Wahlbeeinflussung? Schermbecker Politiker sind sauer auf Schulleiterin

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Dass man für ein und dieselbe Aussage von Politikern erst gelobt und neun Monate später öffentlich getadelt wird, das erlebt derzeit Jessica Steigerwald, die Leiterin der Schermbecker Grundschule.

Schermbeck

, 30.06.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als vor einigen Jahren deutlich wurde, dass es für die Weiterführung von zwei Grundschulen in Schermbeck auf Dauer nicht genügend Schüler geben würde, reifte der Gedanke einer Verbundschule. Diese (Arbeits-) Zusammenführung beider Schulen zu einer Verbundschule wurde ab dem 1. August 2019 wirksam.

Parallel dazu sollte die Frage geklärt werden, ob die neue Verbundschule dauerhaft an einem Standort oder an zwei Standorten untergebracht werden soll.

Um ihre klare Bevorzugung eines Neubaus begründen zu können, fuhr Schulleiterin Jessica Steigerwald mit interessierten Politikern und Verwaltungsvertretern zur Dinslakener Bruchschule, die baulich das umgesetzt hatte, was Steigerwald pädagogisch in ihrer Stellungnahme zum Thema Grundschulgestaltung vorgeschlagen hatte.

Schulleiterin für Zusammenlegung und Neubau

In ihrer umfangreichen Präsentation im Schulausschuss formulierte sie am 18. September 2019 unter anderem: „Erstrebenswert ist eine Zusammenlegung an einen Standort, um Synergien zu erzeugen, das Weiterlernen der Lehrkräfte zu erleichtern, Kommunikationswege zu vereinfachen, einheitliche Unterrichtsstrukturen umzusetzen. Als Rektorin muss ich aus dem Grund der optimalsten Schulentwicklung das Größtmögliche fordern, Abstriche werden von der Politik von alleine gemacht.“ Für die pädagogische Bewertung der Schulleiterin gab es damals viel Applaus.

Politik hat ihre Meinung geändert

Ein fast wortgleiches Plädoyer der Schulleiterin sorgt jetzt für Ärger in der politischen Landschaft. Während die Schulleiterin und das Kollegium am 4. Juni ihre Meinung aus dem Jahre 2019 beibehalten haben, vertreten die Politiker inzwischen eine andere Meinung. Am 9. Oktober 2019 wurde aus Kostengründen eine abgespeckte Bauvariante in der Anbindung an den Hauptstandort im Gemeinderat beschlossen.

Schulleiterin Jessica Steigerwald vertritt nach wie vor die Auffassung des Grundschulkollegiums, dass ein kompletter Neubau einer Grundschule erfolgen sollte.

Schulleiterin Jessica Steigerwald vertritt nach wie vor die Auffassung des Grundschulkollegiums, dass ein kompletter Neubau einer Grundschule erfolgen sollte. © Helmut Scheffler

Am 26. Juli 2020 sollen nun die Bürger über folgende Frage entscheiden: „Sind Sie für den Neubau eines Bildungszentrums an der Weseler Straße/Ecke Waldweg, in dessen Kern eine vereinte fünfzügige Grundschule mit dreifach Sporthalle steht?“ Die Parteien haben in dem Schreiben an die Bürger Schermbecks ihre Auffassung ausführlich begründet, da kam der unveränderte Wunsch des Kollegiums der Grundschule zur unrechten Zeit.

In ihrem Schreiben an die Bürger berichtet die Schulleiterin vom Abstimmungsverhalten des Kollegiums am 4. Juni: „Mit einer Enthaltung wünschen sich alle eine neugebaute Schule wie im Ratsbürgerentscheid beschrieben. Über den Aufruf der Schulleiterin, an der Entscheidung über das Ratsbürgerbegehren teilzunehmen und für einen optimalen Schulneubau zu votieren, haben inzwischen die vier Ratsfraktionen und der parteilose Thomas Heiske eine zweiseitige Stellungnahme formuliert. Sie wehren sich darin einmütig gegen Steigerwalds Vorwurf:

Schulamt wurde eingeschaltet

„Nach dem Beschluss des Rates am 09.10.2019 gab es wieder nicht mehr als Diskussionen.“ Außerdem wird in den Raum gestellt, die Schulleiterin könne mit ihrer Bekanntgabe der Abstimmung des Kollegiums eine Art Wahlbeeinflussung vornehmen“, heißt es. Die Bewertung liegt im Verantwortungsbereich des zuständigen Schulamtes und der zuständigen Schulaufsicht bei der Bezirksregierung. Der Sachverhalt wird dort geprüft.“

Auf Nachfrage teilte am Montag die für die Schermbecker Grundschule zuständige Schulrätin Anke Paukovic mit, dass beim Schulamt mehrere Beschwerden eingegangen seien. Über den Inhalt könne sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt ebenso wenig Auskunft erteilen wie über die Absender der Beschwerden.

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