63-Jähriger zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt

Sexueller Missbrauch

DORSTEN / ESSEN Vor dem Essener Landgericht wurde ein 63-Jähriger aus Stemwede zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Er hatte die Tochter einer Lebensgefährtin sexuell missbraucht.

von Von Irene Stock

, 04.12.2009, 15:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Insgesamt kam es zu 80 Übergriffen. Fünf Delikte kamen gestern Vormittag im Essener Landgericht zur Anklage. Zur Begegnung zwischen Opfer und Täter kam es 1995 auf einem Reiterhof in Haltern. Die Kontakte wurden enger, das Kind übernachtete gar in der Wohnung des Angeklagten in Dorsten. Dort kam es zu ersten Übergriffen - anfangs Griffe an die Brust und in den Genitalbereich, später zu Oralverkehr. Als der Mann eine Beziehung mit der Mutter (die inzwischen verstorben ist) begann und in deren Wohnung in Haltern einzog, begann das Martyrium für das Mädchen. Er belästigte die 12-Jährige phasenweise zweimal in der Woche, entweder war die Mutter nicht zu Hause oder er erklärte der Mutter, dem Kind gute Nacht sagen zu wollen.

Der erst nach zwei Stunden intensiven Zuspruchs durch seinen Verteidiger geständige Rentner bestritt keine der ihm vorgeworfenen Vergehen. Das ersparte zumindest dem heute 26-jährigen Opfer die Aussage vor Gericht. Der Angeklagte widersprach (unter Ausschluss der Öffentlichkeit) allerdings dem Vorwurf der Gewaltanwendung. Er habe den Eindruck gehabt, dass es dem Mädchen gar nicht so unlieb gewesen sei. Und die Zwölfjährige schwieg, auch wegen der Lebenssituation ihrer Mutter, die in dem Mann einen neuen Lebenspartner sah. Der Angeklagte bedauerte vor Gericht seine Tat, gab an, dass er „die Familie abgöttisch geliebt habe.“ Unter anderem kaufte er dem Mädchen ein Reitpferd für 15.000 Euro und Sattelzeug für 3.000 Euro. Ein Umstand, den die Staatsanwältin so bewertete: „Die Geschädigte muss sich wie eine Prostituierte gefühlt haben.“

Dass die Vergehen erst nach über zehn Jahren geahndet wurden, geht auf einen Zeitungsbericht über die jüngste Verurteilung des Angeklagten zurück. Die 26-Jährige, „die in der Zeit nach den Übergriffen nicht mehr gelebt hat“, wie ihre Rechtsanwältin es beschrieb, erstattete Anzeige gegen ihren Peiniger, um weitere Mädchen vor Übergriffen des Mannes zu schützen. Der Verurteilte wird die Strafe im offenen Vollzug verbüßen.

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