Zwei Castrop-Rauxeler BVB-Fanclubs über ihren Verein

Vor dem Bundesligastart

Für die Castrop-Rauxeler BVB-Fans gibt es viel Grund zur Aufregung: Aubameyang fährt "goldlackierten Edelkarossen" und Fans müssen Geld für die Tickets sparen. Trotzdem: Die Fanclubs hoffen auf den Titel oder einen Platz unter den Top vier - je nachdem ob man bei "Schwarz-Gelb Henrichenburg" oder der "Dortmunder Torfabrik" nachfragt. Wir haben mit beiden gesprochen.

CASTROP-RAUXEL

von Rolf Langenhuisen

, 11.08.2017, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

1. Schwarz-Gelb Henrichenburg: "Bosz muss liefern – oder gehen!"

An der Henrichenburger Straße 80 in Habinghorst liegt das „Gartenhaus“. Die Gaststätte dient als Vereinslokal des BVB-Fanclubs Schwarz-Gelb Henrichenburg. Am Stammtisch sitzen vier Fußballfreunde beim Pils und reden. Worüber? Am liebsten über andere Leute. Zum Beispiel über…

Thomas Tuchel (43), mit durchschnittlich 2,09 Punkten der erfolgreichste BVB-Trainer. "Es war zu 100 Prozent richtig, sich von Tuchel zu trennen. Er hat viel Unruhe reingebracht. Manche Spieler hat er einfach nicht aufgestellt, und wir Fans haben gerätselt warum. Außerdem gab es zu viele Begegnungen, die er hätte gewinnen müssen, aber nicht gewonnen hat. Für den Anhänger, der ins Stadion kommt und mit einer unnötigen Niederlage nach Hause geht, war das nicht der BVB, wie er unter Klopp gespielt hat", sagt Holger Schleicher, 56, Fanclub-Gründer.

Hans-Joachim Watzke (58), Geschäftsführer des BVB. "Einen besseren BVB-Boss als ihn kann man sich nicht vorstellen. Wir haben ihn schon ein paar Mal auf Fan-Treffen erlebt – als authentisch, überlegt und redegewandt. Er liebt den Verein und gibt alles für Borussia. So muss es sein!", meint Thomas Pieper, 49, Serviceleiter im Bereich Großküchentechnik.

Peter Bosz (52), achtfacher NL-Nationalspieler und neuer BVB-Coach. „Sag ich jetzt nix zu. Warten wir mal drei, vier Spiele ab, dann sehen wir, wie er mit dem Personal umgeht, die Mannschaft aufstellt und ob bei ihm alle die gleichen Chancen haben. Vollgas-Fußball, Pressing, verlorene Bälle nach fünf Sekunden zurückerobern – das hört sich gut an, muss aber erst einmal geliefert werden. Wenn Bosz nicht liefert, ist er im Winter weg, dann kommt Nagelsmann", Andre Schulz, 49, Altenpfleger.

Pierre-Emerick Aubameyang (28), mit 31 Treffern Torschützenkönig 2016/2017. "Wenn ich ihn mit seinem Dutzend goldlackierter Edelkarossen sehe, ärgert es mich, dass der Fußball eine reine Geldmaschine geworden ist. Die Autos kann er in Miami fahren, aber nicht in Castrop-Rauxel. Das ist unmöglich den Leuten gegenüber, die ihre letzten Kröten zusammenkratzen und ins Stadion gehen, um diese Stars zu sehen", so Andre Schulz. "Einspruch! Ich find’s geil. Die Bundesliga braucht auch Show und nicht nur farblose Typen", sagt Thomas Pieper.

Ousmane Dembélé (20), in den Streik getretenes BVB-Juwel, das wohl in Barcelona Nachfolger von Neymar werden will. "Genialer Fußballer. Es macht Spaß, ihm zuzugucken. Er passt in Dortmund gut rein", sagt Jannis Pieper, 20, Schüler. "Wenn Borussia tatsächlich 100 oder 150 Millionen für ihn bekommt, sollte man das Geld nicht nur in Ablösesummen oder Spielergehälter stecken. Man sollte das Fanclub-Management stärken und in den Zusammenhalt der Anhänger investieren", so Thomas Pieper.

