Ralf Honsel © Guido Bludau
Einzelhandel

Alles wird teurer? Kaufmann aus Dorsten macht eine andere Rechnung auf

Alles wird teurer? Kaufmann Ralf Honsel aus Dorsten macht eine andere Rechnung auf. Er sagt: „Es ist eigentlich nicht korrekt, die Preise in Euro zu vergleichen.“

Die „Teuer-Debatte“ hat längst auch Dorsten erfasst. Strom und Gas, Benzin und Diesel kosten mehr als vor einigen Monaten. Und wer im Supermarkt seines Vertrauens die Dinge des täglichen Bedarfs besorgt, schaut schon mal mit Sorgenfalten auf den Kassenbon. „Wo führt das noch hin?“

Ralf Honsel kennt diese Reaktionen. Der Kaufmann betreibt vier Edeka-Geschäfte in Dorsten, sein Unternehmens-Flaggschiff auf dem ehemaligen Zechengelände ist vor Kurzem zu „Deutschlands bestem Supermarkt“ gekürt worden. Bei der Beurteilung spielte auch der Umsatz pro Quadratmeter Verkaufsfläche eine Rolle.

„Wie lange muss man für ein Produkt arbeiten?“

Honsel macht in der Diskussion um gestiegene Preise speziell im Einzelhandel eine andere Rechnung auf und bezieht sich auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes. „Es ist eigentlich nicht korrekt, die Preise in Euro zu vergleichen“, sagt er. Der einzig sinnvolle Vergleich für Honsel: „Wie viele Minuten muss ein Durchschnittsverdiener für Produkt X arbeiten?“ Und da gebe es „so gut wie kein Produkt, das nicht über die Jahre erheblich preiswerter geworden ist“.

Auf dem Preisschild sind viele Lebensmittel in den vergangenen Jahrzehnten teurer geworden. Rechnet man allerdings die durchschnittliche Arbeitszeit dagegen, die jemand aufwendet, um sich dieses Lebensmittel zu kaufen, ergibt sich ein anderes Bild. © Statista © Statista

Die aktuellste, im Dezember 2020 veröffentlichte Statistik des Statistischen Bundesamtes zeigt, wie lange ein deutscher Arbeitnehmer in den Jahren 1970 und 2019 durchschnittlich arbeiten musste, um beispielsweise ein Kilo dunkles Mischbrot kaufen zu können. 1970 waren es 16 Minuten, fast 50 Jahre später waren es durch die gestiegene Kaufkraft noch zwölf Minuten.

Für Ralf Honsel ist „das der Grund, warum die Einheiten zum Verkauf von Lebensmitteln größer werden mussten, da man die Erträge bei fallenden Preisen und steigenden Kosten nur durch höhere Quadratmeterumsätze auffangen kann“. Sein größter Edeka-Markt in Hervest hat eine Verkehrsfläche von mehr als 2000 Quadratmetern.

Umsatzsteuer musste wieder angeglichen werden

Bezogen auf das letzte Jahr gibt es laut Honsel bisher relativ wenige Preiserhöhungen. „Nur die reduzierte Umsatzsteuer, die letztes Jahr zu Preissenkungen geführt hatte, musste natürlich wieder angeglichen werden.“ Die allermeisten Waren kosten Umsatzsteuer-bereinigt das gleiche wie im Vorjahr, „was bei steigenden Kosten eigentlich einer Preissenkung gleichkommt. Die meisten Sonderangebote haben heute den gleichen Preis wie vor zwei oder drei Jahren.“

Manchmal ärgert sich Ralf Honsel darüber, dass über Preissenkungen so wenig berichtet wird, sondern erst dann, wenn die Produkte wieder teurer werden. Und manche Vergleiche seien halt nicht ehrlich: „Im Winter ist Salat nun mal teurer als im Sommer.“

Nicht nur die Preise für Energieprodukte, sondern auch die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im September 2021 gegenüber dem Vorjahresmonat überdurchschnittlich mit +4,9 Prozent. Spürbar teurer gegenüber September 2020 wurden Gemüse (+9,2 %) sowie Molkereiprodukte und Eier (+5,5 %). Darüber hinaus verteuerten sich neben den Verbrauchsgütern auch Gebrauchsgüter wie Fahrzeuge (+6,4 %) oder Möbel und Leuchten (+4,4 %) deutlich.

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Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker