Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Knepper-Sprengung am 17. Februar

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Von wo aus kann ich die Knepper-Sprengung sehen? Wie viel Sprengstoff wird benötigt? Und wie sieht eigentlich der genaue Zeitplan aus? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Deininghausen

, 14.02.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Was wird gesprengt?

Das alte Kohlekraftwerk Gustav Knepper zwischen Castrop-Rauxel und Dortmund in der Nähe des Autobahn-Dreiecks Dortmund-Bodelschwingh. Auf dem Gelände zwischen Deininghausen, Dingen und Oestrich werden das Kesselhaus (70 Meter hoch), der Kühlturm (128 Meter) und der Schornstein (210 Meter) dem Erdboden gleichgemacht.

? Wann wird gesprengt?

Am Sonntag, 17. Februar, werden die bekannten Landmarken verschwinden.

? Wie sieht der Zeitplan aus?

Los geht es um 8.30 Uhr morgens mit der Evakuierung des Sperrgebiets. Um 9 Uhr müssen alle Häuser geräumt sein. Danach erfolgen die letzten Vorbereitungen durch Sprengmeister André Michael Schewcow (39) und sein Team.

Gegen 11 Uhr soll dann der erste große Knall ertönen. Den Anfang macht das Kesselhaus. Nach einer 30- bis 45-minütigen Pause sollen schließlich der Schornstein und der Kühlturm folgen. Diese beiden Landmarken werden gleichzeitig gesprengt, brauchen aber unterschiedlich lange, um zu fallen. Der Kühlturm wird zuerst nachgeben, der Schornstein langsamer umkippen.

Tonsignale werden die Sprengvorgänge ankündigen und später für beendet erklären. Sind die drei Gebäude gefallen, prüft der Sprengmeister, ob alle Sprengsätze vollständig detoniert sind. Erst wenn diese Prüfung abgeschlossen ist, wird das Sperrgebiet wieder freigegeben. Wann genau das sein wird, kann man im Vorfeld nicht sagen.

? Wo verläuft das Sperrgebiet?

Für die Sprengung wird ein Sperrbereich von 350 bis 620 Metern Radius errichtet. „Außerhalb dieses Bereiches kann sich jeder frei bewegen“, sagt Castrop-Rauxels Stadtsprecherin Maresa Hilleringmann. Auf den Zufahrtsstraßen zum Sperrgebiet werden Straßensperren errichtet. Dies betrifft unter anderem Oststraße, Nierhausstraße, Langenacker, Westheide, Oestricher Straße und Deininghauser Weg. So sieht das Ganze aus:

? Welche Bitte gibt es an die Bürger und Schaulustigen?

Es wird mit bis zu 10.000 Menschen gerechnet. Die Firma Hagedorn und die Stadt Castrop-Rauxel bitten darum, das Sperrgebiet weiträumig zu umfahren und bei Interesse mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Denn: „Parkplätze für Schaulustige gibt es nicht“, heißt es von Seiten der Stadt.

? Wo kann ich die Sprengung denn verfolgen?

Für alle Interessierten bietet Hagedorn einen Livestream der Sprengung auf der Facebook-Unternehmensseite an. Die Übertragung startet jeweils einige Minuten vor den beiden Sprengvorgängen – also einmal gegen 11 Uhr und dann noch einmal gegen 11.30 / 11.45 Uhr.

? Und was, wenn ich das Spektakel lieber mit eigenen Augen sehen möchte?

Dann haben wir hier sechs Aussichtspunkte für Sie herausgesucht:

? Wie sollen die Gebäude genau fallen?

Das Kesselhaus, das fast nur noch aus einem Stahlgerüst besteht, soll in Richtung Süden umkippen und könnte auch Teile des Verwaltungsgebäudes mitreißen.

Dafür sorgen sollen sogenannte hochbrisante Schneidladungen. Diese Sprengsätze entwickeln mehr Energie als gewöhnliche Sprengsätze – und können Stahlelemente durchtrennen. Die Schneidladungen werden an dem Stahlgerüst an speziellen Sprengkerben zwei Meter über dem Boden angebracht.

Der 128 Meter hohe Kühlturm soll leicht in östliche Richtung ankippen und dann in sich zusammenfallen. Hierzu kommen 150 Kilogramm gelatinöser Sprengstoff zum Einsatz.

