Der Sommer ist da, die Kinder und Hunde spielen in der Natur und toben durch hohes Gras. Doch bei all dem Spaß droht auch eine Gefahr: Zecken. Gibt es aktuell besonders viele Fälle?

Castrop-Rauxel

, 04.06.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Werden Zecken bei Kindern oder Tieren entdeckt, ist die Sorge oft groß. Denn die kleinen Milben können Krankheiten übertragen. Von FSME (Frühsommer-Meningoenzephatlitis) bis hin zu Borreliose. Wird eine Zecke entdeckt, ist schnelles Handeln gefragt.

„Sofort entfernen, raus damit“, rät der Castrop-Rauxeler Kinderarzt Axel Dworniczak. Dabei ist es gar nicht so schlimm, wenn der Kopf stecken bleibt. „Das ist kein Problem. Die Viren und Bakterien, die die Krankheiten übertragen, sitzen im Darm der Zecke.“

Zeckenbiss: So schützen Sie sich, Ihre Kinder und Ihre Haustiere richtig

Kinderarzt Axel Dworniczak rät zum sofortigen Entfernen der Zecken. © Patrick Radtke

Deswegen müsse der Körper des Tieres entfernt werden. Ein Zerquetschen des Körpers ist zu vermeiden, da sich sonst das Infektionsrisiko erhöht. Nach dem Entfernen muss die Stelle beobachtet werden. Michael Börth, Fachgebietsleiter vom Regionalforstamt Ruhrgebiet empfielt, eine Vorstellung beim Arzt „wenn die Stelle rot ist, nach außen scharf abgegrenzt und der Fleck immer größer wird“. Dann wird beim Arzt antibiotisch behandelt.

Das nächste FSME-Risikogebiet ist im Landkreis Emsland

Dieses Jahr könnte eine besonders starke Zeckensaison geben. Das erwartet die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. „2018 hat den Wäldern zugesetzt, die Zecken hingegen haben davon profitiert. Die höheren Temperaturen und die milden Winter der letzten Jahre haben die einheimischen Zecken begünstigt und zur Verbreitung neuer Arten geführt“, heißt es in einer Mitteilung.

Auch Börth bestätigt, dass es in diesem Frühjahr mehr Zecken gibt als sonst und führt es zurück auf den warmen Sommer 2018 und den milden Winter. „Das ist zwar eine erste Einschätzung aber es scheint sich abzubilden“, so Börth.

Dem Kinderarzt ist eine Häufung in diesem Jahr hingegen noch nicht aufgefallen. Die nächsten FSME-Risikogebiete befinden sich im Landkreis Emsland und in Marburg. „Das ist aber nicht besonders weit weg“, warnt Dworniczak. Der Landkreis Emsland wurde erst in diesem Jahr neu als Risikogebiet ausgewiesen.

Zeckenbiss: So schützen Sie sich, Ihre Kinder und Ihre Haustiere richtig

Zecken sind sehr klein und oft schwer zu erkennen. Vor allem der Körper sollte entfernt werden. © dpa

Zecken sind besonders im hohen Gras vorhanden, da sich dort ihre natürlichen Wirte wie Mäuse bewegen. War das Kind hier, oder am Waldrand, im Gebüsch und im Unterholz spielen, sollte genau nachgeschaut werden, ob eine Zecke auf der Haut ist. „Und zwar überall. Ich habe Zecken schon überall entfernt, in den Ohren und auch in der Pofalte“, sagt Dworniczak.

Lange, geschlossene Kleidung und Impfungen zur Vorbeugung


Vorbeugend kann geschlossene und helle Kleidung, feste Schuhe, lange Hosen und Oberteile mit langen Ärmeln wirken. Auch Zeckenschutzmittel und Naturstoffe wie Lavendelöl, aufgetragen auf Schuhen oder Strümpfen, vermindert laut der Stiftung Deutscher Wald das Risiko.

Eine Impfung ist ebenfalls wirksam und wird zumindest für alle Personen empfohlen, die in Risikogebieten wohnen, arbeiten oder sich andersweitig dort aufhalten.

Allerdings kann beim Menschen nur gegen FSME geimpft werden. „Da braucht es dann nach der Erstimpfung eine Auffrischung nach drei Jahren und danach alle fünf Jahre eine Impfung“, so Dworiczak. Wichtig ist, dass „im Gegensatz zur Übertragung von Borrelien durch Zecken auf den Menschen, die erst circa 24 Stunden nach Beginn des Saugakts erfolgt, gelangen die FSME-Viren bereits bei Beginn des Saugaktes von der Zecke in den Menschen“, so das Robert-Koch-Institut. Ob ihr Impfschutz noch anhält, ist im Impfheft nachzulesen.

Bei Haustieren kann bei Zecken der Hot-Foot-Effekt helfen

Neben Menschen sind auch Haustiere der Gefahr von Zeckenbissen ausgesetzt. Bei Tierarzt Georg Boesing ist die Nachfrage nach vorbeugenden Präparaten in diesem Jahr auffallend groß. Schutzmaßnahmen beim Spaziergang sind fast unmöglich. „Man sollte die Tiere nachher buchstäblich absuchen, das ersetzt meiner Meinung nach aber nicht eine vorbeugende Behandlung“, so Boesing.

Dafür gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, unter anderem Mittel mit einer repellierenden Wirkung. Die Präparate werden auf das Tier aufgetragen, so in der Haut gespeichert und über Drüsen wieder ausgestoßen. Das hat einen sogenannten Hot-Foot-Effekt. „Es ist für die Zecke so, wie für uns, wenn wir auf eine Herdplatte packen“, erklärt Boesing. Dadurch würden die Zecken nicht beißen.

Zeckenbiss: So schützen Sie sich, Ihre Kinder und Ihre Haustiere richtig

Auch Tiere werden immer wieder von Zecken gebissen. Hierfür gibt es unterschiedliche Mittel zur Vorbeugung. © dpa-tmn

Eine andere Variante sind systemisch wirkende Präparate in Form von Tabletten. Der Vorteil ist, dass keine Wirkstoffe auf der Haut des Hundes sind, dafür allerdings im Blut. Zudem wirken diese Mittel erst, wenn die Zecke gebissen hat. Daraufhin stirbt sie ab.

Anders als beim Menschen kann bei Hunden gegen Borreliose geimpft werden, gegen FSME und der ebenfalls oft vorkommenen Anaplasmose aber nicht.

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