Wie leihe ich mir eine Oma für meine Familie? Eine Castrop-Rauxeler Leihoma erzählt

rnEhrenamt

Das Prinzip Leihoma funktioniert: Das sagt Angelika Sprehn, die ehrenamtliche Großmutter ist. Aber wie leihe ich eine Oma? Und wie werde ich Leihoma? Dafür gibt es Hilfe. Und viel Nachfrage.

Castrop-Rauxel

, 28.07.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Hallo Oma!“, ruft Aimee (9) kurz bevor sie Angelika Sprehn (65) zur Begrüßung innig in die Arme schließt. Dabei ist Angelika Sprehn genau genommen gar nicht die Großmutter von Aimee und ihrer Schwester Zoe (6). Zumindest nicht die leibliche.

Sprehn ist Leihoma. Das heißt, sie hat sich auf den Posten als Großmutter von Aimee und Zoe beworben und hat dafür einen Kurs besucht. Denn so funktioniert das Konzept für Leihgroßeltern der Aktion Ehrensache.

Für Familien

So bekommt man eine Leihoma

  • Familien, die sich eine Leihoma wünschen, melden sich bei Astrid Dähnke von der Aktion Ehrensache. Tel. (02305) 9208312
  • Spezielle Voraussetzungen für Familien gibt es nicht.

Die Idee dahinter ist schnell erklärt: Senioren, die gerne Zeit mit Kinder verbringen wollen, melden sich bei der Aktion Ehrensache der Caritas und werden dann mit einer Familie zusammengebracht, in der die Großeltern fehlen.

Eis essen, schwimmen und Hausaufgaben

Für Angelika Sprehn heißt das aber nicht nur Eis essen gehen, spielen und etwas vorlesen. Sie hat mit Aimee auch schon Schwimmkurse besucht, holt sie schon mal von der Schule ab, macht mir ihr die Hausaufgaben.

Das klingt also nach einer ganz normalen Beziehung zwischen Oma und Enkelkind. Bis es aber soweit ist, gibt es Einiges zu tun und zu beachten. Das weiß auch Angelika Sprehn. Sie hatte sich im Herbst 2012 auf den Aufruf der Aktion Ehrensache in der Zeitung gemeldet.

„Wir waren von Remscheid nach Castrop-Rauxel gezogen. Mein Mann war beruflich oft im Ausland unterwegs und ich suchte neue Kontakte in der Stadt“, sagt Sprehn zu ihrer Motivation. Und besonders wichtig: „Ich wollte gerne etwas mit Kindern machen.“

Bevor sie aber in die Rolle der Oma für Aimee und Zoe schlüpfen konnte, lernte Sprehn das Handwerk der Leihgroßeltern in einem Kurs der Caritas. Dabei geht es nicht nur darum, was man mit Enkeln eigentlich so machen kann oder sollte.

Ausbildung zur ehrenamtlichen Großmutter

„Es geht auch um die Einführung in neue Familiebilder“, erläutert Kristin Weckermann von der Aktion Ehrensache. Denn die Gesellschaft habe sich in den vergangenen 30 Jahren stark verändert.

Die klassische Struktur: Mama, Papa, Kinder und Großeltern gebe es heute seltener als vor 30 Jahren. Aus unterschiedlichen Gründen. Junge Menschen zögen häufiger weit von zu Hause weg, die Großelterngeneration sei mitunter länger berufstätig, habe weniger Zeit oder es bestehe aus anderen Gründen kein Kontakt.

„Manches muss man aushalten können“

Laut Wekcermann ein weiterer wichtiger Kursinhalt für neue Leihgroßeltern: „Wie bringe ich mich ein, ohne der Familie meine eigenen Vorstellungen von Familie überzustülpen?“. Denn auch wenn man nicht immer einer Meinung mit dem Lebensentwurf der Familien der Leihenkel sei, „manches muss man aushalten können, ohne sich einzumischen.“

Im Gegenzug sei es genauso wichtig, im Falle von ernsten Problemen richtig zu reagieren. Hilfestellungen könne etwa die Familienberatung der Caritas geben.

Wichtig bei der Auswahl sind aber nicht nur die Wünsche von Familien und eine Schulung. „Ich hatte mir ein Kind gewünscht, das schon sprechen kann“, sagt Sprehn. Auch die Wünsche der Leihgroßeltern spielen also eine Rolle.

Klar sei auch, dass Leihomas keine Haushaltshilfe sein sollen oder finanzielle Verpflichtungen eingehen. Erforderlich sind hingegen Zeit, Geduld und Spaß am Basteln, Spielen und Vorlesen. Eben das, was eine Oma und ein Opa tut.

„Angelika gehört heute zur Familie“

Genau deswegen hatten sich Rebecca und Marcus Thode, die Eltern von Aimee und Zoe, bei der Caritas gemeldet. Kontakt zu den leiblichen Großeltern gab es wenig. „Aber wir wollten das unbedingt für unsere Töchter ermöglichen“, sagt Rebecca Thode.

Dass sich aus dem Kennenlerntreffen im Frühjahr 2013 aber eine derart innige Langzeitbeziehung entwickeln würde, die Töchter zusammen mit den Leihgroßeltern sogar mal in den Urlaub fahren würden, das hätte auch Familie Thode nicht gedacht. „Angelika gehört heute zur Familie.“

Auch wenn Kristin Weckermann eingesteht, dass dies eine Vorzeigesituation sei, die sich positiv weit über die ursprüngliche Idee hinausentwickelt hat: Grundsätzlich sei das Ehrenamt der Leihgroßeltern langfristig ausgelegt.

Und es habe sich gezeigt, dass Leihgroßeltern in Castrop-Rauxel sehr gefragt seien. Deswegen suchen Aktion Ehrensache und Caritas neue Freiwillige, die gerne Leih-Oma oder Opa werden wollen.

Neuer Termin

So wird man Leih-Oma oder -Opa

  • Der nächste Kurs für neue Leih-Großeltern bei der Caritas startet im August.
  • Wann: An sechs Tagen, vom 21. bis 23. und 28. bis 30. je von 9 bis 12 Uhr, gibt es die ausführliche Vorbereitung.
  • Wo: Caritasverband für die Stadt Castrop-Rauxel e.V., Lambertusplatz 16.
  • Die Caritas sucht nach Menschen, die gerne mit Kindern zusammen sind etwas zu erzählen haben, gern basteln, spielen und vorlesen, viel Zeit und Geduld haben.
  • Anmeldung und weitere Informationen gibt es bei der Ehrenamtskoordinatorin der Caritas, Astrid Dähnke unter Tel. (02305) 9208312
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