Für den 210 Meter hohen Schornstein werden rund 60 Kilogramm gelatinöser Sprengstoff benötigt. Der hohe Turm soll sich Richtung Osten, also entlang der Nierhausstraße, auf das Gelände legen. Insgesamt kommen rund 250 Kilogramm Sprengstoff zum Einsatz.

? Wie viele Helfer sind im Einsatz?

Viele. Etwa 70 Kräfte des Technischen Hilfswerks aus Castrop-Rauxel und Dortmund sind dabei. Hinzu kommen sieben Mitarbeiter des Castrop-Rauxeler Ordnungsamtes und drei Feuerwehr-Mitarbeiter. Und auch die Autobahnpolizei ist involviert.

? Hat die Sprengung etwa auch Einfluss auf den Autobahnverkehr?

Ja. Die A 42 und A 45 verlaufen zwar außerhalb des Sperrgebiets, trotzdem wird auf beiden Autobahnen ab 10 Uhr der Verkehr auf eine Fahrspur verengt und das Tempo gedrosselt. Denn: „Wir wissen nicht, wie Autofahrer reagieren, wenn sie bei Tempo 200 einen lauten Knall hören“, erklärt Hagedorn-Sprecherin Tina Gutmann.

? Was passiert mit den Anwohnern?

Die evakuierten Anwohner – rund 120 Menschen sind direkt betroffen - werden von der Firma Hagedorn in ein eigens aufgestelltes Zelt zum Frühstück eingeladen. Von einer kleinen Tribüne aus können sie die Sprengung beobachten. Das Angebot gilt ausschließlich für die Bürger, die innerhalb des Sperrgebietes wohnen.

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? Wie will man eigentlich die Staubwolke eindämmen?

Mehrere Wassernebel-Kanonen sind laut Hagedorn-Sprecherin Tina Gutmann im Einsatz und sollen den Staub durch einen ganz feinen Regen schnell zu Boden holen.

Auch umherfliegende Trümmerteile können beim Aufprall am Boden zum Problem werden. Deshalb wurden sogenannte Fallbetten aus Kies aufgeschüttet. Diese federn den Aufprall der umkippenden Gebäude ab – ähnlich wie ein Luftkissen beim Sprung aus einem Hochhaus.

? Seit wann wir die Sprengung vorbereitet?

Bis zu 100 Mitarbeiter sind seit Mitte 2018 damit beschäftigt, das Kraftwerk abzureißen. Das Kesselhaus etwa wurde bereits bis auf das Stahlgerüst zurückgebaut. Die Deutsche Sprengunion, eine Tochtergesellschaft der Hagedorn Revitalisierungs-Gesellschaft, hat in Vorbereitung der Sprengung zudem über 1500 Bohrungen an den Gebäuden durchgeführt.

Rund 1500 Löcher wurden im Vorfeld der Sprengung in die Gebäude gebohrt, um den Sprengstoff anzubringen.

Rund 1500 Löcher wurden im Vorfeld der Sprengung in die Gebäude gebohrt, um den Sprengstoff anzubringen. © Hagedorn

? Wie lange dauern die Aufräumarbeiten?

28.400 Tonnen Stahlschrott und Bauschutt bleiben am Ende des Tages über. „Die Anwohner müssen aber keine Angst haben, dass wir das alles abtransportieren“, erklärt Hagedorn-Sprecherin Gutmann.

Im Gegenteil: Der Großteil der Überbleibsel soll an Ort und Stelle wiederverwendet werden. Mit rund 30 Großgeräten wie Lkw, Kippladern, Baggern und einer Brechanlage will Hagedorn das Material innerhalb von drei Monaten trennen und aufbereiten. Geröll und Schotter werden auf Schadstoff-Belastungen hin geprüft und dann zur Modellierung der späteren Nutzfläche wiederverwendet.

Im Jahr 2020 sollen alle Gebäude abgerissen, die Altlasten saniert und das Areal durch Tiefbauarbeiten für seine neue Nutzung vorbereitet sein.

? Und was passiert danach auf dem Knepper-Gelände?

Hat Hagedorn seine Arbeiten im Jahr 2020 abgeschlossen, wird die 580.000 Quadratmeter große Fläche an den britischen Industrieimmobilien-Konzern Segro übergehen. Beide Firmen haben eine Projektgesellschaft gegründet. Segro soll das Gelände in einen Logistik- und Gewerbe-Park umwandeln.

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