Frank Golabeck, Gastwirt im Fanclub-Lokal „Gartenhaus“. „Der Frank ist ein feiner Kerl, hält aber zu Schalke. Deshalb tut es uns für ihn leid, dass wir auch am Ende der kommenden Saison klar vor den Blauen stehen werden. Wir wollen wieder in die Champions League!“

Schwarz-Gelb Henrichenburg
- gegründet: 2012
- Mitglieder: 35
- Kontakt: Thomas Pieper, Heidestraße 90a,
- Treff: Gaststätte „Gartenhaus“, Henrichenburger Straße 80
- Zitat: „Wir wollen ein Fanclub sein mit Aktivitäten für die ganze Familie. Es geht uns um das Zusammengehörigkeitsgefühl.“

2. „Dortmunder Torfabrik“: Ein Protest der Fanclubs ist überfällig

Stefan Gönnewicht ist 46, lebt auf Schwerin und verdient sein Geld im Außendienst beim Paketservice DHL. Als Stürmer war er unter anderem für Eintracht Ickern und SuS Merklinde aktiv, bei Blau-Gelb Schwerin fungierte er als sportlicher Leiter. Heute konzentriert sich Gönnewicht auf seine „echte Liebe“: Er führt den Vorsitz im BVB-Fanclub „Dortmunder Torfabrik“.

Wie er echte Liebe in Worte fasst: „Der BVB ist mehr als ein Fußballverein. Der BVB ist unsere Kindheit, unsere Heimat, unsere Leidenschaft“, formuliert Gönnewicht: „Wenn der BVB sportlich etwas Großes erreicht, dann schwebt die ganze Region. Die Menschen identifizieren sich mit den Erfolgen des Vereins. Das ist ein überragendes Gefühl.“ Diese Begeisterung mit anderen zu teilen, sieht der Vorsitzende als Sinn und Zweck des Fanclubs. Die Borussia als soziales Erlebnis.

Warum er dem BVB den Titel zutraut: „Wenn wir die Bayern jemals packen können, dann in diesem Jahr“, ist sich Stefan Gönnewicht sicher. Die Münchner haben mit Alonso und Lahm zwei Stützen verloren, „Rib & Rob“ sind wieder ein Jahr älter, und die Vorbereitung des FCB war aufgrund der Strapazen in China miserabel. „Unsere junge Mannschaft hat Reife gewonnen, der Kader ist noch stärker als in der letzten Spielzeit“, überlegt der Experte. Zudem gehe die Spielweise des Peter Bosz zurück zu Klopps Wurzeln: „90 Minuten lang Dampf machen – das ist zwar kraftaufwendig. Aber ich verlange von den Spielern, dass sie bis aufs Zahnfleisch gehen. Dafür kriegen sie reichlich Kohle.“

Wieso ihm Aubameyang auf den Nerv geht: Natürlich hängen die Perspektiven auch davon ab, ob Dembélé und Aubameyang in Dortmund bleiben. „Seit Februar 2016 hören wir alle drei Tage, dass Auba nach China wechseln will. Das ist unerträglich!“, schimpft der Fan-Vertreter: „Der Spieler muss auch mal ein Bekenntnis abgeben, so wie er hier geliebt wird. Wenn er sich nicht bekennen will, soll er gehen. Damit wir endlich Ruhe haben!“ Und Dembélé? „Wenn wir wirklich 100 Millionen erlösen können, muss man ihn ziehen lassen.“

Was im Fußball völlig falsch läuft: Millionen und Abermillionen Dinge. Bei dem Thema kriegt Stefan Gönnewicht ganz schlechte Laune. „Eigentlich müssten die Fanclubs in einer gemeinsamen Aktion mal einen Spieltag boykottieren, um gegen die Fehlentwicklungen zu protestieren“, sagt der Castrop-Rauxeler. Eintrittskarten, Fan-Artikel, Pay-TV – alles wird immer teurer. „Für den normalen Zuschauer, gerade hier im Ruhrgebiet, sind die Preise nicht mehr tragbar!“ Auch der Auftritt von Helene Fischer in der Pause des Pokalfinales war ein falsches Signal: Fußballpuristen wollen zur Halbzeit Bratwurst, nicht Showbiz.

„Wir freuen uns auf den Saisonstart“, spricht Gönnewicht für die 52 Mitglieder des Clubs: „Aber wir sehen mit Verärgerung, dass es nur um Kohle geht.“

Dortmunder Torfabrik
- gegründet: 2012
- Mitglieder: 52
- Kontakt: Stefan Gönnewicht, Kiefernweg 4
- Treff: Gaststätte „Dortmunder Torfabrik“, Do-Westrich, Bockenfelder Straße 134
- Zitat: „Die Kreativität jedes Mitglieds ist ausdrücklich erwünscht, da der Fanclub mehr als eine Fahrgemeinschaft oder Kartenvorverkaufsstelle sein soll.“

 

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