Wie eine Ickerner Familie sich gegen die täglichen Attacken mit Kot-Beuteln wehren will

rnHundekot-Attacken

Seit fast zwei Jahren wird Familie Kuscu terrorisiert - mit Kot-Beuteln. Die ekligen Wurfgeschosse landen in der Hecke, im Garten und auf den Spielgeräten der Kinder. Jetzt wehrt sie sich.

Ickern

, 02.02.2019, 17:02 Uhr / Lesedauer: 3 min

Hülya Kuscu ist verzweifelt. Lange hat die junge Frau beim Ortstermin in Ickern ihre Gefühle im Griff. Beeindruckend lange, um ehrlich zu sein. Doch am Ende platzt es doch noch aus ihr heraus: „Diese Idioten stehen mir bis hier! Ich bin sauer und frustriert!“, schimpft sie. Völlig zurecht. Denn seit fast zwei Jahren werden sie und ihre Familie terrorisiert: mit Hundekot in Plastiktüten.

Kot-Beutel auf dem Rasen, der Schaukel, dem Trampolin

„Mama, da ist wieder eine Tüte.“ Diesen Spruch kann Hülya Kuscu bald nicht mehr hören. Seit rund zwei Jahren bekommt sie ihn regelmäßig zu Ohren. Und zwar immer dann, wenn eines ihrer Kinder wieder mal eines der schwarzen Plastik-Tütchen im Garten findet. Überall landen die ekligen Wurfgeschosse: auf dem Rasen, der Terrasse, dem Schaukelgerüst oder dem Trampolin der Kinder.

„Im Spätsommer 2017 hat mein Mann 50 Beutel von unserem Garagen-Dach geholt. Der Gestank war widerlich“, erinnert sich die dreifache Mutter. Ein halbes Jahr lang dauern die Attacken zu der Zeit bereits an. Im März 2017 landete das erste Mal ein Kot-Beutel im Garten. „Da dachten wir noch, dass es ein Versehen war“, sagt Kuscu.

Keine Attacken nach Hecken-Stutzung

War es aber nicht. Unzählige Tütchen flogen seitdem in den Garten des Zechenhäuschens Am Sonnenschein in Ickern. Also griff die Familie zu anderen Maßnahmen. „Wir haben unsere Hecke von 2,20 Meter auf 1,50 Meter gestutzt - damit wir den oder die Täter vielleicht sehen können“, erklärt Hülya Kuscu. Und siehe da: Danach hörten die Attacken vorerst auf.

Rund 50 der schwarzen Kot-Beutel hängen derzeit in der kahlen Hecke.

Rund 50 der schwarzen Kot-Beutel hängen derzeit in der kahlen Hecke. © Marc-André Landsiedel

Doch die Ernüchterung folgte im Herbst. „Als die Blätter unserer Hecke ausgefallen sind, haben wir es gesehen“, erklärt Hülya Kuscu. Der Täter hatte schlichtweg seine Taktik geändert und die Kot-Beutel in die rund 20 Meter lange Hecke geworfen, die entlang des heimischen Gartens verläuft. An die 50 Plastikbeutel hängen bei unserem Termin Ende Januar in dem Gestrüpp. „Ich weigere mich mittlerweile, das wegzumachen“, sagt Hülya Kuscu. Und auch im Garten selber liegen an diesem Tag wieder zwei frische Plastikbeutel.

Nachbarn sollen die Augen offen halten

Hülya Kuscu spricht das Thema offen in der Nachbarschaft an, bittet die anderen Anwohner, die Augen aufzuhalten. „Immer wenn ich das Problem thematisiere, hört es wieder für ein bis zwei Wochen auf - und geht dann von vorne los“, sagt sie.

