Acht Künstler aus Dorsten blicken mit viel Energie zurück nach vorn

rnKunst-Ausstellung

Zehn Jahre danach ist in der Kulturszene Dorstens nicht viel vom propagierten Aufbruch durch das Kulturhauptstadtjahr „Ruhr.2020“ geblieben. Aber eine Künstlergruppe blickt zurück nach vorn.

Dorsten

, 17.08.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Groß-Veranstaltungen mit reinem Event-Charakter verlieren sich anschließend gerne mal im Nichts - Nachhaltigkeit sieht anders aus. Das war selbst mit dem Kulturhauptstadtjahr Ruhr.2010 nicht viel besser. Auch in Dorsten: „Zehn nach 10“ ist von der damals oft propagierten Vernetzung und dem fruchtbaren Aufbruch der Dorstener Kulturszene wenig übrig geblieben. Und kulturelle Rückblicke auf 2010? Von offizieller Seite nicht geplant, auch vor der Coronakrise nicht vorgesehen gewesen.

Kuratorin Barbara Gietz

Immerhin hat sich mit Barbara Gietz eine Kunst-Aktivistin gefunden, die - angestoßen von der Essener Erinnerungsveranstaltung Zehn nach Zehn auf Zeche Zollverein Ende Januar - mit einer Gemeinschaftsausstellung an die damalige Dorstener „Local Heroes“-Woche vom September 2010 erinnert.

Sie hat erneut als Kuratorin zehn Jahre danach die acht Künstlerinnen und Künstler aus Dorsten um sich geschart, die damals zwei Projekte in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein „Virtuell-Visuell“ (mit-)gestaltet hatten.

Die Kreativen haben damals als „Künstler vor Ort“ den Dorstener Abschnitt des ehemaligen „Gahlenschen Kohlenwegs“ mit öffentlichen und breit gefächerten Arbeiten als „Kunstroute“ inszeniert. Und während der Local Heroes-Woche vom 5. bis 12. September 2010 parallel eine Gemeinschaftsausstellung in den damaligen ViVi-Räumen an der Wiesenstraße bespielt.

Ein Blick in den Ausstellungskatalog der Gruppe von vor zehn Jahren.

Ein Blick in den Ausstellungskatalog der Gruppe von vor zehn Jahren © Michael Klein

Auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten ist Barbara Gietz, deren Projekt mit Mitteln aus dem Bürgerfonds der Mitte-Konferenz in Höhe von gut 4000 Euro gefördert wird, in zwei leer stehenden Ladenlokalen in der Passage des Franziskanerklosters fündig geworden.

Thema ist „Energie“

Während das frühere Buchclub-Geschäft vom 5. bis 12. September 2020 von außen mit Fotos der Ruhr.2010-Kunstaktivitäten dekoriert wird, können sich die Künstler in der ehemaligen Zeeman-Filiale mit neuen Werken kreativ ausleben. „Wir haben uns dafür gemeinsam sehr schnell auf das Oberthema Energie einigen können, mit wir zurück nach vorn blicken wollen “, so die Initiatorin.

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Alle acht Künstlerinnen und Künstler sind im Verlauf der letzten zehn Jahre aktiv geblieben. Und so soll die Ausstellung auch dokumentieren, was aus ihnen geworden ist, wie sie in den letzten zehn Jahren gearbeitet haben und ob die damaligen Ruhr.2010-Projekte ihnen Anstöße gegeben haben.

Die Beiträge

Brigitte Stüwe wird sich figürlich mit Energiepflanzen auseinandersetzen, Slavica van der Schoors mit tänzerischen „Energiebewegungen“ beschäftigen, Steinbildhauer Rainer Kuehn sich der Trauerbewältigung annehmen, Ralf Pohlmann sich in Malerei und Objekten dem Thema Kraft annähern, Rüdiger Goeritz Bergbau-Fundstücke in digitale Fotomontagen transformieren, Gisela Ostrop Keramikarbeiten zeigen und Doris Gerhard auch Fotografien von Sonnenuntergängen zu Bild-Text-Collagen verarbeiten.

Collage mit Beiträgen, die die Künstler zum Dorstener Teil der "Kunstroute Gahlenscher Kohlenweg" zusammmengetragen hatten.

Collage mit Beiträgen, die die Künstler zum Dorstener Teil der "Kunstroute Gahlenscher Kohlenweg" zusammmengetragen hatten. © Privat

Dazu noch der Musiker Thomas Döller, der vor zehn Jahren in der Hervester Kreuzkirche mit seinem Duo-Partner Jürgen Schwalk der Frage nachgegangen war, wie Kohle klingt. Und nun wieder einen Kirchenraum bespielt. Am 5. September (Samstag) wird er mit dem Jazz-Pianisten Marc Brenken um 19.30 Uhr als Duo „Invisible Colours“ in der Franziskaner-Kirche auftreten - im Rahmen des Festivals „Dorstener Stadtklänge“.

Öffentliche Gesprächsrunde

Zum Rahmenprogramm gehört auch am 7. September (Montag) im Forum der VHS eine öffentliche Gesprächsrunde zum Thema „Raum für bildende Kunst in Dorsten“, die von Professor Werner Springer geleitet wird.

Übrigens: Einige der vor zehn Jahren entstandenen ViVi-Kunstwerke sind inzwischen den Weg alles Vergänglichen gegangen, andere noch immer sichtbar. Wie die „Bergmännchen“ von Rüdiger Goeritz am Schölsbach, wie die Plastiken im „Ruhr-Kulturgarten“ in Altendorf, wie der Last-Esel von Rainer Kuehn an der Gahlener Straße

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