13-jähriger Péter Karácsonyi tritt bei "Jugend musiziert" an

Musikalisches Ausnahmetalent

Mit seiner Geige hat er sich der Klassik verschrieben, an der Orgel spielt er barocke Stücke und am Klavier unterhält er mit Jazz: Die Rede ist nicht von einem erwachsenen Profimusiker, sondern von Péter Karácsonyi. 13 Jahre ist er alt.

Dorsten/Marl

von Von Julia Grunschel

, 11.04.2013, 15:34 Uhr / Lesedauer: 3 min
Mit 13 Jahren ist er bereits ein Ausnahmemusiker: Péter Karácsonyi.

Mit 13 Jahren ist er bereits ein Ausnahmemusiker: Péter Karácsonyi.

Der Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ läuft vom 17. bis 23. Mai in Erlangen, Fürth und Nürnberg. Wo und wann Péter Karácsonyi spielt, erfährt er noch. L Was er spielt, weiß er schon: 1.Caprice basque op. 24 von Pablo de Sarasate (1844-1908), 2. Serenade mélancolique op. 26 von Peter Iljitsch Tschaikowsky (1840-1893) und 3. Fünf Melodien (1) Andante von Sergej Prokofjew (1891-1953). Mutter Gabriella begleitet ihn.

Wie ein Fünfjähriger dazu kommt, sich eine Geige zu wünschen, ist in der Familiengeschichte begründet. „Bei uns sind alle Musiker – schon die Urgroßeltern“, erklärt Papa István Karácsonyi, Konzertmeister bei der Neuen Philharmonie Westfalen. Seine Frau Gabriella ist ebenfalls Musikerin – ihr Instrument ist das Piano. Und auch Péters Schwester Anna (10) musiziert. Als Duo haben sie im vergangenen Jahr bei „Jugend musiziert“ gespielt – sie am Klavier, er an der Geige. Anfang März hat sich der 13-Jährige beim Landeswettbewerb in Bonn für den Bundeswettbewerb von „Jugend musiziert“ qualifiziert.

Für Péter ist das der bisher größte Erfolg. Vorspiele ist er gewöhnt, wird auch für Auftritte von vielen Seiten angefragt und kann ganz schlecht „Nein“ sagen. „Manchmal hat er schneller zugesagt als wir gucken können“, sagt Mama Gabriella und lacht, „dann muss man ihn auch schon mal bremsen.“ Bremsen müssen die Eltern Péter nicht selten an normalen Nachmittagen. Die sind in der Regel viel zu kurz für das, was er sich nach dem Unterricht am St.-Ursula-Gymnasium vornimmt. Zurück in Marl macht der Achtklässler erst seine Hausaufgaben. Dann übt oder musiziert er jeden Tag zwei bis drei Stunden lang auf der Geige. Üben und musizieren – das sind für Péter zwei Paar Schuhe.

„Musizieren ist, wenn ich Stücke spiele, die ich kann. Das Üben, also beispielsweise das Wiederholen einzelner Partien, ist Arbeit“, erklärt Péter für den Laien. Mindestens zweimal pro Woche hat der 13-Jährige Unterricht bei seinem Vater. Wann er was macht oder machen will, hält Péter in Tagesplänen fest, die er am Computer führt. Meldet die Mutter spontan einen Kieferorthopädie-Termin an, hält sich Péters Begeisterung meist in Grenzen. Schließlich verliert er dann wichtige Zeit. Nicht für das Geigespiel – das gehört für ihn so selbstverständlich zum Tagesablauf wie die Mahlzeiten mit der Familie. Die Zeit, die er verliert, fehlt ihm an solchen Tagen dann für das Orgelspiel.

In das Instrument hat er sich verguckt, als er seinen Vater vor zwei Jahren zu einer Probe in die Marler Georgskirche begleitete und er Kantor Werner Schröder auf der Orgel spielen hörte. Damals stand für den Jungen fest: Was der Kantor kann, wollte auch er können. Die Eltern versuchten, den Wunsch zu überhören, doch Péter gab nicht nach. Inzwischen hat er eine Orgel und Unterricht bei Werner Schröder. Marler könnten Péter sogar schon in Gottesdiensten spielen gehört haben – zweimal ist er Minuten vor Beginn einer Messe für erkrankte Organisten eingesprungen. In solchen Momenten kann er das machen, was er an Instrumenten gerne macht: improvisieren.

Dass er nicht nur darin gut ist, sondern auch ein Meister der Unterhaltung ist, hat er im vergangenen Jahr bei einem Galaabend des Fördervereins Musiktheater im Revier im Schloss Horst unter Beweis gestellt. Während Erwachsene drei Stunden lang dinierten, spielte Péter am Piano. Als die Eltern einen Anruf bekamen, ob sie jemanden kennen, der spielen könnte, meinte ein Freund scherzhaft: „Das ist doch was für Péter.“ Der Junge war zum Entsetzen der Eltern Feuer und Flamme – konnte seiner Mutter aber erst ihr Einverständnis abluchsen, als er ihr an drei Abenden für je eine Stunde Stücke eines erdachten Programms vorspielte. Ein bisschen aufgeregt ist Péter vor dem Bundeswettbewerb im Mai natürlich schon. Aber auch nicht mehr als vor Klausuren in der Schule: „Wenn man da etwas falsch macht, dann ist das viel schlimmer. Die Schule ist wichtig fürs Leben...“ Und weil das so ist, wird Péter bis zum Abitur noch damit kämpfen, alles unter einen Hut in seine Tagespläne zu bekommen.

Und danach? „Mit Musik werde ich immer etwas machen – aber vielleicht nicht hauptberuflich. Vielleicht werde ich auch Arzt.“ Tage, an denen er auch mal keine Lust hat, Geige zu spielen, gibt es übrigens nicht. Die Frage danach quittiert Péter mit einem ratlosen Blick zu seinen Eltern. Nein – die Karácsonyis schütteln den Kopf. „Von mir selbst als Jungen in Péters Alter kenne ich das“, bekennt István Karácsony, „aber von Péter? Nein.“

Der Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ läuft vom 17. bis 23. Mai in Erlangen, Fürth und Nürnberg. Wo und wann Péter Karácsonyi spielt, erfährt er noch. L Was er spielt, weiß er schon: 1.Caprice basque op. 24 von Pablo de Sarasate (1844-1908), 2. Serenade mélancolique op. 26 von Peter Iljitsch Tschaikowsky (1840-1893) und 3. Fünf Melodien (1) Andante von Sergej Prokofjew (1891-1953). Mutter Gabriella begleitet ihn.

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