15 Meter über den Asphalt geschleift – Angeklagter schweigt

rnLandgericht Essen

Ein Autofahrer wird auf dem A31-Parkplatz in Dorsten-Holsterhausen bestohlen, dann 15 Meter über den Asphalt geschleift. Jetzt steht einer der mutmaßlichen Täter vor Gericht.

Dorsten/ Essen

, 24.09.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Diesen Tag wird der 65-jährige Autofahrer wohl nie vergessen: Im Sommer 2018 wurde er auf dem A31-Rastplatz Lüningskamp in Dorsten-Holsterhausen erst bestohlen, dann schwer verletzt. Die Täter hatten ihn mit ihrem Auto 15 Meter über den Asphalt geschleift. Einer der damals dabei gewesen sein soll, steht seit Donnerstag in Essen vor Gericht – und schweigt.

Es war der 23. Juli, gegen 16 Uhr. Der Autofahrer aus Coesfeld, Jäger von Beruf, saß auf dem Rastplatz in seinem Wagen, als plötzlich ein Mann an seiner Fahrertür auftauchte. „Erst hat er mich nach einem Taschentuch gefragt, dann wollte er 20 Euro“, so der 65-Jährige im Prozess. Danach habe der Mann ganz schnell durch das halbgeöffnete Fenster nach seiner Brieftasche gegriffen.

Auf die Motorhaube gesprungen

Rund 600 Euro sollen sich darin befunden haben, vielleicht auch mehr. „So viel habe ich immer dabei.“ Der 65-Jährige hatte sofort die Verfolgung aufgenommen und sich gerade noch rechtzeitig auf die Motorhaube geworfen, bevor die Täter mit ihrem Auto flüchten konnten.

Nach einem anschließenden Gerangel im Wagen hatte er seine Brieftasche dann auch tatsächlich wiederbekommen – allerdings ohne Geld.

Während er selbst noch in der geöffneten Beifahrertür stand, hätten die Täter ihren Wagen plötzlich rückwärts gesetzt. „Mit Vollgas“, heißt es in der Anklage. „Ich konnte mich nur noch oben an der Tür festhalten“, so der 65-Jährige.

Wochenlang an Krücken

Die Folgen waren schwer. Die Ärzte stellten zwei Rippenbrüche fest, einen Haarriss in der Hüfte, außerdem war die Haut an einem der Knöchel stark abgeschürft.

Ein paar Tage lag der Coesfelder im Krankenhaus, wochenlang musste er an Krücken gehen. Inzwischen ist aber angeblich alles wieder gut verheilt.

Eine Gruppe Frauen hatte sich damals das Auto-Kennzeichen der Täter gemerkt, das sich allerdings als gestohlen herausstellte. Trotzdem gingen die Ermittlungen nicht komplett ins Leere. Derselbe Wagen soll vorher unter anderem auch schon bei einem Tankbetrug aufgefallen sein.

Motorradfahrer fuhren einfach weg

Bei der Polizei will der 65-Jährige die beiden Täter auf Fotos auch wiedererkannt haben. Und auch im Prozess war er sich mit Blick auf den Angeklagten sicher: „Der war dabei.“

Ob das jedoch für eine Verurteilung reicht, ist unklar. „Die Indizienlage ist schwierig“, so Verteidiger Bernd Kachur.

Vielleicht hätten noch ein paar Motorradfahrer bei der Aufklärung helfen können, die damals ebenfalls auf dem Rastplatz Pause gemacht haben. „Die sind aber einfach abgehauen“, so der Zeuge. Der zweite mutmaßliche Täter ist bist heute unbekannt. Der Prozess wird fortgesetzt.

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