350 Bewohner des Marienviertels beim Themenabend

Heiße Eisen

Was kommt auf die Bewohner des Marienviertels mit der Totalsperrung der Bismarckstraße zu? Wie wird dem demografischen Wandel im Viertel begegnet? Unentwegt stellten 350 Hervester am Dienstagabend Vertretern der Stadtverwaltung Fragen.

Dorsten

, 17.02.2016, 16:57 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sieben Themenkomplexe stehen in dem Quartier, das einen hohen Wohnwert hat, dessen Bevölkerung aber immer älter wird, im Fokus. Prof. Werner Springer moderierte den lebhaft geführten Diskurs virtuos und kündigte weitere Informationsabende an. Außerdem werden Projektgruppen gebildet, in denen sich die Marienviertelbewohner aktiv am Gestaltungsprozess für die Zukunft ihres Quartiers beteiligen können.

Zu dem Themengebieten gehören:

  • Weiternutzung des Gebäudes und Geländes der Gerhart-Hauptmann-Realschule. Sie läuft im Sommer aus, die letzten verbliebenen Klassen siedeln im Klassenverband zur Erich-Klausener-Realschule über. Für das Gebäude gibt es einen Interessenten, der ebenfalls ausbildet: Altenpfleger sollen dort demnächst zur Schule gehen. Auf dem Gelände sind verschiedene Nutzungen denkbar, dazu zählen innovative Wohnformen fürs Alter, bezahlbarer Wohnraum für verschiedene Generationen. Außerdem sollen die Schützen St Marien einen neuen Festplatz auf dem alten Tennisplatz in dem Quartier finden.
  • Umbau der Bismarckstraße und Abriss der ehemaligen Eisenbahnbrücke: Da kommt ab April ein richtig dicker Brocken auf das Wohnumfeld zu. Denn der Verkehr wird über die Marienstraße abfließen, wenn die Bismarckstraße ab Windor gesperrt ist. Der Verkehr aus dem Norden fließt übers Zechengelände ab. Die Marienstraße wird ein umfassendes Parkverbot bekommen, außerdem eine Ampel, damit die Linksabbieger aus der Marienstraße eine Chance haben, auf die Borkener Straße zu kommen. Die Frage, wo der Schwerlastverkehr bleiben soll, ist noch nicht abschließend beantwortet.
  • Umbau des Bahnhofsvorplatzes Hervest und Sanierung der Straße Am Holzplatz: Hier kommts ebenfalls knüppeldicke. Denn die Arbeiten in diesem Bereich werden parallel zu den Bauarbeiten auf der Kreisstraße Bismarckstraße erfolgen. Ob der Bahnhof überhaupt noch erreichbar ist, wie er zu erreichen ist, wie Fußgänger und Radfahrer sicher vom westlichen in den östlichen Teil des Marienviertels gelangen und zurück, ist noch nicht ganz klar. Der Kreis hat sich bislang noch nicht erklärt, war auch beim Themenabend am Dienstag nicht dabei. Das soll nun bei einer Informationsveranstaltung im April nachgeholt werden.
  • Die fehlende Fußgängerbrücke über den Hammbach: Diese wunderbare Querungshilfe gibt es seit Oktober nicht mehr. Die Hervester Fußgänger vermissen sie schmerzlich, weil sie über die Brücke leichten Fußes nach Holsterhausen gelangen konnten, indem sie den die Brücke als Abkürzung zum Fußweg zum See nutzten. Im Spätsommer wird ein Nachfolgemodell gebaut. 
  • Die mangelhafte Nahversorgung im Quartier:  Das ist insbesondere ein Problem der vielen älteren Bewohner im Viertel. Denn die Rollatorfahrer fahren nicht zum Zechengelände, sie brauchen fußläufig einen Metzger, Bäcker, Supermarkt. Die Stadt will alles tun, um die Grundlagen für neue Ansiedlungen zu schaffen. Ob die Unternehmer anbeißen? Man wirds sehen.
  • Der Spielplatz an der Bachaue: Wird gerade in Eigenregie hergerichtet. Auf dem Gelände der Gerhart-Hauptmann-Realschule soll ein Mehrgenerationenspielplatz angelegt werden. Ein für die Planer reizvolles Terrain. Dieser Vorschlag führte beim Infoabend zu großer Erheiterung, aber ein ähnliches Angebot gibt es bereits in einem anderen Hervester Gebiet und wird dort von allen Generationen begeistert angenommen.
  • Windvorrangzone in der Gälkenheide: Ein nicht unumstrittenes Vorhaben. Die Stadt will acht dieser Zonen, eine davon im Marienviertel, ausweisen, damit kein Wildwuchs solcher Anlagen entsteht.  So dürfen WKA nur in den Zonen gebaut werden, mindestens drei müssen in einer stehen. Sechs Grundstückseigentümer gibt es in dem Planungsgebiet Gälkenheide, davon sind vier für den Bau von WKA, zwei Eigentümer dagegen. Die Vorrangzone liegt nahe am Muna-Gelände. 180 Stellungnahmen hat es im Vorfahren vor der Aufstellung und dem noch anstehenden Beschluss des Flächennutzungsplanes für insgesamt acht Windvorrangzonen in Dorsten gegeben, davon entfallen 70 auf die  Gälkenheide.  Einige Marienviertelbewohner führen Infraschall als Ablehnungsgrund ins Feld, andere die zu große Nähe der Anlagen zum Munitionshauptdepot der Bundeswehr. Die Bundeswehrverwaltung in Bonn hat eine Stellungnahme abgegeben, aber kein rechtswirksames K.o.-Kriterium, wie Bürgermeister Tobias Stockhoff am Dienstagabend sagte. "Bauchgefühl" ließen Gerichte aber nicht gelten. Die Nachbarstadt Haltern musste nach einem Beschluss des Verwaltungsgerichtes Münster nachbessern, weil Proteste von Bürgern und Interessen von Investoren kein Kriterium für den Bau von Windkraftanlagen sind.

Bürger die Anregungen haben oder in den Projektgruppen mitwirken wollen, wenden sich an: Email: AG-Marien@web.de Bei der Stadt sind Lisa Bauckhorn (663470) und Ludger Böhne (663471) für Bürgeranregungen und Kritik aus dem Viertel Ansprechpartner.

 

 

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