Römerstraße und B235 geändert wurden, waren sie für Fußgänger viel zu kurz eingestellt. Kinder konnten nur mit Mühe die Mittelinsel erreichen.“ Der Habinghorster meldete das Problem dem Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen (Straßen.NRW), der binnen zwei Tagen die Grünphasen wieder verlängerte.

Post der Mitschüler für den verunglückten Jungen

Derweil denkt die ganze Erich-Kästner-Schule derzeit an den verletzten Jungen. Eine Woche lang sammelten die Kinder nach dem Unfall in einem Briefkasten Post für ihren Mitschüler. Heike Wichmann überbrachte die Briefe und Bilder mit einer Kollegin der Familie. „Leider waren die Eltern zu der Zeit beide im Krankenhaus“, so Wichmann. Die Lehrerinnen gaben die Post bei Verwandten ab.

„Macht die Straße endlich sicher!“, forderte Armin Fiolka, Möbelhaus-Betreiber an der Langen Straße und Inwerb-Vorstandsmitglied, am Dienstag auf Anfrage unserer Redaktion. „Sie muss endlich entschärft werden!“, schimpfte er. Darauf würde er seit Jahren schon hinwirken und hinweisen. Einen Fahrradstreifen links, einen rechts, zweispurig für die Autos, eine in beide Richtungen - fertig. „Dann könnte man auch wieder bedenkenlos rechts in die Lange Straße abbiegen, wenn man aus Castrop kommt“, meinte Fiolka.

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