Wohnen an der Emscher: Grüne haben einen neuen Plan für die alte Eiche

rnNördlich der Heerstraße

Ist das Baugebiet Heerstraße Innen- oder Außenbereich? Diese Frage ist offenbar entscheidend dafür, ob die alte Eiche bleiben kann. Die Grünen legen nun eine neue Planskizze vor.

Habinghorst

, 07.03.2019, 04:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beim Kampf um den Erhalt der alten Eiche im künftigen Neubaugebiet „Wohnen an der Emscher“ nördlich der Heerstraße stehen die Zeichen nicht auf Grün – zumindest wenn es um den Kreis als Untere Landschaftsbehörde geht. Weil das Gelände in Habinghorst als Innenbereich gilt. Innenbereich?

Die riesige Grünfläche, die sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Eldorado für pure Natur entwickelt hat und nur fußläufig zu erreichen ist, liegt doch gefühlt für die Nachbarn in einem Außenbereich. Die Kennzeichnung durch den Kreis als Innenbereich sei dem Bauplanungsrecht geschuldet, sagt Kreissprecher Jochem Manz auf Anfrage unserer Redaktion am Montag. Dass dort Wohnbebauung realisiert werden soll, steht seit vielen Jahren auf der Agenda der Stadt und der politischen Entscheidungsträger. Es ist so auch im Flächennutzungsplan von 2012 aufgeführt. Bis der Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstag, 4. April, den finalen Beschluss zum Bebauungsplan fasst, zählt das Baugebiet aber faktisch noch zum Außenbereich. Das bestätigt Stadtsprecherin Nicole Fulgenzi am Dienstag.

Wie sind die Chancen?

Welche Erfolgsaussichten haben also die Bemühungen von Grünen, FWI, Linken, BUND, Nachbarn und anderen Beteiligten, die mächtige Stieleiche vor der Säge zu retten? Wie berichtet, wollen die Grünen erreichen, dass der Kreis die 250 Jahre alte Eiche als Naturdenkmal ausweist. „Die Hürden dafür sind sehr hoch“, sagt Manz.

Nach einer entsprechenden Intervention der Grünen hätte sich der Kreis bereits mit dem Thema beschäftigt. Nach bisherigem Erkenntnisstand gäbe es so gut wie keine Chance auf eine Ausweisung als Naturdenkmal. Manz: „Grundvoraussetzung für eine Anerkennung ist eine einzigartige Baum-Persönlichkeit. Die sehen unsere Experten hier nicht.“ Auch in Bezug auf den Artenschutz sei kein Alleinstellungs-Merkmal gegeben. Auch im Friedhofsumfeld – hier geht’s um die Nachbarschaft zum Friedhof in Habinghorst – fänden etwa Fledermäuse ein Zuhause. K.o.-Kriterium sei bei all den Überlegungen hin und her aber der Fakt „Innenbereich“ als Stempel für das Plangebiet. Hier sei die Stadt Castrop-Rauxel am Hebel.

Jetzt lesen

Natürlich könne diese beim Bebauungsplan-Verfahren den Erhalt der Eiche auf ihr Ticket nehmen, wenn denn die Politik das so wolle. Für den Kreis gehe es in dieser Causa vor allem darum, auf eine freie Zugänglichkeit eines möglichen Naturdenkmals zu schauen und darauf, ob es Konfliktpotenzial geben könnte – wenn der Baum womöglich seinen künftigen Nachbarn in die Quere käme, weil das Laub die Dachrinnen verstopfen würde.

Plakataktion geplant

Unterdessen planen die Grünen eine Plakataktion im Stadtgebiet. „Damit hinterher keiner sagen kann, er habe von dieser Sache nichts mitbekommen“, hieß es Samstag beim von den Grünen initiierten Ortstermin. Nach Aussage von BUND-Landesvize Thomas Krämerkämper betrifft der Radius der Eiche durch die weite Baumkrone eine Fläche von mindestens 230 Quadratmetern, die frei von Bebauung bleiben müsste. Wie das aussehen könnte, haben sich die Grünen jetzt von einem erfahrenen Planer in einem schnelle Hand-Entwurf (s. Grafik 2) aufzeichnen lassen. Der wurde auf den vorhandenen Plan gelegt.

Jetzt lesen

Termin

Donnerstag trifft sich die Politik

Am Donnerstag, 7. März, sind Umweltausschuss und Bauausschuss um 17 Uhr vor Ort an der alten Eiche. Die Anwohner und andere Umweltschützer wollen bei dieser Gelegenheit wohl auch ihr Wort für den Erhalt in die Waagschale werfen.

„Man kann auch anders bauen, wenn man will. Das sieht man ja am Alten Garten in Henrichenburg“, sagt Grünen-Ratsherr Uli Werkle dazu. Die Erschließungsstraße, die in der bisherigen Planung ziemlich direkt über den Standort der Eiche geht, würde laut Neuplanung der Grünen ein bisschen in Richtung Emscher verschoben, der Standort der Eiche bliebe so frei und könnte als Platz der Begegnung genutzt werden.

Abstand zur Stromtrasse

Ein Teil der Baukörper würde statt von Westen nach Osten nun von Nord nach Süd angeordnet. „Das würde auch bedeuten, dass die Häuser mehr nach Süden ausgerichtet wären und es damit einen größeren Abstand zur Stromtrasse gäbe“, nennt Uli Werkle einen weiteren Vorteil des überarbeiteten Plans.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt