Wohnungen und Läden: Mietzahlungen werden wegen Corona zum echten Problem

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In der Corona-Krise sind viele Wohnungsmieter von Kurzarbeit getroffen worden, viele Ladenmieter vom großen Lockdown. Da werden Mietzahlungen auch in Castrop-Rauxel zum ernsten Problem.

Castrop-Rauxel

, 14.05.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Krise führt in manchen Bereichen zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft: Wer in diesen Zeiten zu Hause arbeiten kann und weiter sein Gehalt bekommt, gehört zu den Gewinnern, wer in Kurzarbeit musste, weil sein Betrieb nicht öffnen durfte, sitzt auch zu Hause, aber auf der Verliererseite.

Manchen Kurzarbeitern ist inzwischen das Geld knapp geworden. Folge: Mietern geht die Luft aus. Sie müssen dann um Ratenzahlungen und Stundungen bitten, auch und gerade bei ihren Vermietern. Die Zahl der Betroffenen in Castrop-Rauxel ist offenbar noch nicht exorbitant hoch, das Problem aber ist da und die Krise noch nicht zu Ende.

Ratenzahlung hilft nur kurzfristig

Hintergrund: Haushalte und Gewerbetreibende, die in der Corona-Krise in Geldnot geraten sind und ihre Miete für die Monate April, Mai und Juni nicht überweisen können, dürfen nicht auf die Straße gesetzt werden. Ihre Zahlungsverpflichtung bleibt zwar bestehen. Aber sie können ihre Miete stunden lassen oder Ratenzahlungen vereinbaren. Sie haben insgesamt zwei Jahre Zeit, die Rückstände wett zu machen. Bezahlt werden aber müssen sie.

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Auch in Castrop-Rauxel gibt es solche Fälle. Die großen Wohnungsgesellschaften bekommen das zu spüren, aber auch Privatvermieter berichten von derartigen Fällen. Die schlimmsten Befürchtungen seien zwar erst einmal ausgeblieben, das dicke Ende aber könnte kommen, wenn es eine zweite Corona-Welle geben sollte.

Von einzelnen Fällen bisher berichtet Klar-Heinz Blase von der Firma Uwe Blase Immobilien am Habichtseck in Castrop-Rauxel. „Diese Situationen kommen auch bei uns vor, zum Glück nicht im großen Umfang.“ Wie damit umgegangen werde, sei natürlich jeweils ins Ermessen des Vermieters gestellt, „aber der Gesetzgeber hat da ja klare Vorgaben gemacht“, sagt Blase unserer Redaktion.

Wohnungsgesellschaften kennen das Problem

Bei den großen Wohnungsgesellschaften kennt man das Problem auch: „Bisher hat sich etwas mehr als 1 Prozent der Mieterinnen und Mieter aufgrund wirtschaftlicher Nöte gemeldet“, berichtet Bettina Benner von der Vonovia. Wenn man weiß, dass das Unternehmen 2019 bundesweit einen Wohnungsbestand von über 419.000 Wohnungen hatte, kann man die Zahl besser einordnen - sie geht bundesweit in die Tausende.

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Bisher aber, so Benner, „konnten wir unseren Mieterinnen und Mietern zusichern, dass sie sich wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten aufgrund von Kurzarbeit, Arbeitsplatzverlust oder Auftragsrückgang keine Sorgen machen müssen.“

Vivawest, ebenfalls mit vielen Wohnungen in Castrop-Rauxel vertreten, hat ebenfalls mit dem Problem zu tun. Katrin Lamprecht, Sprecherin des Unternehmens: „Wir haben – bezogen auf das Stadtgebiet Castrop-Rauxel – bis heute lediglich zwei Ratenzahlungsvereinbarungen geschlossen.“

Von der ursprünglich sehr weichen Linie, keine Nachweise für Zahlungsprobleme zu verlangen, ist man bei Vivawest in Verhandlungen mit den Mietern trotzdem abgewichen. Katrin Lamprecht: „Inzwischen bitten wir die Kunden, welche „pandemiebedingt“ einen Zahlungsaufschub wünschen, uns vorab geeignete Nachweise zur Verfügung zu stellen.“

Solo-Selbstständige besonders betroffen

Wie von den lokalen Eigentümerverbänden zu hören ist, sind neben den Wohnungsmietern aber auch und gerade Ladenmieter von den Problemen in Corona-Zeiten gebeutelt. Ohne Einnahmen über Wochen standen oder stehen viele Pächter von Geschäftsräumen vor massiven finanziellen Schwierigkeiten.

Der Mieterverein sieht gerade Solo-Selbstständige besonders betroffen. Geschäftsführer Rainer Stücker: „Die Betroffenen wollen möglichen Ärger mit ihrem Vermieter vermeiden und greifen zur Überbrückung auf ihre privaten Ersparnisse zurück.“ Das kann aber nicht lange gut gehen, wenn die Krise andauert.

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