27-Jähriger gesteht Kindesmissbrauch: „Es war ein großer Fehler von mir“

rnLandgericht Essen

Bei einer Wohnungsdurchsuchung in Wulfen-Barkenberg stellt die Polizei Festplatten mit Kinderpornos sicher. Darunter sind auch Filme, die ein 27-Jähriger mit einem Nachbarskind gedreht hat.

Dorsten

, 30.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Der Staatsanwalt hat gerade vor dem Essener Landgericht die Anklageschrift verlesen, da will der 27-jährige Barkenberger auch schon reinen Tisch machen. „Die Sachen, die mir vorgeworfen werden, stimmen“, sagt er den Richtern. Und: „Es war ein großer Fehler von mir.“

Im Sommer 2017 hatte der Angeklagte eine Familie aus der Nachbarschaft kennengelernt und schnell Freundschaft mit der Frau und deren Lebensgefährten geschlossen. Gerne war der Barkenberger auch bereit, im Bedarfsfall auf die beiden Kinder der Frau aufzupassen. „Das war eigentlich immer ganz entspannt“, erinnerte er sich am Dienstag vor der Jugendschutzkammer des Essener Landgerichts. „Die Jungs haben ferngesehen oder auf der Playstation gezockt. Ich habe eigentlich nur in der Küche gestanden und darauf gewartet, dass sie Hunger gekriegt haben.“

Kind von Freunden aus der Nachbarschaft

Irgendwann wurde aus dem normalen Erwachsenen-Kind-Verhältnis jedoch ein anderes, ein verbotenes. Zumindest, was den damals zwölfjährigen und damit älteren Sohn seiner Bekannten angeht. Angeblich wollte der Junge mit dem Angeklagten über Sexualität sprechen, weil „er das wohl gerade als Thema in der Schule hatte“. Wenig später kam es zu den Taten, die nun Gegenstand der Anklageschrift sind.

Mindestens 15 Mal soll es zu Übergriffen gekommen sein - entweder in der Wohnung des Mannes in Barkenberg oder in dessen Auto. Von Zwang oder gar Gewalt ist in der Anklageschrift nie die Rede. Aber natürlich wusste der Angeklagte, dass er etwas Verbotenes tat, weil der Junge noch keine 14 Jahre alt war. „Ich wollte das ja auch immer wieder beenden“, behauptete der Barkenberger vor Gericht. „Aber da ist er dann so sehr in Tränen ausgebrochen, dass ich es leider nicht durchgezogen habe.“

Illegale Tauschbörse im Internet

Der sexuelle Missbrauch flog auf, als sich der heute 27-Jährige mit anderen Kinderporno-Bildern und Videos im Internet tummelte. Bei einer illegalen Tauschbörse meldete er sich unter dem Namen „dreamboy98“ an und trat mit anderen Nutzern in Kontakt. Bei einem dieser vermeintlich anderen Nutzer handelte es sich jedoch um einen Spitzel-Account des Bundeskriminalamts. Kurz darauf standen echte Polizisten vor der Tür des Angeklagten und baten darum, die Wohnung durchsuchen zu dürfen.

Was dabei gefunden wurde, macht selbst erfahrene Beamte sprachlos. Fast 80.000 Bilder von Kindern in sexuellen Posen stellten die Beamten sicher und dazu noch Hunderte von Videos. Seit Februar sitzt der Barkenberger deshalb in Untersuchungshaft. Mit einem Urteil des Essener Landgerichts ist nach derzeitiger Planung Ende August zu rechnen.

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