Heiße Sommer in Serie: Zahl der Gartenbrunnen ist sprunghaft gestiegen

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Im Sommer ist der Wasserverbrauch im Garten hoch. Vor allen Dingen in den zuletzt so trockenen Sommern in Castrop-Rauxel. Da liegt es nahe, einen Brunnen zu bauen. Aber ist das erlaubt und lohnt es sich?

Castrop-Rauxel

, 07.07.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer für seinen Garten als Gießwasser oder für einen Pool Wasser benötigt, stößt schnell auf die Möglichkeit, einen Gartenbrunnen anzulegen. Ob dies sinnvoll und am jeweiligen Standort erlaubt ist, muss aber im Einzelfall geklärt werden.

Die Reinhaltung und Bewirtschaftung des Grundwassers sind nämlich im Wasserhaushaltsgesetz (WHG) geregelt. Dort heißt es, dass Gewässerbenutzungen erlaubnispflichtig, zumindest aber anzeigepflichtig sind. Diese Pflicht besteht auch für Gartenbrunnen. Zuständig dafür ist im Fall Castrop-Rauxels die Untere Wasserbehörde beim Kreis Recklinghausen.

Ob es nur an den zuletzt so trockenen Jahren liegt oder noch andere Ursachen hat, ist nicht abzuschätzen, die Zahl der Brunnen aber steigt derzeit massiv an. Das Wort „sprunghaft“ findet Kreis-Sprecherin Lena Heimers für die Entwicklung. „In Castrop-Rauxel sind 21 Brunnen angemeldet, davon allein 5 in diesem Jahr.“ Noch drastischer ist der Anstieg der Brunnenzahl im gesamten Kreisgebiet. Laut Lena Heimers sind hier 247 Brunnen registriert, wovon 85 in diesem Jahr neu hinzugekommen sind.

Ein Brunnen im Garten muss angezeigt werden

Heimers sitzt im Kreishaus und kann Brunnen-Interessenten bei einem ersten Informationsgespräch alle Fragen zu Grundwasserständen, Geologie, Altlastenstandorten, Restriktionen und Wasserschutzgebieten beantworten.

„Die Anzeige für einen Gartenbrunnen muss der Eigentümer vorab stellen. Seriöse Bohrunternehmen weisen aber in der Regel auch darauf hin“, sagt Mathias Stöhr, Leiter der Unteren Wasserbehörde.

Auskunft

Weitere Informationen und Formulare gibt es bei der Kreisverwaltung im Internetoder telefonisch bei Norbert Lindberg unter Tel. 02361/53-6040 oder bei Michael Nuth unter 02361/53-6420.

Der Ingenieur empfiehlt zudem, vorab zu prüfen, ob ein Brunnen wirklich die sparsamere Alternative ist. „Brunnen sind oft weder finanziell noch ökologisch eine sinnvolle Lösung. Die Installation eines Zwischenzählers in der Hauswasserinstallation zur Einsparung der Abwassergebühren ist meist kostengünstiger als das Anlegen eines Brunnens“, so Stöhr.

Die Kosten für die Bohrung eines Brunnens liegen laut einschlägiger Anbieter im Internet im Schnitt bei 750 bis 1000 Euro. Der Preis hängt entscheidend davon ab, bis in welche Tiefe gebohrt werden muss, um ans Grundwasser zu gelangen. Zu den eigentlichen Bohrkosten kommen dann natürlich noch Kosten für eine Brunnenpumpe und der Gestaltung des Brunnens hinzu.

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Das Brunnenbauhandwerk ist ein Lehrberuf. Nur so kann gewährleistet werden, dass der Brunnen sicher angelegt wird und betrieben werden kann und es nicht zu einer Verunreinigung des Grundwassers kommt. Seriöse Unternehmen erkennt man daran, dass sie über einen Meisterbrief verfügen oder nach DVGW Arbeitsblatt W120 zertifiziert sind.

Nicht einfach auf Verdacht bohren: Die Aussicht auf Erfolg für einen Brunnenbau sollte ein Fachmann prüfen.

Nicht einfach auf Verdacht bohren: Die Aussicht auf Erfolg für einen Brunnenbau sollte ein Fachmann prüfen. © picture-alliance/ gms

Grundwasser-Untersuchung ist notwendig

Bevor man einen Brunnen bohrt, ist aber auch die Qualität des Grundwassers – besonders hinsichtlich mikrobiologischer Verunreinigungen – zu beachten. Eine Untersuchung durch ein Labor wird empfohlen, „besonders wenn Kinder im Hause sind und das Wasser zur Befüllung des Pools benutzt werden soll“, so Mathias Stöhr, „denn mikrobiologische Verunreinigungen können zum Beispiel Durchfallerkrankungen verursachen“.

Auch im Wasser gelöste Stoffe wie Eisen oder Mangan können den Badespaß im wahrsten Sinne des Wortes trüben: „Kommt das Grundwasser mit Luft in Kontakt, gibt es Ausfällungen. Das Eisen flockt aus und bildet einen braunen Schmierfilm, der nur schwer bis gar nicht entfernt werden kann“, so der Experte vom Kreis.

Zwar stellt ein einzelner Brunnen keine Belastung für das Grundwasser dar, viele Brunnen in einem Gebiet können aber je nach Untergrundbeschaffenheit eine erhebliche Belastung für die wasserführende Schicht sein. „Die Vielzahl kleiner Grundwasserentnahmen lässt den Grundwasserspiegel in extremen Sommern ohne Niederschläge sinken“, erklärt der Kreis-Mitarbeiter.

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