Bei der Bewältigung künftiger Herausforderungen geht es für die Stadt Dorsten nicht nur ums Geld. Auch die Suche nach geeignetem Personal ist schwierig. (Symbolbild) © picture-alliance/ dpa-tmn
Kommunalpolitik

19 Millionen: Dorsten will „Corona-Schulden“ bis 2024 zurückzahlen

Wegen der Coronakrise hat Dorsten 19 Millionen Euro bis 2024 „auf dem Deckel“. Viel weniger als andere Kommunen. Die Stadt will Tempo machen bei der Tilgung - und kann es sich wohl leisten.

Keine Sparvorgaben, keine Bevormundung – das gab es in Dorsten seit 30 Jahren nicht mehr. Kämmerer Hubert Große-Ruiken hat in seiner letzten Haushaltsrede am Mittwochabend eine Planung vorgelegt, die bis 2024 schwarze Zahlen schreibt. Dorsten hat seine finanzielle Selbstständigkeit zurück – doch die hat Grenzen.

Denn die Sache hat einen Haken. Die durch die Coronakrise verursachten Kosten sind nicht eingerechnet worden. 19 Millionen hat Dorsten laut Große-Ruiken bis 2024 „auf dem Deckel“. Sie werden durch die geringere Lohn- und Einkommenssteuer verursacht, nicht aber durch Gewerbesteuereinbrüche, betont der scheidende Kämmerer. „Wir werden, wenn nicht alles trügt, Ende 2024 genug Eigenkapital haben, um die Corona-Schäden daraus decken zu können.“

Schulden nicht auf die lange Bank schieben

Bürgermeister Tobias Stockhoff bestätigte, dass Dorsten da im Vergleich zu anderen Städten im Kreis Recklinghausen mit einem blauen Auge davonkommt. „Das Corona-Defizit ist gering im Vergleich zu den meisten anderen Kommunen im Kreis Recklinghausen, die im gleichen Zeitraum rund 500 Millionen Euro isolieren wollen.“

Mit anderen Worten: Dorsten wird, wenn die Politik nicht anderer Meinung ist, ein Angebot ausschlagen, die „Corona-Schuden“ in den nächsten 50 (!) Jahren zu tilgen. „Dann müssten wir jedes Jahr 400.000 Euro erwirtschaften“, meint Große-Ruiken. „Unsere Kinder und Enkel werden genug andere Lasten zu tragen haben.“

Der neue Personal- und Finanzdezernent Karsten Meyer kann sich darauf einstellen, dass Bund und Land eines Tages einen Teil des Geldes zurückfordern werden, das sie in der Coronakrise vorgelegt haben. Große-Ruiken warnt deshalb vor langfristigen Verpflichtungen. „Diese Sorge habe ich vor allem bei neuen Stellen.“

94 Stellen in der Verwaltung unbesetzt

Der neue „Reichtum“ wird wohl eher nicht dazu führen, dass im Rathaus überdurchschnittlich viel Personal eingestellt wird, obwohl es gebraucht wird. „In der Verwaltung der Stadt Dorsten sind aktuell 94 Stellen unbesetzt“, teilte Stadtsprecher Ludger Böhne vor wenigen Tagen auf Anfrage mit.

Das betrifft auch und vor allem das Technische Dezernat. Stadtbaurat Holger Lohse spricht von einem Sanierungsbedarf im dreistelligen Millionenbereich bei Straßen, Radwegen und Gebäuden. Außerdem muss, darauf verweist die erste Beigeordnete Nina Laubenthal, in eine zukunftsfähige Schul- und Jugendpolitik investiert werden.

Das alles ist nicht nur eine Frage des Geldes. „Die Ressource Mensch – also engagierte Kolleginnen und Kollegen – zu finden, wird eine der größten Herausforderungen unserer Tage innerhalb der Verwaltung sein“, meint der Bürgermeister.

Die vollständigen Haushaltsreden von Bürgermeister und Kämmerer können auf der Homepage der Stadt (www.dorsten.de) nachgelesen werden.

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Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker