"Wolf sein" beschäftigt sich mit der Frage nach Identität

WLT

CASTROP-RAUXEL Tierisch "schaaf", ganz flauschig und so richtig zum Blöken - aber mit Tiefgang. So lässt sich die Inszenierung des Kinderstücks "Wolf sein" von Bettina Wegenast, das gestern unter der Regie von Marco Dott im Studio des Westfälischen Landestheaters Castrop-Rauxel Premiere hatte, auf den Punkt bringen.

von Von Anne-Kathrin Neumann

, 11.05.2009, 14:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Nachricht der "Bild"-Zeitung macht bei den Schafen (Denise Elsen, Stefan Leonard) die Runde: Der Wolf ist tot!

Die Nachricht der "Bild"-Zeitung macht bei den Schafen (Denise Elsen, Stefan Leonard) die Runde: Der Wolf ist tot!

Nach dem Tod des Wolfes wittert Schaf Kalle seine Chance, will über den Zaun der Weide spähen und "das Leben schmecken". Er bewirbt sich bei der Arbeitsagentur im Wald für die Stelle des Wolfs. Nicht zuletzt spornen ihn die Worte seines Arbeitsvermittlers - ein Zwerg mit leicht überspannten Nerven - in seinem Vorhaben an: Denn es gibt viele Bewerber für diese besondere Stelle, den Job als Wolf kann man nicht mit links machen. Freundschaft der Schafe auf der Kippe Endlich stülpt sich Kalle den Wolfspelz über, doch versteckt damit auch sein altes Ich, vergisst die kleinen Freuden des Schafdaseins.Den Schafen Locke und René schenkt Kalle nur noch ein abfälliges Lächeln, wägt sich an der Spitze der Rangordnung und degradiert René sogar zu einer leckeren Mahlzeit. Locke weist den miesen Bock schließlich in die Schranken und schneidet mit der Heckenschere Kalles Bauch auf, um René zu retten - natürlich kindgerecht ohne Blutvergießen und gespickt mit humorvollen Pannen. Letztlich ziehen die zwei Freunde dem vermeintlichen Wolf das Fell über die Ohren und rücken ihm den Kopf zurecht. Das Gras in der Schafswelt sprießt wieder richtig grün.Schauspieler Stefan Leonard als Schaf Kalle

Stefan Leonard rennt als trotziges Schaf Kalle in Wolfsgestalt gegen den elektrischen Weidezaun und zeigt die Gefühlsverwirrungen eines unüberlegten Höhenflugs. Denise Elsen tollt als Locke schwanzwedelnd über die Bühne und überrascht mit einer täuschend echten Blök-Imitation. Und Schaf René (Alexander Leder) jagd als verträumtes Wollknäuel nach Glühwürmchen. Die Bürokratie und den Stress eines Büroalltags bringt schließlich Gerrit Pleuger als wutgeladener Zwerg zum Ausdruck.Stefan Schulz hat die Bühne liebevoll als Weide gestaltet

"Wolf sein" spielt nicht nur innerhalb der idyllischen Grenzen der Weide - die Stefan A. Schulz mit Strohballen und Viehtränke, zugleich märchenhaft mit in der Nacht funkelnden Sternen gestaltet hat. Es geht um die Suche nach Identität, dem eigenen Platz im Leben, um Freundschaft und Vertrauen.Karten für das Stück "Wolf sein" gibt es unter Tel. (02305) 97 80 20.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt