XXL-Einsätze erfordern Teamarbeit

Castrop-Rauxel XXL statt XS - wir Deutschen werden immer dicker. Dass wir damit auch für Feuerwehr und Krankenhäuser zum schwergewichtigen Problem werden können, wissen die wenigsten.

03.07.2007, 18:56 Uhr / Lesedauer: 1 min

Denn wie soll einem stark übergewichtigen Patienten im Notfall schnell geholfen werden, wenn Rettungskräfte an ihre Grenzen stoßen? «Schon ab 90 Kilo ist es mitunter schwer, einen Menschen zu zweit zu tragen», erzählt Rettungsassistent und Oberbrandmeister Robert Hyzyk. Stellt er fest, dass er mit einem Partner allein nichts ausrichten kann, fordert er Verstärkung durch den Löschzug an. «In solchen Fällen setzen wir auf unsere Stärke: Manpower», so Feuerwehrchef Jürgen Schmidt.

Teurer Einsatz

Bisher ist die Wehr mit dieser Taktik auch immer gut gefahren, Rückgriffe auf Spezialwagen aus Dortmund waren die Ausnahme. Die Tragen (bis 180 kg) und Tische (bis 228 kg) in den drei Rettungswagen (RTW) reichten aus.

Knackpunkt der XXL-Einsätze ist laut Jürgen Schmidt weniger die praktische als die finanzielle Seite. «Die RTW-Fahrt kostet 255 Euro und wird von der Krankenkasse gezahlt. Die rund 1000 Euro Personal- und Fahrzeugkosten für den Löschzug-Einsatz trägt dagegen die Allgemeinheit.»

Im Rochus-Hospital ist man seit dem Umbau des OP-Saals im Jahr 2004 bestens auf übergewichtige (BodyMass-Index 25 bis 30) und Adipositas-Patienten (ab BMI 30) eingestellt. Denn die Chirurgie ist darauf spezialisiert, schwer Übergewichtigen Magenbänder zu legen. «Im Grunde ist daher von der Aufnahmeliege bis zum Entlassungsgeprächsstuhl alles in Spezialanfertigung vorhanden», erzählt Dr. Michael Glaßmeyer (Foto), der seit dem 1. Juli ärztlicher Direktor ist. Bei den Umbauarbeiten wurde alles bis ins kleinste Detail berücksichtigt: «Für den OP-Tisch, der 240 Kilo trägt, haben wir den Boden verstärken lassen, auch die OP-Schleuse musste neu eingestellt werden.»

Im Evangelischen Krankenhaus, das zugleich Adipositas Zentrum NRW ist, können innerhalb kürzester Zeit Hilfsmittel über ein Essener Sanitätshaus bestellt werden. «Ein Leasingvertrag sichert uns zu, dass wir Betten, Rollstühle, Hebehilfen oder Matratzenauflagen in maximal sechs Stunden bekommen», so Verwaltungsdirektor Wilfried Diekmann (Foto). Patienten, die mehr als 140 Kilo wiegen, müssen allerdings im Kooperationskrankenhaus in Herne operiert werden. jug

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