Auffällig: Die anderen Hecken in der Straße sind unversehrt. Der Täter scheint es gezielt auf Familie Kuscu abgesehen zu haben. Ob sie ein fremdenfeindliches Motiv dahinter vermutet? „Ich möchte es zumindest nicht ausschließen“, sagt Hülya Kuscu, die sonst nie Probleme in der Nachbarschaft hatte. Und fügt an: „Aber ich fände es sehr schade, wenn wir so gesehen würden.“

Rassistisches Motiv oder ein Tauben-Hasser?

Denn Hülya Kuscu ist gebürtige Castrop-Rauxelerin. Seit 2010 wohnen sie und ihre Familie Am Sonnenschein, „bestimmt 35 oder 40“ andere türkischstämmige Familien leben nach ihrer Auskunft in der Gegend. Und noch nie sei es zu rassistischen Verdachtsfällen gekommen. „Wir sind eine kultivierte und integrierte Familie“, sagt Kuscu, der man ihren Migrationshintergrund mit verschlossenen Augen nicht anhören würde. Vielleicht sei der Täter aber auch schlicht ein Tauben-Hasser. Denn 70 bis 100 Ziertauben habe ihr Mann zwischen 2012 und 2018 im Garten gehalten.

Mittlerweile mausert sich das Kot-Problem auch zu einem persönlichen Problem für Hülya Kuscu. Denn zurzeit ist die 35-Jährige alleinerziehend. Ihr Mann arbeitet seit vergangenem Mai als Konstrukteur bei Mercedes - in Istanbul. „Unruhe und Angst“ beschleichen sie seitdem von Zeit zu Zeit. Also ist sie jetzt zur Polizeiwache an der Erinstraße gegangen, um Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten.

Achselzucken führt zu Galgenhumor

Zuvor habe sie sich bereits bei ihrem Vermieter Vivawest und dem Ordnungsamt gemeldet - und Achselzucken geerntet. Eine Sachbeschädigung läge laut Aussage der Polizeibeamten nicht vor, „eher eine Form der Beleidigung“, so Kuscu. Die Aussicht auf Fahndungserfolg: mehr als gering. Es sei denn, sie erwischt den Täter selber auf frischer Tat. „Ich habe der Polizei auch noch einen DNA-Test vorgeschlagen“, flüchtet sich Hülya Kuscu mittlerweile in Galgenhumor.

Bislang weiß Kuscu nur eines: dass es sich um einen großen Hund handeln muss. „Das merkt man an dem Gewicht der Beutel.“ Ansonsten bleibt ihr jetzt nur eines übrig: den Tatzeitraum eingrenzen. Sie hat den Verdacht, dass der Täter vorzugsweise im Morgengrauen zuschlägt.

Mit einer Kamera den Tatzeitraum eingrenzen

Dazu denkt sie nun über die Anbringung einer Kamera mit Nachtsichtfunktion an. Eine Wildkamera mit Bewegungsmelder, „eine Fehlinvestition für 100 Euro“, hatte zuvor keinen Erfolg gebracht. Das Problem: Hülya Kuscu darf nur ihren eigenen Garten filmen, keine öffentlichen Straßen. „Aber vielleicht kann ich so wenigstens den Tatzeitraum eingrenzen“, hofft sie.

Dann wolle sie sich „hinsetzen und warten“, sagt Hülya Kuscu - und ergänzt kopfschüttelnd: „Als ob ich nichts Besseres zu tun hätte.“

Das sagt das Ordnungsamt
  • Beim Platzieren von Kot-Beuteln in fremden Gärten oder Hecken handelt es sich laut Stadtsprecherin Maresa Hilleringmann „ganz klar“ um eine Ordnungswidrigkeit.
  • Wer erstmalig erwischt wird, muss laut Straßenordnung der Stadt Castrop-Rauxel mit einem Verwarngeld in Höhe von 30 Euro rechnen - wegen „Verunreinigung durch Tiere“.
  • Bei Wiederholungstätern werde der Betrag bei jedem weiteren Vorfall erhöht - bis das Bußgeld den Maximalbetrag von 1000 Euro erreicht habe.
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