265.000 Euro Schadensersatz von Ex-Mitarbeiterinnen gefordert

Klage von Mantra abgewiesen

In einem erstinstanzlichen Urteil hat die 1. Kammer des Arbeitsgerichts Herne am Mittwoch eine Schadensersatzklage der „Mantra Sozial GmbH“ in Höhe von 265.000 Euro abgewiesen. Das Unternehmen, das in Rhade das Seniorenzentrum „Haus Mantra“ betreibt, hatte diese Summe von drei ehemaligen Pflege-Mitarbeiterinnen des Dorstener Hauses gefordert.

Dorsten/Herne

25.08.2017, 16:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dies bestätigte die Vorsitzende Richterin Marlies Rohkämper-Malinowski auf Anfrage. Die im Raum stehenden 265.000 Euro sollten als Ausgleich für erlittene Verluste und entgangene Gewinne, die der „Mantra Sozial GmbH“ durch die öffentliche Berichterstattung vor drei Jahren entstanden seien, gezahlt werden, so die Begründung.

Insgesamt elf Mitarbeiterinnen des Seniorenheims hatten im Sommer 2014 Vorwürfe über angebliche Pflegemissstände geäußert. Sie schrieben damals eine sogenannte „Überlastungsanzeige“, in der sie auf die ihrer Meinung nach unzureichenden Bedingungen im Hause aufmerksam machten. Sie erhielten anschließend ihre Kündigung, gingen damit an die Öffentlichkeit - inklusive gewerkschaftlicher Unterstützungsaktionen.

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Während eine Mitarbeiterin die Kündigung akzeptierte und sich acht der betroffenen Pflegekräfte schließlich mit ihrem Ex-Arbeitgeber einigten, klagten zwei der Unterzeichnerinnen zunächst vor dem Arbeitsgericht in Herne und dann auch vor dem Landesarbeitsgericht Hamm gegen den Rausschmiss – allerdings ohne Erfolg. Dass die beiden Frauen damals auch sofort die Heimaufsicht und die Pflegekassen eingeschaltet hatten, wurde ihnen von den Gerichten als Verletzung der „Loyalitätspflicht“ angekreidet.

Keine Mängel festgestellt

Das Landesarbeitsgericht Hamm erklärte letztlich die Kündigung durch die Mantra GmbH als rechtens, zumal nach Begründung des Gerichts die Heimaufsicht des Kreises Recklinghausen seinerzeit „keine Mängel“ im Pflegeheim festgestellt habe. Diese Wertung des Gerichts veranlasste die Mantra GmbH nach Angaben ihrer beauftragten Anwältin Uta Heinrich dazu, die Schadensersatzklage zu erheben. Die Belegungszahlen seien aufgrund der Berichterstattung damals erheblich zurückgegangen, erklärte sie. Die Klage richtete sich übrigens auch gegen diejenige Ex-Mitarbeiterin, die gar nicht gegen ihren Rauswurf juristisch vorgegangen war.

Berufung angekündigt

Die 1. Strafkammer des Arbeitsgerichts Herne hatte aber wohl Bedenken hinsichtlich der von Mantra vorgelegten Schadensberechnung. „Das ist ein komplexes Verfahren, wir haben es uns nicht einfach gemacht“, erklärte Richterin Maries Rohkämper-Malinowski gegenüber unserer Zeitung, ohne in Details gehen zu wollen. „Das Urteil ist noch nicht schriftlich verfasst.“ Sobald dies geschehen ist, „werden wir Berufung gegen das Urteil einlegen“, kündigte Mantra-Anwältin Uta Heinrich auf Nachfrage an. Die drei ehemaligen Pflege-Mitarbeiterinnen können also noch nicht aufatmen.

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