Der Wulfener Markt, ein „Lost Place" © Guido Bludau
Meinung

3.000 Kubikmeter Müll lassen nur eine Deutung zu: Wir sind nicht ganz gescheit

Vielleicht 400 Menschen haben mal in den Wohnungen am Wulfener Markt gelebt. Und geben uns eine Vorstellung davon, was für Abfallhaufen jeder einzelne produziert. Das sollte uns eine Mahnung sein.

Eine gigantische Herausforderung ist das Unternehmen, den Wulfener Markt vor dem Abriss vom Sperrmüll zu befreien. 130 Wohnungen und 19 Läden sind unbewohnt und müssen entrümpelt werden. Ein Abfallhaufen unvorstellbaren Ausmaßes liegt dort herum. Nichts, aber auch gar nichts von dem, was sich in dem Gebäudekomplex befindet, ist noch brauchbar. Weder die Couch-Garnituren noch die Betten und Matratzen oder die Thekeneinrichtung, auf denen oder an der mal Menschen ihren Feierabend genossen haben.

Man muss sich diesen kolossalen Berg von Abfall mal bildlich vorstellen: Vermutlich 100 Container á 30 Kubikmeter werden mit dem Müll aus Wohnungen und Läden gefüllt. Das dauert Wochen, um alles zu beseitigen und fachgerecht zu entsorgen. Wobei die Betonung auf fachgerecht liegt. Denn nur ein spezialisiertes Fachunternehmen wird den Zuschlag für diesen Auftrag bekommen.

Der Dorstener Entsorgungs-Unternehmer Johannes Humbert kennt sich auch mit Sperrmüll gut aus und hat mir gesagt, dass Dorsten eine „sehr reiche“ Stadt sein muss. Vieles, was in Dorsten weggeworfen wird, sei noch brauchbar. Aber wir sind es ja gewohnt, aus dem Vollen zu schöpfen. Nachhaltig ist das nicht, ressourcenschonend nicht und absolut umweltfeindlich ist das auf jeden Fall. Das lässt nur eine Deutung zu: Wir sind nicht ganz bei Trost.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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