Ärger wegen Stromrechnung - Dorstener freut sich auf Gerichtstermin

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Ein Dorstener lässt es auf einen Prozess gegen den Energieversorger innogy ankommen. Es geht um ein paar hundert Euro Stromkosten. Im fraglichen Zeitraum wohnte er lange woanders.

Dorsten

, 13.08.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit einer gewissen Vorfreude sieht Hans-Jörg Rippe dem Prozess am 29. Oktober vor dem Amtsgericht Dorsten entgegen. Er ist überzeugt, dass „diese Absurdität“ für ihn ein gutes Ende nehmen wird.

Der Energieversorger Innogy beschuldigt den 72-Jährigen, der sich als Vorstandsmitglied im Hervester Bergbauverein engagiert, zwischen dem 16. Januar 2015 und dem 20. März 2016 die Stromrechnungen nicht bezahlt zu haben. Zu diesem Zeitpunkt lebte er schon in Dorsten, es geht allerdings um eine Wohnung in Essen.

Schon lange nicht mehr in Essen gewohnt

An der dortigen Rheinstraße hat Hans-Jörg Rippe tatsächlich mal gewohnt. Bis 2008. Dann zog er nach Niedersachsen und vermietete seine Wohnung. Im Oktober 2014 verkaufte er das Zweifamilienhaus in Essen und wurde in Dorsten heimisch. „Ich dachte, die Rechnung sei ein Irrtum, aber Innogy sieht das offenbar anders.“

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Die „abstruse Forderung“, so Hans-Jörg Rippe, hält das Unternehmen nach vielen Schriftwechseln aufrecht. Inklusive Mahngebühren geht es mittlerweile um mehrere hundert Euro. „Innogy behauptet, mit mir einen Vertrag geschlossen zu haben, den ich überhaupt nicht kenne. Das gilt auch für zwei Rechnungen, die ich angeblich bekommen habe.“ Von RWE, denn Innogy gab es zum fraglichen Zeitpunkt noch nicht.

Verbraucher müssen sich an- und abmelden

Ärger mit Stromversorgern - das kennt auch die Verbraucherberatung in Dorsten zur Genüge. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, darf sich Leiterin Ruth Pettenpohl zu diesem Fall nicht mehr äußern. Sie betont allerdings: „Immer wieder vergessen Verbraucher bei einem Umzug oder einem Verkauf, die Zähler beim Energieversorger abzumelden und auf den neuen Bewohner oder Eigentümer anzumelden.“

Ruth Pettenpohl von der Verbraucherzentrale in Dorsten weiß von vielen Fällen, in denen Verbraucher Ärger mit dem Stromlieferanten hatten.

Ruth Pettenpohl von der Verbraucherzentrale in Dorsten weiß von vielen Fällen, in denen Verbraucher Ärger mit dem Stromlieferanten hatten. © Archiv

Der Netzbetreiber, in Dorsten ist dies Westnetz, benötigt diese An- und Abmeldungen zwingend, um dem Energielieferanten mitzuteilen, an wen er seine Rechnungen zur gelieferten Energie stellen muss. „Ansonsten kommen die Begrüßungsschreiben und die Jahresrechnungen mit deutlicher Verspätung beim Verbraucher an und es entstehen hohe Nachzahlungen“, erklärt Ruth Pettenpohl. Für Dorstener Bürger, die mit Strom heizen, sei dies oft unbezahlbar. „Wir vereinbaren dann häufig Ratenzahlungen mit den Energieversorgern.“

Bei Hans-Jörg Rippe liegt der Fall nach eigenen Angaben anders. „Ich hatte mich für die Adresse 2008 bei RWE nach Niedersachsen abgemeldet und war danach nie Kunde von RWE in dem Haus, da ich dort nicht wohnte.“ Beide Wohnungen in dem Haus hatte der Dorstener vermietet. „Die Mieter sind vor dem Verkauf bis spätestens August 2014 ausgezogen gewesen. Wo die gemeldet waren, ging mich nichts an.“

Kanzlei hat „zweifelhaften Ruf“

Die Liste der Merkwürdigkeiten ist damit aus seiner Sicht noch nicht zu Ende. Auch die ersten Schreiben einer Anwaltskanzlei aus Potsdam gingen an die Essener Adresse. Die soll nach Internet-Recherchen des Dorsteners „nicht den allerbesten Ruf bei der Eintreibung von nicht gerechtfertigten Forderungen“ haben. Und dann verklagte die Kanzlei ihn auch noch beim Amtsgericht in Hagen.

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Verhandelt wird Ende Oktober aber doch in Dorsten. Falls es dazu kommt. Hans-Jörg Rippe hat sich zu dem Fall ausführlich schriftlich geäußert, die Gegenseite nun um eine Fristverlängerung für ihre Stellungnahme gebeten. „Bislang“, sagt er, „hat sie nicht einen Beweis für ihre Anschuldigungen vorgelegt.“

Hans-Jörg Rippe hat deshalb Strafanzeige gegen eine Anwältin der Gegenseite wegen „bewusster Verunglimpfung“ gestellt. „Sie und Innogy hätten sich den Schritt ersparen können, wenn sie die Klage stillschweigend zurückgezogen und sich formell entschuldigt hätten.“

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