Ehemalige Friseurin bringt den Angeklagten Ralf H. mit ihrer Aussage in Bedrängnis

rnMordfall Schalla

Im Prozess um den Mord an der Schülerin Nicole-Denise Schalla sagt die frühere Friseurin des Angeklagten als Zeugin aus. Ihre Angaben dürften Ralf H. nicht geschmeckt haben.

Castrop-Rauxel, Dortmund

, 01.08.2019, 14:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die 56-jährige Zeugin hatte sich vor einigen Wochen von sich aus bei der Polizei gemeldet, um - wie sie findet - wichtige Angaben zu machen.

Die Friseurmeisterin hatte den Angeklagten etwa 2012 kennengelernt. Irgendwann sei er dann auch regelmäßig als Kunde in ihrem Salon gewesen.

„Früher immer Dauerwelle getragen“

An einen dieser Tage will sich die Zeugin noch ganz genau erinnern können. „Er fragte mich, ob ich ihm eine Dauerwelle machen könnte“, sagte die Zeugin am Mittwoch vor dem Schwurgericht.

Auf ihren verdutzten Blick und den Einwand, ob er das wirklich ernst meine, habe H. geantwortet: „Natürlich. Früher habe ich immer eine Dauerwelle getragen.“

Heute hat der 53-Jährige langes, glattes Haar, das im Nacken zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden ist.

Trug der Castrop-Rauxeler früher aber tatsächlich öfter eine Dauerwelle, könnte er vielleicht doch Ähnlichkeit mit dem Mann aufweisen, von dem nach dem Mord an der Schülerin aus dem Jungferntal eine Phantomzeichnung angefertigt worden war.

Busfahrer hatte Mann mit Locken beobachtet

Nicole-Denise Schalla war unmittelbar vor ihrer Ermordung aus einem Bus ausgestiegen. Und der Busfahrer hatte damals und auch heute noch ausgesagt, sie sei anschließend von einem Mann verfolgt worden, der lockige Haare hatte.

Bisher hatte Ralf H. dazu stets gesagt: „Diese Beschreibung trifft auf mich ja wohl nicht zu.“ Möglicherweise muss das aber jetzt anders bewertet werden.

Unklar ist jedoch, wie viel Gewicht die Richter der Aussage der Zeugin beimessen. Mehr als ein kleines und relativ schwaches Indiz, dass der Angeklagte der Mörder sein könnte, ist diese Aussage jedenfalls nicht. Aber entlastet wurde der 53-Jährige durch die Angaben ebenfalls nicht.

Daumen-Gutachten kommt im August

Im August soll dann die Frage des Zustands der beiden Daumen des Castrop-Rauxelers geklärt werden. Der als Sachverständige eingesetzte Handchirurg hat Ralf H. bisher einmal im Gefängnis besucht und untersucht.

Ein weiterer Termin soll folgen. Bei dem sollen Röntgenbilder angefertigt werden. Der Gutachter soll am 12. August gehört werden. Ralf H. gibt an, vor vielen Jahren an beiden Daumen operiert worden zu sein. Seitdem habe er fast keine Kraft mehr in den Fingern und sei daher gar nicht in der Lage, einen Menschen zu erwürgen.

Bis zum nächsten Verhandlungstag wird wohl auch das Ergebnis der Blutprobe vorliegen, die dem Angeklagten inzwischen entnommen worden ist.

Dabei will Ralf H. gegen seinen Willen massiv angegangen worden sein. „Sie lassen es zu, dass ich gefoltert werde“, sagte der Angeklagte am Mittwoch zu den Richtern.

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