Wie steht es um die Kriminalität in Castrop-Rauxel?

Polizeidirektor berichtet

Sorgen Flüchtlinge in Castrop-Rauxel für mehr Kriminalität? Wieso gab es 2015 in der Stadt weit über 300 Wohnungseinbrüche? Weshalb sinkt die Quote der aufgeklärten Straftaten? Die Polizei gibt Antworten zu Castrop-Rauxels Kriminalitätsstatistik 2015. Hier finden Sie die wichtigsten Zahlen und Aussagen.

CASTROP-RAUXEL

, 19.11.2016, 05:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zweimal im Jahr lädt die Polizei aller Kreisbehörden landesweit zum Pressegespräch ein: Dann verkündet sie die statistischen Zahlen zur Verkehrsunfall- und zur Kriminalitätsentwicklung. Im März dieses Jahres ging es um die Zahlen zur Kriminalität im Kreis Recklinghausen. Und jetzt, ein halbes Jahr später, war Arno Langanke, Chef der Polizeiinspektion West, im Betriebsausschuss 1 der Stadt. Er berichtete vor der Politik aus den Zahlen, die seit März bekannt sind. Dennoch konnte er auch Erhellendes beitragen.

 

Über Tätergruppen und Verdrängung: Gutes Verkehrsnetz als Makel

Bei (Einbruchs-)Diebstählen entwickelt sich die Zahl 2015 im Vergleich zu 2014 nicht so positiv (siehe Grafik) wie in NRW insgesamt. „Wir haben ein dichtes Autobahnnetz – das kann ein Indikator sein“, meint Arno Langanke.

Er weist auf ein Phänomen hin: „Wir haben nördlich der A42 mit viel Präsenz dafür gesorgt, dass die Taten dort abnahmen – aber nach südlich der A42 ‚verdrängt‘ wurden. Nicht lokal ansässige mobile Täter suchen dann eine andere Kommune auf.“

Man wolle nun mit bestimmten taktischen Maßnahmen sowohl nördlich als auch südlich der A42 tätig bleiben. „Leider verfügt Castrop-Rauxel über eine so günstige Infrastruktur, dass Täter schnell auf einer der Nord-Süd- oder West-Ost-Achsen wieder verschwinden können.“

Leitendes Ziel sei NRW-weit, Einbruchsdiebstähle zu verhindern. „Wenn Täter in die Privatsphäre einbrechen, hat das oft schlimme psychische Folgen – mehr als ein einfacher Diebstahl oder Sachbeschädigung.“ Darum gebe es nun jedes Quartal eine Schwerpunktaktion wie Mittwoch, als mehr als 60 Polizisten im Einsatz waren.

Zivilcourage gefordert

Erfolge der Polizei hängen von der Hilfe aus der Bevölkerung ab – eine Botschaft von Langanke: „Wenn Bürger uns keine Hinweise auf ominöse weiße Lieferwagen geben, die mehrfach in der Nachbarschaft standen, dann können wir schlecht ermitteln.“
Wenn eine Nachbarschaft „bis in die Haarspitzen motiviert“ sei und Hinweise liefere, ergebe sich aus Einzelteilen ein wichtiges Gesamtbild.

Die Auswirkungen von Flüchtlingsunterkünften auf die Kriminalität

Kriminalität durch Flüchtlinge: „Merken wir, dass sich rund um Notunterkünfte Vorfälle häufen?“, so Arno Langanke. „Merken schon, ja. Einmal, weil wir ein Objektschutzkonzept und Kontrollen gefahren sind, um rechtsmotivierte Taten zu verhindern – aber auch, weil Flüchtlinge unsere Rechtsordnung nicht kennen.“

Aber: Trotz subjektiv anderer Einschätzungen von Anwohnern gebe es keine Steigerung: „Wir haben ein Abbild ‚normaler‘ Straftaten“, so Langanke. „Die eine Million Menschen leben zusätzlich hier. Aber unter einer Million Deutschen gibt es ein Quantum an Straftaten genauso wie unter einer Million Ausländer. Wenn ich die kulturellen Unterschiede ausklammere, gibt es keine Abweichungen.“

Aussagekraft der Aufklärungsquote

Die Aufklärungsquote ist gesunken: „Dafür gibt es verschiedene Gründe“, sagt Arno Langanke und erklärt: „Bei Körperverletzungen oder Ladendiebstahl hat man den Täter gleich vor Ort, bei anderen Straftaten nicht unbedingt.“
Bei Gewalt und Straßenkriminalität werde ein hoher Ermittlungsaufwand getrieben, darum sei auch der Erfolg größer.
Bei Raddiebstählen dagegen sei die Quote „mies, weil da nicht intensiv ermittelt wird. Und so lieb einem sein Fahrrad auch ist: Wir können bei Massendelikten nicht so einen großen Aufwand betreiben wie bei Kapitaldelikten. Bei schwerem Raub und Tötung erreichen wir nahezu 100 Prozent.“

Die Verkehrsbilanz: Was brachte der Schwerpunkt-Aktionstag konkret?

Nach dem Schwerpunkteinsatz im Rahmen des Aktionstages gegen Wohnungseinbrüche zieht die Polizei Bilanz. Insgesamt seien 190 Fahrzeuge und Personen kontrolliert worden. In Bezug auf Einbrecher fielen hier Transporter, auch mit ortsfremden Kennzeichen, in den Fokus der Kontrollen. In mehreren Fällen wurden Berichte zu Verdächtigen erstellt.

„Dies hilft den Kollegen der Kriminalpolizei bei Ermittlungen sehr“, so Polizei-Pressesprecher Wieland Schröder. Weiterhin habe man bei zwei Autofahrern Bluttests durchführen lassen: wegen Verdachts auf Alkohol- oder Drogenmissbrauch. Ein weiteres Ziel des Einsatzes war es, das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken. „Wir sind da, man sieht uns nur nicht immer“, so Frank Rösler, Einsatzleiter der gestrigen Aktion.

Fazit: Zweitniedrigster Wert der vergangenen zehn Jahre

Wer die Kriminalitätsstatistik verfolgt, erkennt über die Jahre verschiedene Tendenzen. „Das liegt auch daran, dass wir manchmal Erfolge haben, indem wir zum Beispiel reisende Tätergruppen einer Strafverfolgung zuführen“, so Arno Langanke. So in diversen Fällen für Castrop-Rauxel, Waltrop und Datteln: „Da konnten wir der Staatsanwaltschaft beweissichere Ermittlungsergebnisse übergeben. So haben wir eine Bande vom Markt genommen.“ Dadurch sei die Zahl der Einbruchsdiebstähle gleich stark zurückgegangen. Langanke: „Aber die Banden haben weniger Ausbildungs- und Nachwuchssorgen als wir bei der Polizei...“ Was unterm Strich stehe: Die Gesamtkriminalität ist um 250 Delikte gestiegen, vor allem der Diebstahl – aber dabei handle es sich um den zweitniedrigsten Wert der vergangen zehn Jahre.

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